«Nepszava»: In einer Welt der Pragmatiker
BUDAPEST: Über die ungarisch-amerikanischen und ungarisch-russischen Beziehungen nach der Abwahl des Trump- und Putin-freundlichen Rechtspopulisten Viktor Orban schreibt die links-liberale Budapester Internet-Zeitung «nepszava.hu» in einem Kommentar:
«Nach dem (Wahltag am) 12. April erfuhren wir unverzüglich aus dem Munde des US-Präsidenten (über Orbans Nachfolger Peter Magyar): «Er wird gute Arbeit leisten.» Mit etwas Verspätung ließen die Russen erkennen, dass auch sie an pragmatischen Beziehungen mit der neuen ungarischen Regierung interessiert seien. (...) Was hätten sie auch anders tun sollen? (...) Die frühere, handzahme und pflegeleichte ungarische Regierung werden sie nicht zurückbekommen. Es gilt zu retten, was zu retten ist. Zu klären wäre etwa die Zukunft des Baus zweier neuer Reaktoren im AKW Paks durch die russische Rosatom. (...) Von der neuen Regierung in Budapest verlangen die Amerikaner oft das Gegenteil von dem, was Moskau will. So etwa, dass sie ihre Beziehungen zu Russland und China runterfährt, amerikanische Firmen ins Projekt Paks reinnimmt und Flüssiggas und Waffen aus den USA kauft. Zugleich deutet jedoch nichts darauf hin, dass Peter Magyar Washington und Moskau gegenüber in einer schlechteren Verhandlungsposition wäre als sein Vorgänger. Ganz im Gegenteil.»
«La Stampa»: Putin setzt klar auf Krieg
TURIN: Die italienische Zeitung «La Stampa» meint am Samstag zur Absage von Russlands Präsident Wladimir Putin an Gespräche mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj:
«Ein deutlicheres «Njet» auf den Vorschlag für einen Waffenstillstand ist kaum vorstellbar. Wer die Vorgehensweise des russischen Präsidenten kennt, wusste genau, dass er jedes Friedensangebot ablehnen würde, das nicht seinen Bedingungen entspricht. Die Frage war nur, in welcher Form.
Ein paar ukrainische Drohnen, die zeitgleich mit der Eröffnung des Wirtschaftsforums, das als Schaufenster des Regimes dienen sollte, im Hafen von St. Petersburg platziert wurden, sowie ein in sarkastischem Ton verfasster offener Brief haben den russischen Diktator so sehr gekränkt, dass er die Heuchelei der Diplomatie beiseiteließ. Ausdrücklich erklärte er, dass der Krieg mit der Erreichung der russischen Ziele auf dem Schlachtfeld enden müsse.»
«El País»: Eindringliche Botschaft des Papstes
MADRID: Die spanische Zeitung «El País» kommentiert den Besuch von Papst Leo XIV. in Spanien:
«Die Themen soziale Ungleichheit und Einwanderung werden einen Großteil der Agenda einnehmen, die den Papst neben Madrid auch nach Barcelona und auf die Kanarischen Inseln führen wird. Prevost wird Ankunftsorte von Migranten und Hilfszentren auf Gran Canaria und Teneriffa besuchen. Die Botschaft ist nicht nur sozialer, sondern auch politischer Natur und sie ist eindringlich, zu einer Zeit, in der die europäische extreme Rechte und die spanische Partei Vox von Vorschlägen zur Ablehnung der Migration zu offen rassistischen Positionen übergeht. (...) Es wäre nicht überraschend, wenn der Papst auf die Unvereinbarkeit des katholischen Glaubens mit den fremdenfeindlichen Ansätzen der extremen Rechten hinweisen würde.
Prevost wird in Spanien die Gelegenheit haben, diejenigen nicht zu enttäuschen, die - Katholiken und Angehörige anderer Religionen, Gläubige und Agnostiker, Atheisten - der Meinung sind, dass auch die Kirche zum Fortschritt beitragen kann.»
«NZZ»: Trump ist so unbeliebt wie nie zuvor
ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung» kommentiert am Samstag die Kritik an US-Präsident Donald Trump in den Reihen seiner eigenen Partei:
«Trumps Durchsetzungskraft war bisher nur so groß, weil die Republikaner ihn gewähren ließen. Doch das Zweckbündnis der Partei mit ihrem Präsidenten wird im Wahljahr strapaziert. Trump ist so unbeliebt wie nie zuvor, sein Iran-Abenteuer ist etwa so beliebt wie der Vietnam-Krieg. Das schlägt sich in schlechten Prognosen für Republikaner nieder, die in den Zwischenwahlen im November ihre Sitze verteidigen müssen. In dieser Lage erweist sich Trump ganz und gar nicht als ein Teamplayer für die Republikaner. Statt sie zu stützen, kapriziert er sich darauf, altgediente Bisherige aus dem Rennen zu werfen. Diese bilden den Kern der Widerspenstigen im Kongress, denn sie haben nichts mehr zu verlieren. Warum sollten die Republikaner zu Trump halten, wenn er nicht zu ihnen hält?
Die Uhr tickt nicht zugunsten des Präsidenten. Allgemein wird erwartet, dass die Demokraten im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückholen werden. Sogar der Senat könnte kippen. Das würde das Ende der dreifachen Machtposition der Republikaner bedeuten. Gleichzeitig wird unmittelbar danach die Diskussion um die Nachfolge von Trump beginnen. Trump ist zwar noch lange keine «lame duck», aber er hat bereits ein Quantum Kontrolle über seine Republikaner verloren.»