Neues aus der Presse am Dienstag

Foto: Pixabay/Gerd Altmann
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«Handelsblatt» zu unterschätzte Geisteswissenschaftler/KI-Zeitalter

Produktive KI-Arbeit entsteht dort, wo Sachkenntnis, technisches Grundverständnis und sprachliche Präzision zusammenkommen.

Wer nur formulieren kann, aber den Gegenstand nicht versteht, wird scheitern. Wer nur Fachwissen hat, aber die Aufgabe nicht sauber übersetzt, verschenkt Potenzial. Für Unternehmen ist das mehr als eine Bildungsdebatte. Viele behandeln KI noch immer vor allem als IT-Projekt. (.) Deutschland braucht mehr Informatik, ja. Aber es braucht auch Menschen, die präzise denken, sauber formulieren und kritisch prüfen. Die wichtigste Fähigkeit im KI-Zeitalter besteht nicht darin, alles selbst zu wissen. Sie besteht darin, Fachwissen, Technikverständnis und Sprache so zu verbinden, dass Maschinen nützliche Arbeit leisten und Menschen verantwortlich entscheiden.


«Frankfurter Allgemeine Zeitung» zu Familienpolitik

Hier könnte etwas Sinn und Form annehmen: Während die Bundesfamilienministerin für eine Beibehaltung beziehungsweise Erhöhung durch Umschichtung innerhalb der aktuellen Elterngeldsätze wirbt, werden (vorerst unbestätigte) Pläne der Gesundheitsministerin bekannt, Kinderlose in der Pflegeversicherung etwas stärker zu belasten.

Nina Warken geht es einstweilen nur um eine Erhöhung des Beitragszuschlags für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte, die finanzielle Misere der Pflegeversicherung wird sie allein damit nicht lösen können. Gemeinsam mit Karin Prien, die trotz herber Sparzwänge um das Elterngeld kämpft, ergibt sich dennoch eine Linie der beiden CDU-Politikerinnen, Familien mit (kleinen) Kindern zumindest nicht noch weiter zu belasten. (.).


«Ouest-France»: Diplomatischer Druck auf Israel reicht nicht

RENNES: Die französische Zeitung «Ouest-France» kommentiert am Dienstag das von Israels Polizeiminister Itamar Ben-Gvir verbreitete Video, das festgenommene Aktivisten der Gaza-Hilfsflotte in demütigender Weise zeigt:

«Als die israelischen Behörden letzte Woche die Hilfsflotte für Gaza in internationalen Gewässern abfingen, haben sie erneut gegen das Völkerrecht verstoßen. Die Festnahmen verliefen äußerst gewaltsam. (...)

In vielen europäischen Hauptstädten kam es recht schnell zu empörten Reaktionen. Paris und Rom haben die israelischen Botschafter einbestellt. In Brüssel wird über mögliche Sanktionen gegen Itamar Ben Gvir diskutiert. Frankreich hat ihn am Samstag zur «persona non grata» erklärt (...). Aber reicht das aus? (...)

Itamar Ben Gvir aus Frankreich auszuweisen, ist keine Antwort auf diese Fehlentwicklung. Die Bevölkerung von Gaza lebt in einem Ghetto. Kein Journalist darf von der Besatzungsmacht Israel nach Gaza einreisen. Es wird hinter verschlossenen Türen getötet. Einen Minister auszuweisen, reicht nicht aus. Muss man so weit gehen, das Assoziierungsabkommen zwischen der Europäischen Union und Israel auszusetzen? Die 27 Mitgliedstaaten sind in dieser Frage gespalten. Paris, Rom und vor allem Berlin zögern, diesen Schritt zu gehen. Alles deutet jedoch seit Jahren darauf hin, dass diplomatischer Druck keinerlei Wirkung auf Benjamin Netanjahu und seine Verbündeten hat.»


«Hospodarske noviny»: Wettstreit um extreme Wähler

PRAG: Zu den Protesten gegen den Sudetendeutschen Tag, der über Pfingsten erstmals in Tschechien stattfand, schreibt die liberale Zeitung «Hospodarske noviny» aus Prag am Dienstag:

«Zunächst verhielt sich die Mehrheitsgesellschaft mehr oder weniger gleichgültig zu dieser Aktion. Die meisten Politiker begrüßten die Veranstaltung entweder als einen Beweis dafür, dass man in einem gemeinsamen Europa an Unrecht und Hass erinnern kann, damit es sich nicht wiederholt, oder betrachteten sie als konfliktlos.

Doch dann witterten tschechische Extremisten möglichen Profit. Und schon ging es los. Sie fingen an zu trommeln. (...) Sie ließen es aussehen, als ob eine neuzeitliche Variante der Angriffseinheiten der SS auf Tschechien losstürmen und auf dem Weg Häuser in ihren Besitz nehmen würde, die schon seit 81 Jahren in tschechischer Hand sind.

Lächerlich? Absurd? Dämlich? Aus rationaler Sicht zweifellos. (...) Doch wir sind in der Politik dahin gekommen, dass eine marginale Minderheit jegliche rationale Debatte zerstören kann. (...) Im Mittelpunkt steht nicht mehr, was im Interesse des Landes ist, sondern der Wettkampf zwischen den einzelnen Parteien der Regierung unter Andrej Babis um ein paar Prozent extremer Wählerstimmen.»


«De Telegraaf»: Konturen einer schmachvollen Blamage

AMSTERDAM: Die niederländische Zeitung «De Telegraaf» kommentiert am Dienstag die Verhandlungen über ein Ende des Iran-Kriegs:

«Von den amerikanischen Forderungen zu Beginn des Krieges ist wenig übriggeblieben. Dass es nicht zu einem Regimewechsel im Iran kommen würde, war schnell klar geworden. Die Unterdrückung des iranischen Volkes geht weiter. (US-Präsident Donald) Trumps Versprechen - «die Stunde eurer Freiheit naht» - ist anscheinend nichts wert.

Harte Forderungen nach einem Ende der Unterstützung terroristischer Organisationen und einer Beschränkung des iranischen Raketenarsenals sind wohl vom Tisch. Der Iran verfügt noch über 70 Prozent seiner Vorkriegsbestände. Und eine Freigabe eingefrorener Milliardenguthaben würde zweifellos irgendwann dazu führen, dass die Terrorkassen der Hamas und der Hisbollah wieder aufgefüllt werden.

Trump hat erklärt, der Iran dürfe keinesfalls über Atomwaffen verfügen, doch er scheint sich damit zufriedengeben zu wollen, dass eine weitere Urananreicherung auf Eis gelegt wird. Von einer völligen Zerschlagung des Atomprogramms kann so keine Rede mehr sein. Derweil weigert sich Teheran, seinen Vorrat an hochangereichertem Uran abzugeben, mit dem elf Atombomben gebaut werden könnten. Das Atomthema wird auf die lange Bank geschoben. Alles in allen sind das nicht die Konturen eines guten Deals, sondern die einer schmachvollen Blamage.»


«NZZ»: Trump hat seinen Wohlstand deutlich vermehrt

ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung» beschäftigt sich am Dienstag mit den Vermögensverhältnissen von US-Präsident Donald Trump:

«Er ist der reichste US-Präsident der Geschichte - mit deutlichem Abstand. Auch John F. Kennedy, George Washington oder Theodore Roosevelt hatten von ihren Vätern bedeutende Vermögen geerbt. Sie nutzten dieses Startkapital aber vor allem, um ihre politischen Ambitionen voranzubringen - nicht umgekehrt. Donald Trump hat seinen Wohlstand dagegen deutlich vermehrt, seit er 2024 zum zweiten Mal als Präsident gewählt worden ist.

Dass er die Verwaltung seines Vermögens nicht Treuhändern überlässt, wie das alle Präsidenten vor ihm getan haben, trägt ihm scharfe Kritik ein. Trump argumentiert, er habe das Recht, sich weiterhin selbst um sein Vermögen zu kümmern, und kein Jurist oder Parlamentarier konnte ihn bisher davon abhalten.

Derzeit sorgt für viel Unmut - nicht nur bei Demokraten -, dass Trump Aktiengeschäfte so getimt hat, dass er von seinen Ankündigungen und Handlungen als Präsident profitieren konnte. Unterstützer wie der rechte Moderator Sean Hannity erwidern auf solche Vorwürfe jeweils, dass Trump nicht korrumpierbar sei, genau weil er so reich sei.

Klar ist: Der Präsident und seine Familie sind nicht auf weiteres Einkommen angewiesen, um bis ans Ende ihrer Tage im Luxus zu schwelgen. Das Vermögen von Trump dürfte sich derzeit gemäß Schätzungen auf sechs bis sieben Milliarden Dollar belaufen. Das ist rund dreimal so viel wie vor zwei Jahren.»

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