«La Vanguardia»: Trumps schlechtestes Geschäft
BARCELONA: Die spanische Zeitung «La Vanguardia» zieht in einem Kommentar eine verheerende Bilanz des US-Angriffs auf den Iran:
«Die Bilanz dieses militärischen Abenteuers ist für diejenigen, die es begonnen haben, ein Fiasko. Das zeigt die Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran, die das Regime der Revolutionsgarde stärkt und den Friedensprozess in dieser Region des Nahen Ostens noch weiter erschwert.
Der Vorfall vom Donnerstag, bei dem ein Schiff in der Straße von Hormus von einer Rakete getroffen wurde, bestätigt, dass die Seeschifffahrt in diesem Gebiet heute weitaus gefährdeter ist als zuvor. Der Iran hat seine bisher unbekannte Macht entdeckt, den Schifffahrtsweg nach Belieben zu öffnen oder zu schließen, ganz wie es ihm passt. (...)
Dieser sinnlose Krieg hat weitere Folgen, die die Zukunft der Region prägen werden. Denn das Leben und die Wirtschaft der Golfstaaten werden nie wieder so sein wie zuvor. (...) Die US-Militärstützpunkte auf ihrem Territorium sind für sie kein Schutz mehr, da sie zur Zielscheibe iranischer Raketen und Drohnen geworden sind. (...)
Auf dem Höhepunkt des Konflikts forderten einige dieser arabischen Länder Donald Trump auf, das begonnene Werk zum Sturz des iranischen Regimes zu vollenden. Das Problem ist, dass dies nur halbherzig umgesetzt wurde und der Iran heute viel stärker ist. Aus jeder Perspektive betrachtet ein schlechtes Geschäft.»
«The Times»: Venezuela-Nothilfe ist eine Chance für die USA
LONDON: Wenige Tage nach den Erdbeben in Venezuela mit mindestens 920 Toten meint die Londoner «Times» am Samstag:
«Nur wenige Länder sind in der Lage, Naturkatastrophen dieses Ausmaßes zu bewältigen, und Venezuela ist besonders verletzlich. Nach 15 Jahren einer der schwersten Rezessionen, die die Welt je erlebt hat - fast ausschließlich das Ergebnis von Misswirtschaft, engstirniger Ideologie und Unterdrückung -, hat sich das Land noch immer nicht erholt. Sein Präsident Nicolás Maduro wurde vor fünf Monaten von US-Kommandos gestürzt; Delcy Rodríguez, seine ehemalige Stellvertreterin und nun Interimspräsidentin, hat eine neue, pragmatische Beziehung zu Washington aufgebaut. (...)
Glücklicherweise ist die Nothilfe rasch angelaufen. Die Schweizer waren, wie so oft, als Erste vor Ort, doch auch andere europäische Staaten haben große Summen zugesagt, darunter zwei Millionen Pfund aus Großbritannien (2,32 Millionen Euro). Auch lateinamerikanische Nachbarländer haben ungeachtet von Spannungen Hilfe versprochen. Doch der politisch, wirtschaftlich und symbolisch wichtigste Geber sind die USA. Die Trump-Regierung sieht darin eine Chance, die Rolle zu definieren, die sie in einem Land spielen möchte, dem sie lange Zeit feindlich gegenübergestanden hatte: kooperativ, großzügig und als Gegenpol zu Venezuelas einstigen falschen Freunden in China, Russland und Kuba. Wenn die Hilfe der USA zügig fließt, könnte sich bittere Feindschaft sogar in Dankbarkeit verwandeln.»
«NZZ»: Ideologisch motivierte Politik schadet der Autoindustrie
ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung» kommentiert am Samstag die Probleme der deutschen Autoindustrie:
«Die deutsche Autoindustrie hatte die von der Politik ausgerufene grüne Transformation zunächst freudig begrüßt. Der VW-Konzern mit dem Bundesland Niedersachsen als staatlichem Aktionär ging besonders forsch voran. Nun aber zeigt sich, dass der Transformationsprozess die deutschen Autohersteller in eine Technologie getrieben hat, bei der sie - anders als bei Verbrennermotoren - keine Vorteile im Vergleich zu anderen Herstellern haben. China hingegen profitiert von der Umstellung, weil das Land bei der Herstellung von Batterien, dem wichtigsten Teil von E-Autos, weltweit technologisch führend ist.
Der Niedergang der deutschen Autoindustrie, der nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit seit 2019 schon 100.000 Jobs gekostet hat und weitere kosten dürfte, ist das Ergebnis einer ideologisch motivierten Politik, die sich vordergründig gegen den Klimawandel, in ihrer faktischen Wirkung aber gegen die Autoindustrie und damit gegen das Rückgrat des Wohlstands in Deutschland richtet. Will die Bundesregierung die Erosion des Wohlstands stoppen, muss sie eine 180-Grad-Wende in der Energie- und Wirtschaftspolitik vollziehen. Sie muss sich dafür einsetzen, dass die EU den CO2-Flottengrenzwert für die Autohersteller aufhebt. Zumal Grenzwerte das Weltklima nicht retten.
Verzichtete die Politik künftig auf staatliche Technologievorgaben, könnten die Karten im globalen Automobilmarkt neu gemischt werden. Das würde die Chancen der deutschen Hersteller deutlich erhöhen, sich gegen die Konkurrenz aus China zu wehren.»