«Nepszava»: Putin ist besiegbar, aber weiter gefährlich
BUDAPEST: Zu den Auswirkungen der Energieprobleme in Russland auf den Krieg gegen die Ukraine schreibt die linksliberale Online-Tageszeitung «Nepszava» am Dienstag:
«Jahrelang hat Moskau davon gelebt, dass es als eine der größten Energiemächte der Welt den Krieg mit Einnahmen aus Rohstoffexporten finanzieren konnte. Jetzt aber ist das Land dazu gezwungen, Öl aus Indien zu importieren. Das ist besonders unangenehm für (Wladimir) Putin, da die Macht des russischen Präsidenten auf dem Anschein der Unverwundbarkeit beruhte. (...)
Die jüngste Aussage des russischen Präsidenten, dass die Ukraine irgendwann ihre westlichen Gebiete verlieren und Russland sogar an Ungarn grenzen könnte, wirkt auf den ersten Blick als Demonstration imperialer Macht. Tatsächlich schlägt er eher nervös um sich. Damit will er nicht die militärische Realität beschreiben, sondern einen imaginären Sieg aufrechterhalten. (...)
Die Fähigkeit des (russischen) Staates, sich zu wehren, ist allgemein bekannt, die Opposition wurde niedergeschlagen, und ein bedeutender Teil der Gesellschaft hat sich an das Schweigen gewöhnt. Aber wie wir in Ungarn (zuletzt bei der Abwahl des Rechtspopulisten Viktor Orban) gesehen haben, bricht eine Macht, die als unwiderlegbar galt, nicht an einem einzigen Tag zusammen. Zuerst entstehen Risse in den Wänden des Systems, und dann werden sie immer tiefer. Putin schlägt jetzt um sich, weil er genau spürt, dass er nicht mehr derjenige ist, der die Kontrolle hat. (...) Der Herrscher des Kremls ist immer noch gefährlich. Aber er scheint immer weniger unbesiegbar zu sein.»
«Le Monde»: Auf Waldbrände ist europäische Antwort nötig
PARIS: Die verheerenden Waldbrände in Frankreich und Spanien kommentiert die französische Zeitung «Le Monde»:
«Die Brände, die Westeuropa verwüsten, sind der jüngste dramatische Ausdruck des durch menschliche Aktivitäten verursachten Klimawandels. Der Sommer 2026, der auf dem besten Weg ist, der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen in Frankreich zu werden, markiert den Beginn einer neuen Ära. (...)
Das Problem beschränkt sich nicht auf Frankreich: Unsere spanischen Nachbarn kämpfen gegen mehrere Brände von beispiellosem Ausmaß, insbesondere rund um Madrid, Toledo und an der Ostküste nördlich von Valencia. Die Echtzeit-Karte der Waldbrände ist erschreckend. Sie zeigt, dass die Reaktion auf europäischer Ebene konzipiert werden muss: Gerade in diesem Moment wüten auch in Deutschland, Italien, Irland, Schottland und den Niederlanden Brände. (...)
Die immer häufiger auftretenden extremen Wetterereignisse erfordern eine beschleunigte Anpassung und ein Umdenken hinsichtlich der darauf zu ergreifenden Maßnahmen. (...) So sollte beispielsweise eine Struktur geschaffen werden, die in der Lage ist, eine Krise in ihrer Gesamtheit zu bewältigen, einschließlich ihrer gesundheitlichen Folgen, und die europäische Luftfahrtindustrie dazu anzuregen, eigene Löschflugzeuge zu bauen. Denn alle Wissenschaftler sind sich einig: Die Katastrophen, die den Sommer 2026 prägen, werden sich wiederholen und an Intensität zunehmen.»
«El País»: Die «Kakerlaken» fordern Modi heraus
MADRID: Zu den Jugendprotesten in Indien schreibt die spanische Zeitung «El País» am Dienstag:
«Der jahrelang aufgestaute Frust über Korruption und fehlende Perspektiven hat sich in diesem Monat in Indien in massenhaften Studentenprotesten entladen. Die Demonstrationen lösten eine gewaltsame Repression durch die Polizei aus und zwangen Premierminister Narendra Modi schließlich zu Zugeständnissen, die noch vor wenigen Tagen undenkbar erschienen. Der Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan an diesem Wochenende stellt einen unbestreitbaren Sieg der «Volkspartei der Kakerlaken» dar. (...)
Inzwischen geht der Protest weit über seine ursprünglichen Forderungen hinaus und bündelt die weit verbreitete Unzufriedenheit über fehlende Zukunftsperspektiven und enttäuschte Hoffnungen. Modi, der mit seinem polarisierenden hindu-nationalistischen Kurs eine Reihe von Wahlsiegen errungen und Indiens Einfluss als globale Mittelmacht ausbauen wollte, sieht sich erstmals einer ernsthaften Herausforderung gegenüber. (...) So unvollkommen sie auch sein mag - Indien ist nach wie vor die größte Demokratie der Welt, und der Erfolg der «Kakerlaken» rechtfertigt diese Bezeichnung in vollem Umfang.»
«de Volkskrant»: IS stiftet Extremisten zu tödlichem Terror an
AMSTERDAM: Zum Anschlag am Rande des Christopher Street Day in Berlin meint die niederländische Zeitung «de Volkskrant» am Dienstag:
«Der Anschlag zeigt, dass dieses Fest der Freiheit, Menschlichkeit und Toleranz für rigide denkende Extremisten tatsächlich so unerträglich ist, dass sie zu unmenschlichen Taten übergehen.
Der mutmaßliche Täter, der am Sonntag von der Polizei erschossen wurde, war ein 21-jähriger Staatsbürger Deutschlands, der wegen seiner bekannten islamistischen Überzeugungen von Sicherheitsdiensten überwacht wurde. (...) Dennoch konnte er am Samstag in einen Lieferwagen steigen und in eine feiernde Menschenmenge fahren.
Der Anschlag zeigt einmal mehr, dass die Organisation Islamischer Staat (IS) noch immer Extremisten zu tödlichem Terror anstiften kann. Mit einem Auto auf Passanten zurasen, mit einer Machete zuschlagen: Das wird in den Anleitungsvideos vorgemacht, die der IS ins Internet stellt.»
«Corriere della Sera»: Atom-Deal mit fatalen Nebenwirkungen
MAILAND: Zum Atom-Deal zwischen den USA und Saudi-Arabien schreibt die italienische Zeitung «Corriere della Sera» am Dienstag:
«Er alarmiert die internationale Gemeinschaft, lässt das Szenario eines allgemeinen nuklearen Wettrüstens erneut aufleben und spiegelt eine instabile Welt wider, in der die Verbündeten der USA nach eigenen nuklearen Fähigkeiten streben, um sich vor räuberischen Nachbarn zu schützen, sich gegen energiepolitische Erpressung abzusichern und nicht zuletzt den schwindenden Sicherheitsgarantien der USA etwas entgegenzusetzen. Mehr noch: Sie bestätigt die Jagd eines Präsidenten nach milliardenschweren Verträgen, der im Namen der «nuklearen Renaissance» (...) bereit ist, die strengen Standards der Nichtverbreitung in einer ohnehin brandgefährlichen Region zu umgehen. (...)
Die schwerwiegendsten Folgen würden im Nahen Osten eintreten - einer Region, in der die Hunde des Krieges längst von der Leine gelassen wurden und in der die Verbreitung von Atomwaffen weit schwieriger einzudämmen wäre. Die Türkei und Ägypten haben erkennen lassen, dass sie die nukleare Schwelle überschreiten könnten. (...) Dieses Dilemma hat Donald Trump sich selbst geschaffen - mit der Entscheidung, einen sinnlosen Krieg gegen Teheran zu entfesseln, der den Zorn der arabischen Staaten auf ihn zog, weil sie iranischen Schlägen ausgesetzt sind. (...) Die Vereinbarung ist verheerend - in einer Welt, in der der Besitz von Atomwaffen zunehmend zur neuen Normalität wird.»
«NZZ»: Teile der Linken verleugnen die Realität
ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung» kommentiert am Dienstag die Debatten nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin:
«Am Tag nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin konkurrierten zwei Interpretationen miteinander. Die eine benannte die islamistische Motivation der Tat als solche. (...) In der anderen kam das I-Wort, wenn überhaupt, nur verschämt vor. Las man die Stellungnahmen von Linkspartei-Politikern oder der Grünen-Bundestagsfraktion, konnte man zu dem Eindruck gelangen, die Ideologie des Täters sei vollkommen unbekannt. Die Grüne Katrin Göring-Eckardt schrieb auf X gar: «Unseren Hass bekommt ihr nicht!» Und der sozialdemokratische Queer-Beauftragte Berlins, Alfonso Pantisano, verstieg sich im RBB zur verqueren Aussage, er zähle Islamisten zu den Rechten und Konservativen.
Dass überhaupt noch jemand so daherredet - zehn Jahre nachdem der islamistische Terror irreversibel in die europäische Lebenswirklichkeit eingebrochen ist -, ist befremdlich. Es zeigt, wie maßgebliche Teile der Linken die Realität verleugnen. (...)
Nur wer das Wesen des Islamismus erkannt hat, kann etwas gegen ihn unternehmen, wie Beispiele aus anderen europäischen Ländern zeigen. Österreich etwa verabschiedete schon 2015 ein Islamgesetz, das die Auslandsfinanzierung von Imamen unterbindet und Handhabe zur Auflösung extremistischer Vereinsstrukturen bietet. Auch die Anti-Separatismus-Politik Emmanuel Macrons in Frankreich, die gezielt die Bildung islamistischer Parallelgesellschaften bekämpft, und ähnliche Gesetze in Dänemark setzen genau hier an. Vorangetrieben wurden all diese Maßnahmen übrigens von Regierungen der politischen Mitte.»
«The Guardian»: Europa muss mehr für den Klimaschutz tun
LONDON: Der Londoner «Guardian» kommentiert am Dienstag die Waldbrände in Europa:
«Wie Klimawissenschaftler seit langem gewarnt hatten, nehmen Intensität, Ausmaß und Dauer der Waldbrände in Europa zu, während sich der Planet weiter erwärmt. Als Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez die aktuelle Krise auf die Auswirkungen des Klimanotstands zurückführte, sprach er nur eine offensichtliche Wahrheit aus. Ihm ist aber hoch anzurechnen, dass er zu den wenigen politischen Führungspersönlichkeiten zählt, die dafür plädieren, die grüne Transformation in der Europäischen Union entsprechend zu beschleunigen.
Ob es um die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen oder darum geht, die weitreichenden Veränderungen voranzutreiben, die notwendig sind, um das Tempo der globalen Erwärmung zu verlangsamen - viel zu viele andere scheinen bereit zu sein, tatenlos zuzusehen, während der Kontinent brennt. (...)
Fürsprecher einer Abschwächung von Umweltmaßnahmen behaupten in der Regel, Europa müsse angesichts geopolitischer Unsicherheit und eines aggressiven wirtschaftlichen Wettbewerbs einen pragmatischeren Ansatz verfolgen. Dieses Argument ist in zweierlei Hinsicht falsch: Je schneller sich die EU in Richtung Netto-Null-Emissionen bewegt, desto besser wird sie Europas Position auf den globalen Märkten der Zukunft behaupten können. Zudem machen die verheerenden Folgen der Waldbrände dieses Sommers auf eindringliche Weise klar, dass die Vorstellung, Klimaschutzmaßnahmen seien eine Art optionale Zugabe, die man sich nur in guten Zeiten leisten kann, in krassem Widerspruch zur Realität steht.»