CHIANG MAI: Das thailändische Innenministerium hat zwei Mitarbeiter der Bezirksverwaltung Chiang Dao festnehmen lassen, die an der mutmaßlichen Fälschung von Melderegisterdaten für den chinesischen Staatsbürger beteiligt gewesen sein sollen, der am 8. Mai 2026 in Huai Yai nahe Pattaya mit militärischen Waffen, Sprengstoffen und Munition festgenommen wurde.
Die Ergebnisse der „Operation Revealing the Dragon’s Shadow“ wurden am Freitag (15. Mai, 2026) bei einer Pressekonferenz der Nationalen Antikorruptionskommission Region 5 in Chiang Mai vorgestellt. Geleitet wurde die Veranstaltung von Innenstaatssekretär Jeseth Thaiseth gemeinsam mit Vertretern der Provinzverwaltung, der Polizei, der Antikorruptionsbehörden und des Department of Special Investigation (DSI).
Grenzüberschreitende Netzwerke
Nach Angaben von Jeseth misst Premier- und Innenminister Anutin Charnvirakul Bedrohungen der nationalen Sicherheit hohe Bedeutung bei. Dazu zählten grenzüberschreitende Kriminalität, Betrugsnetzwerke und andere Strukturen, die die Sicherheit des Landes beeinträchtigen könnten. Die mutmaßliche Manipulation der Melderegisterdaten für den schuldigten Chinesen sei nicht lediglich ein Fall von Identitätsmissbrauch oder unrechtmäßiger Begünstigung einer Einzelperson, sondern Teil eines „verräterischen Netzwerks“, da Rechte thailändischer Staatsbürger an einen Ausländer mit verborgenen oder schädlichen Absichten übertragen worden seien.
Der Fall geht auf die Festnahme des 31-jährigen Chinesen zurück, der im Besitz einer rosa Identitätskarte für Nicht-Thais gewesen sein soll. Er war nach einem Verkehrsunfall im Bezirk Bang Lamung festgenommen worden. Bei anschließenden Durchsuchungen fanden Ermittler in seinem Fahrzeug und in einem Wohnhaus militärische Waffen, Sprengstoffmaterialien und Munition. Der Vorfall veranlasste Premierminister Anutin, eine sofortige Überprüfung der Melderegisterdaten des Verdähtigen anzuordnen.
Ermittler finden Unregelmäßigkeiten
Die Provinzverwaltung beauftragte daraufhin Witoon Sirinukul, Vize-Generaldirektor des Department of Provincial Administration und Leiter der Spezialeinheit DOPA N.I.C.E., mit den Ermittlungen. Dabei stellten die Beamten nach eigenen Angaben erhebliche Unregelmäßigkeiten in den Registrierungsunterlagen des Beschuldigten fest. Nach Einschätzung der Ermittler könnte das Melderegistersystem genutzt worden sein, um seinen Aufenthalt sowie geschäftliche Aktivitäten in Thailand zu erleichtern.
Zudem ergaben die Untersuchungen mutmaßliche Verbindungen zu einem größeren Netzwerk, das Rechte ethnischer Minderheiten missbraucht haben soll. Einige Beteiligte sollen chinesische Staatsangehörige mit Verbindungen zu Betrugsnetzwerken gewesen sein, gegen die bereits zuvor rechtlich vorgegangen worden war.
Verdächtige Registrierung in Chiang Dao
Als besonders auffällig gilt die Eintragung des Verdächtigen in ein Hausregister im Bezirk Chiang Dao in Chiang Mai am 12. Oktober 2022. Nach Angaben der Behörden habe er nie tatsächlich in dem betreffenden Haus gelebt. Die Unterlagen sollen von einem damaligen stellvertretenden Bezirksleiter von Chiang Dao vorbereitet worden sein, der inzwischen dieselbe Position im Bezirk Hot ausübt.
Nach Einschätzung der Ermittler sollte die Registrierung offenbar dazu dienen, Rechte ethnischer Minderheiten oder thailändische Identitätsrechte missbräuchlich zu nutzen, um den Aufenthalt und geschäftliche Tätigkeiten in Thailand des Verdächtigen zu erleichtern.
445 verdächtige Registereinträge
Die Ermittlungen ergaben außerdem, dass während der Tätigkeit des ehemaligen Chiang-Dao-Beamten im Jahr 2021 insgesamt 445 historische Melderegistereinträge für Personen ohne offiziellen Personenstatus erstellt worden sein sollen. Dabei handelt es sich um sogenannte „White Cards“ beziehungsweise Registereinträge mit einer Null am Anfang der Identifikationsnummer. Erste Prüfungen hätten ergeben, dass mindestens 18 dieser Fälle mutmaßlich rechtswidrig angelegt worden seien.
Das Strafgericht für Korruptions- und Amtsmissbrauchsfälle der Region 5 genehmigte daraufhin Haftbefehle gegen zwei Verdächtige: den heutigen stellvertretenden Bezirksleiter von Hot, der zuvor in Chiang Dao tätig war, sowie einen Mitarbeiter der Bezirksverwaltung Chiang Dao. Beide wurden anschließend von einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe aus fünf Behörden festgenommen. Beteiligt waren das Department of Provincial Administration, die Royal Thai Police, die Public Sector Anti-Corruption Commission, die Nationale Antikorruptionskommission sowie das DSI.
Ermittlungen gegen weitere Beteiligte
Die Provinzverwaltung ordnete inzwischen an, die mutmaßlich gefälschten Registrierungsdaten zu annullieren und disziplinarische Maßnahmen gegen alle beteiligten Beamten einzuleiten. Die Ermittlungen gegen weitere mögliche Beteiligte dauern an.
Der Fall hat in Thailand erneut eine Debatte über die Sicherheit des Melderegistersystems, Einwanderungsverfahren und kriminelle Netzwerke ausgelöst. Außenminister und Vizepremier Sihasak Phuangketkeow hatte zuvor erklärt, dass Thailand im Zusammenhang mit dem Fall auch die visafreie Aufenthaltsdauer für chinesische Touristen überprüfen könne. Gleichzeitig betonte er, dass Thailand weiterhin legitime Touristen und Geschäftsreisende willkommen heißen wolle.