Krise beim Stadtbus in Chiang Mai

Zukunft des Nahverkehrs steht auf dem Spiel

Ein einsamer blauer Stadtbus fährt durch eine belebte Straße in Chiang Mai, vorbei an wartenden Fahrgästen am Straßenrand. Foto: Prachachat
Ein einsamer blauer Stadtbus fährt durch eine belebte Straße in Chiang Mai, vorbei an wartenden Fahrgästen am Straßenrand. Foto: Prachachat

CHIANG MAI: Die Rose des Nordens wächst als internationales Tourismusziel stetig weiter, doch hinter der glänzenden Fassade kämpft das Rückgrat der städtischen Mobilität ums Überleben. Seit nunmehr acht Jahren versucht die Regional Transit Corporation (RTC), mit modernen klimatisierten Bussen, GPS-Tracking und festen Routen eine verlässliche Alternative zum Individualverkehr zu etablieren, doch die wirtschaftliche Realität ist ernüchternd.

Aktuell nutzen lediglich etwa 120 Passagiere pro Tag den Service, was einer Auslastung von gerade einmal 10 Prozent entspricht. Laut Thapana Bunyapravit, dem Geschäftsführer der RTC, liegt die Gewinnschwelle jedoch bei mindestens 300 Fahrgästen täglich. Die Struktur der Nutzer verdeutlicht das Problem, da 90 Prozent der Fahrgäste vom Flughafen kommen und davon wiederum 60 Prozent Touristen sind, während die lokale Bevölkerung kaum auf das Angebot zurückgreift.

Schwere Verluste nach acht Jahren

Die finanziellen Zahlen zeichnen ein düsteres Bild für das private Engagement in der Provinzhauptstadt. Seit dem Start vor acht Jahren hat das Unternehmen rund 43 Millionen Baht investiert, ohne jemals in die Gewinnzone gefahren zu sein. Der kumulierte Verlust beläuft sich mittlerweile auf 48,2 Millionen Baht, wobei allein seit der Wiederaufnahme des Betriebs nach der Pandemie Ende 2023 ein Defizit von 6,2 Millionen Baht aufgelaufen ist.

Trotz der hohen Fixkosten für Treibstoff, Wartung und Personal hielt die Firma am Betrieb fest, da ein funktionierendes Bussystem als Aushängeschild für eine moderne Stadt gilt. Dennoch wird der Druck durch Ride-Hailing-Apps und die Flexibilität der traditionellen Songthaews immer größer, wodurch der Linienbus eher zu einer optionalen Nische als zum tragenden Pfeiler der städtischen Infrastruktur herabgestuft wurde.

Konkurrenz durch staatliche Akteure

Zusätzlich verschärft sich die Lage durch neue Pläne der Provinzverwaltungsorganisation (PAO), die eigene Elektrobusse auf Routen einsetzen will, die sich fast vollständig mit den bestehenden Linien der RTC decken. Thapana kritisiert dies als unfairen Wettbewerb, da staatliche Stellen nicht auf Rentabilität angewiesen sind und Verluste durch Steuergelder ausgleichen können, während sein Unternehmen die vollen Betriebskosten tragen muss.

In vielen Ländern wird der öffentliche Nahverkehr als grundlegende Infrastruktur wie Strom oder Wasser betrachtet und entsprechend subventioniert. Ein vorgeschlagenes Modell der RTC sieht vor, dass Fahrgäste einen Festpreis von 10 Baht zahlen, während der Staat die Differenz zum Kostensatz übernimmt, um die Mobilität der Bürger direkt zu fördern und einen fairen Wettbewerb unter den Anbietern zu ermöglichen.

Entscheidung über das Fortbestehen

Ende April 2026 wird für das Unternehmen die Stunde der Wahrheit schlagen. Die Geschäftsführung plant, die Auswirkungen der neuen staatlichen Buslinien im ersten Monat genau zu analysieren, um zu sehen, wie massiv die Fahrgastzahlen einbrechen. Sollten die Verluste ein untragbares Maß erreichen, sieht sich die RTC gezwungen, den Betrieb einzustellen und die Konzessionen an die Behörden zurückzugeben.

Falls der Betrieb eingestellt wird, sollen die verbliebenen fünf Busse verkauft werden. Sollte sich jedoch eine Perspektive für eine Fortführung ergeben, steht die Investition in eine neue Flotte von Elektrofahrzeugen im Raum. Die kommenden Wochen werden somit entscheiden, ob Chiang Mai weiterhin auf ein privates Bussystem setzen kann oder ob der öffentliche Nahverkehr vollständig in staatliche Hand übergeht.

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Chris Jomtien 20.04.26 01:20
Fehlfarben und Fehlkalkulation
Das orangene Blau ist nicht der einzige Fehler im Artikel. 5 normalgroße Busse, mit geschätzten jeweils 50 Sitzplätzen arbeiten garantiert noch nicht einmal annähernd wirtschaftlich wenn sie zusammen täglich 300 Fahrgäste auf Kurzstrecken transportieren würden.
Auch die Berechnung, das 120 Fahrgäste täglich, somit im Durchschnitt 24 pro Bus, bereits 10% der maximalen Kapazität ergeben, kann nicht einmal annähernd hinkommen. Realistisch halte ich bis zu 50 mögliche Fahrten pro Bus und Tag, wobei an den Haltestellen entlang der Strecken laufend Fahrgäste aus- und einsteigen könnten.
Aber egal! Sollen die Verantwortlichen ruhig weiter glauben das sie in erreichbarer Nähe an der Gewinnschwelle sind.
Andre Becker 19.04.26 14:30
Farbenblind?
Der Bus auf dem oberen Foto ist doch nicht blau, sondern weiß - orange!
Zur wirtschaftlichen Situation: So etwas kommt, wenn zu optimistische Erwartungen mit der Realität zusammentreffen. Im Zweifelsfalle setzt sich das bessere und flexiblere System immer von allein durch. Nicht nur in diesem Fall.

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