CHIANG MAI: Der Drogenmissbrauch unter Kindern und Jugendlichen hat in Thailand nach Einschätzung von Experten ein besorgniserregendes Ausmaß erreicht. Mehr als die Hälfte aller neu registrierten Jugendstrafverfahren stehen inzwischen im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln. Fachleute fordern daher eine stärkere Ausrichtung der Drogenpolitik auf Prävention und gemeindebasierte Lösungsansätze.
Die Warnung wurde auf einem Fachforum in Chiang Mai ausgesprochen, das von der Substance Abuse Academic Centre Foundation (SAAF) und dem Northern Substance Abuse Academic Centre der Chiang Mai University mit Unterstützung der Thai Health Promotion Foundation (ThaiHealth) organisiert wurde.
Jugendkriminalität unter Drogeneinfluss
Kittichai Lueakuakul, Mitglied des Stiftungsvorstands, verwies auf aktuelle Zahlen des Department of Juvenile Observation and Protection für das Jahr 2026. Demnach entfielen 7.041 der insgesamt 13.741 neu registrierten Jugendstrafverfahren auf Drogendelikte. Dies entspricht einem Anteil von 51,24 Prozent und verdeutlicht nach seiner Einschätzung die zunehmende Schwere des Problems.
Zusätzlich verschärft werde die Situation durch den starken Preisverfall bei Methamphetamin-Tabletten. Diese seien inzwischen bereits für 30 bis 50 Baht pro Stück erhältlich und damit oft günstiger als eine Mahlzeit. Dadurch würden Drogen für Kinder und Jugendliche leichter zugänglich.
Prävention statt nur Strafverfolgung
Die Teilnehmer des Forums betonten, dass Prävention künftig das Fundament der nationalen Drogenbekämpfung bilden müsse. Watcharapong Phumchuen, Geschäftsführer der Stiftung, erklärte, dass Drogenmissbrauch in engem Zusammenhang mit sozialen Strukturen, wirtschaftlichen Belastungen und dem Umfeld in den Gemeinden stehe.
Langfristige Lösungen könnten daher nicht allein auf Festnahmen und Strafverfolgung setzen. Erforderlich seien vielmehr eine stärkere Beteiligung der Gemeinschaften, mehr Aufklärungsarbeit sowie Maßnahmen, die den Zugang junger Menschen zu Drogen erschweren. Ebenso wichtig sei es, die Widerstandsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen zu stärken, bevor sie erstmals mit Drogen in Kontakt kommen.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden zudem fünf Fallstudien als mögliche Grundlage für politische Maßnahmen vorgestellt. Dazu gehörte unter anderem eine Untersuchung zum Zugang Minderjähriger zu E-Zigaretten in Chiang Mai.