Ölpreis fällt nach Waffenruhe

Wirtschaft bleibt jedoch vorsichtig optimistisch

Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat die Ölpreise sinken lassen. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht und verweisen auf weiterhin bestehende wirtschaftliche und geopolitische Risiken. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat die Ölpreise sinken lassen. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht und verweisen auf weiterhin bestehende wirtschaftliche und geopolitische Risiken. Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Waffenruhe hat in den vergangenen Tagen weltweit für Erleichterung gesorgt und die Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahen Osten gestärkt. Während die Rohölpreise nach den Signalen einer möglichen Friedenslösung deutlich nachgaben, bleiben viele Unternehmen und Wirtschaftsvertreter zurückhaltend. Sie wollen zunächst abwarten, ob die Vereinbarungen tatsächlich umgesetzt werden und bestehende Handelsbeschränkungen dauerhaft aufgehoben werden.

Nach Einschätzung von Amonthep Chawla, Forschungschef der CIMB Thai Bank, könnte der Rückgang der Ölpreise der thailändischen Wirtschaft kurzfristig spürbare Entlastung verschaffen. Während des Konflikts waren die Preise zeitweise auf über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen und hatten sich zeitweise der Marke von 120 US-Dollar genähert. Inzwischen notiert Rohöl wieder unter 80 US-Dollar. Für das dritte Quartal erwartet Amonthep einen Preisbereich zwischen 75 und 80 US-Dollar je Barrel.

Günstige Energie stärkt die Wirtschaft

Da Thailand Nettoimporteur von Erdöl ist, wirken sich niedrigere Energiepreise grundsätzlich positiv aus. Sie könnten den Inflationsdruck verringern, die Kaufkraft der Haushalte stärken und die Betriebskosten von Unternehmen senken. Auch der Tourismussektor könnte profitieren, da niedrigere Treibstoffkosten die Ausgaben der Fluggesellschaften reduzieren und damit die Nachfrage nach Reisen unterstützen könnten.

Gleichzeitig betont Amonthep, dass günstigere Ölpreise allein die strukturellen Probleme der thailändischen Wirtschaft nicht lösen werden. Das Wirtschaftswachstum bleibe schwach, die Kaufkraft vieler Haushalte mit niedrigen Einkommen sei weiterhin begrenzt, und zahlreiche Risiken belasteten die wirtschaftlichen Aussichten. Staatliche Unterstützungsmaßnahmen seien daher weiterhin notwendig, um die Binnenkonjunktur zu stützen und die Auswirkungen der hohen Lebenshaltungskosten abzufedern.

Blick richtet sich auf die Notenbank

Auch die Geldpolitik rückt in den Fokus. Nachdem die Sorge vor einer durch hohe Energiepreise ausgelösten Inflation zuletzt nachgelassen hat, beobachten Investoren nun die Haltung der Zentralbanken. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Sitzung der thailändischen Zentralbank in dieser Woche sowie möglichen Hinweisen auf die weitere Zinsentwicklung.

Aus Sicht des Thai National Shippers’ Council (TNSC) stellt die Waffenruhe einen wichtigen Schritt für die Weltwirtschaft und den internationalen Handel dar. Dennoch rechnen Exporteure und Logistikunternehmen nicht mit einer sofortigen Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die strategisch wichtige Straße von Hormus. Nach Angaben des TNSC dürften zunächst Sicherheitsmaßnahmen, Minenräumungen, Inspektionen der Schifffahrtsrouten sowie neue Risikobewertungen durch Versicherer und Reedereien erforderlich sein.

Schifffahrt bleibt vorerst vorsichtig

Sollten sich alle Beteiligten an die Vereinbarungen halten, könnte der Frachtverkehr innerhalb von ein bis zwei Monaten schrittweise wieder anlaufen. Eine vollständige Rückkehr zum Normalbetrieb dürfte jedoch deutlich länger dauern. Kriegszuschläge für Versicherungen blieben vorerst hoch, und viele Reedereien würden ihre strengen Sicherheitsvorkehrungen beibehalten.

Hinzu kommen anhaltende Ungleichgewichte bei Containern und Transportkapazitäten. Durch die Umleitung von Schiffen während des Konflikts seien zahlreiche Lieferketten durcheinandergeraten. Experten warnen zudem vor möglichen Engpässen in den Häfen der Golfregion, falls viele Unternehmen ihre Transporte gleichzeitig wieder aufnehmen. Dies könnte die Frachtraten kurzfristig sogar erneut steigen lassen.

Energiemärkte bleiben angespannt

Pimjai Leeissaranukul, Vorsitzende der Federation of Thai Industries (FTI), rechnet trotz der Waffenruhe nicht mit einer schnellen Entspannung auf den Energiemärkten. Viele Förder- und Raffinerieanlagen seien durch den Konflikt beeinträchtigt worden. Eine nachhaltige Erholung des Öl- und Gasmarktes könne daher mindestens sechs Monate dauern. Verbesserungen seien frühestens Anfang kommenden Jahres zu erwarten.

Vor diesem Hintergrund fordert die Industrie weiterhin staatliche Unterstützung für den Transportsektor. Gleichzeitig müssten Unternehmen ihre Energiekosten konsequent kontrollieren, während Verbraucher zum sparsamen Umgang mit Energie aufgerufen seien.

Friedensprozess bleibt unsicher

Auch das Kasikorn Research Center (K-Research) mahnt zur Vorsicht. Die Waffenruhe verschaffe den USA und dem Iran zwar ein Zeitfenster von 60 Tagen für Verhandlungen über eine dauerhafte Lösung des Konflikts und des iranischen Atomprogramms. Allerdings seien die Forderungen beider Seiten schwer miteinander vereinbar. Während Washington ein Ende der Urananreicherung verlangt, fordert Teheran die Aufhebung der Sanktionen sowie die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte.

Nach Einschätzung der Analysten bleibt die Unsicherheit daher hoch. Die Entwicklung der Ölpreise, der Transportkosten und der globalen Finanzmärkte werde in den kommenden Monaten maßgeblich davon abhängen, ob die Vereinbarungen tatsächlich umgesetzt werden und die Spannungen im Nahen Osten dauerhaft nachlassen. Bis dahin dürften Unternehmen, Investoren und Exporteure weiterhin einen vorsichtigen Kurs verfolgen.

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