BANGKOK/KASAN: Thailands Ministerpräsident Anutin Charnvirakul hat angekündigt, persönlich eine aktivere Rolle bei der Vermarktung des Eastern Economic Corridor (EEC) zu übernehmen. Wie Regierungssprecherin Rachada Dhnadirek am Mittwoch (17. Juni 2026) in Kasan in der Russischen Föderation mitteilte, erklärte Anutin in einem Interview mit dem Television Pool of Thailand, dass er bereit sei, als „Verkäufer“ für das Großprojekt aufzutreten und Investoren für den EEC zu gewinnen.
Der Premierminister betonte, dass die erforderliche Infrastruktur für den EEC bereits geschaffen worden sei. Nun gehe es darum, die Sonderwirtschaftszone gezielt international zu vermarkten. Aufgrund seiner zahlreichen Auslandsreisen und Treffen mit Staats- und Regierungschefs sowie Investoren wolle er diese Gelegenheiten künftig verstärkt nutzen, um Geschäftskontakte zu vermitteln und Investitionen nach Thailand zu holen. Internationale Besuche sollten nicht nur der Pflege diplomatischer Beziehungen dienen, sondern möglichst viele wirtschaftliche Chancen für das Land schaffen.
EEC wieder unter direkter Aufsicht
Die Erklärung erfolgte im Anschluss an die Kabinettssitzung vom Dienstag (16. Juni 2026), bei der zwei wichtige Dokumente zur Kenntnis genommen wurden. Zum einen wurde eine Anordnung des Premierministers geändert, nach der zuvor Vizepremierminister und Verkehrsminister Phiphat Ratchakitprakarn die Aufsicht über das Büro des Eastern Economic Corridor Policy Committee (EECO) innehatte. Zum anderen wurde seine Funktion als Vorsitzender des EEC-Politikkomitees aufgehoben. Künftig wird Anutin sämtliche Angelegenheiten des EEC wieder direkt selbst beaufsichtigen.
Nach Angaben aus Regierungskreisen soll der Premierminister damit die vollständige Kontrolle über das Schlüsselprojekt zurückerlangen. Gleichzeitig werde er als Leiter eines nationalen „Verkaufsteams“ positioniert, das den EEC als Vorzeigeprojekt internationalen Investoren präsentiert. Ziel sei es, den EEC zu einem globalen Zentrum für Ernährungssicherheit sowie zu einem bedeutenden Standort für Rechenzentren und digitale Investitionen auszubauen. Aufgrund der notwendigen Zusammenarbeit zahlreicher Behörden halte Anutin eine direkte Steuerung durch das Regierungsoberhaupt für erforderlich.
Werbung für Thailand in Russland
Am Mittwoch nahm der Premierminister zudem gemeinsam mit dem vietnamesischen Regierungschef Le Minh Hung und dem malaysischen Premierminister Dato’ Seri Anwar Ibrahim am ASEAN-Russland-Wirtschaftsforum im Bashir Rameev IT Park in Kasan teil. In seiner Grundsatzrede hob er die Rolle Thailands als wirtschaftliche und logistische Drehscheibe zwischen Russland und der ASEAN-Region hervor und warb dafür, Thailand als Ausgangspunkt für Geschäfte im ASEAN-Markt mit mehr als 700 Millionen Einwohnern zu nutzen.
Anutin verwies darauf, dass das Jahr 2026 den 35. Jahrestag der Beziehungen zwischen ASEAN und Russland markiere. Gleichzeitig treibe Thailand wirtschaftliche Strukturreformen und regulatorische Anpassungen voran, um neue Investitionsmöglichkeiten zu schaffen. Die sogenannte FastPass-Initiative habe bereits im vergangenen Jahr dazu beigetragen, das höchste Niveau ausländischer Direktinvestitionen seit zehn Jahren zu erreichen.
Als besondere Stärken Thailands nannte der Premierminister die Bereiche Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion, Tourismus, Medizin und Gesundheitswesen sowie die grüne Wirtschaft. Darüber hinaus werde verstärkt in digitale Industrien, Rechenzentren, Chipfertigung und Halbleiter investiert, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes weiter zu stärken.
Drei Schwerpunkte der Zusammenarbeit
Für die künftige wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Thailand und Russland schlug Anutin drei zentrale Handlungsfelder vor. Im Bereich Konnektivität verwies er auf die gut ausgebaute Infrastruktur des Landes mit Tiefseehäfen, Luftverkehrsnetzen, Logistiksystemen und digitaler Vernetzung. Thailand sei bereit, als strategisches Tor russischer Unternehmen zum ASEAN-Markt zu fungieren. Zugleich unterstütze das Land das geplante ASEAN-Abkommen zur digitalen Wirtschaft, das einen stärker vernetzten und sicheren digitalen Markt schaffen solle.
Im Bereich Handel und Investitionen sprach sich Anutin für die Stärkung des multilateralen Handelssystems, eine Diversifizierung der Märkte sowie mehr Ernährungs- und Energiesicherheit aus. Russland verfüge über bedeutende Energieressourcen, während Thailand zu den wichtigen Lebensmittelproduzenten der Welt zähle. Beide Länder könnten daher ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter ausbauen. Zudem begrüßte der Premierminister das wachsende Interesse russischer Investoren an den Bereichen Digitalisierung, Landwirtschaft, Tourismus und Kreativwirtschaft. Thailand wolle weiterhin ein offenes und investitionsfreundliches Geschäftsumfeld bieten und messe den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Thailand und der Eurasischen Wirtschaftsunion große Bedeutung bei.
Als drittes Handlungsfeld nannte Anutin den Austausch zwischen den Menschen beider Länder. Thailand empfange jährlich rund zwei Millionen russische Touristen und wolle die Zusammenarbeit im Gesundheits- und Wellnesstourismus sowie in den Bereichen Kultur und Kreativwirtschaft weiter vertiefen.
Jubiläum stärkt Wirtschaftsbande
Abschließend verwies der Premierminister auf das Jahr 2027, in dem Thailand und Russland den 130. Jahrestag ihrer diplomatischen Beziehungen begehen werden. Dies biete eine wichtige Gelegenheit, die wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter auszubauen. Thailand sei bereit, gemeinsam mit Russland und den ASEAN-Staaten an einer stärker vernetzten Zukunft zu arbeiten, die auf Innovation und nachhaltigem Wohlstand basiere.