BANGKOK: Knapp drei Viertel der älteren Menschen in Thailand halten die staatlichen Sozialleistungen für unzureichend. Das geht aus einer landesweiten Umfrage des Suan Dusit Poll hervor, die vom 21. bis 24. Juli 2026 unter 434 Personen im Alter von 60 Jahren und älter in Bangkok und weiteren Landesteilen durchgeführt wurde. Die Befragung erfolgte sowohl online als auch in persönlichen Interviews.
Nach den Ergebnissen bewerten 74,65 Prozent der Befragten die bestehenden Sozialleistungen als nicht ausreichend. Zudem sind 67,28 Prozent der Ansicht, dass Thailand auf die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft bislang nicht ausreichend vorbereitet ist. Weitere 62,90 Prozent äußerten nur geringes Vertrauen, dass das staatliche Sozialsystem künftig in der Lage sein werde, die wachsende Zahl älterer Menschen angemessen zu unterstützen.
Mehr Hilfe direkt vor Ort gewünscht
Als dringendste Verbesserung nannten 65,90 Prozent der Befragten den Einsatz von Ansprechpartnern in den Gemeinden, die Senioren beim Zugang zu ihren Sozialleistungen unterstützen. Darüber hinaus wünschen sich viele ältere Menschen, dass Leistungen verstärkt direkt zu Hause erbracht werden und Informationen über bestehende Ansprüche alle Berechtigten erreichen. Hintergrund seien unter anderem Mobilitätseinschränkungen, die vielen Senioren den Weg zu Behörden erschwerten.
Bei der Weiterentwicklung des Sozialsystems sprachen sich 66,13 Prozent für höhere finanzielle Unterstützung aus, deren Höhe stärker an das jeweilige Alter angepasst werden sollte. Ebenfalls hohe Priorität räumten die Befragten einer verlässlichen medizinischen Versorgung sowie einem langfristig angelegten Pflegesystem ein. Diese Bereiche wurden wichtiger bewertet als Maßnahmen zur Beschäftigungsförderung oder allgemeine Zuschüsse für den Lebensunterhalt.
Sozialsystem braucht grundlegende Reform
Dr. Pornpan Buathong, Präsidentin des Suan Dusit Poll, erklärte, dass ein wirksames Sozialsystem für ältere Menschen Einkommen, Gesundheitsversorgung, Wohnraum und Beschäftigung gleichermaßen berücksichtigen solle. Angesichts der alternden Gesellschaft gelte es, den unterschiedlichen Lebenssituationen und Bedürfnissen älterer Menschen Rechnung zu tragen. Ziel sei ein gleichberechtigter Zugang zu Sozialleistungen, der ein würdevolles Leben ermögliche. Zugleich warnte sie davor, Sozialleistungen lediglich als kurzfristiges Wahlversprechen einzusetzen, ohne nachhaltige Verbesserungen zu schaffen.
Auch Assistenzprofessorin Sirima Boonmalert von der Fakultät für Recht und Politik der Suan Dusit University sieht Reformbedarf. Die Umfrage zeige, dass viele ältere Menschen sowohl mit dem Umfang der staatlichen Unterstützung als auch mit dem Zugang zu öffentlichen Leistungen unzufrieden seien. Besonders für Senioren mit eingeschränkter Mobilität stellten Behördengänge eine große Hürde dar. Mehr Unterstützung auf Gemeindeebene, Hausbesuche und eine verständlichere Information könnten dazu beitragen, dass Anspruchsberechtigte ihre Leistungen tatsächlich erhalten. Das geringe Vertrauen in das bestehende System verdeutliche zudem den Bedarf an grundlegenden Reformen angesichts der weiter wachsenden Zahl älterer Menschen in Thailand.