Behörden warnen vor Amulett-Geldwäsche

Ermittler sehen steigendes Risiko durch chinesische Netzwerke

Thailändische Amulette erfreuen sich international wachsender Beliebtheit. Ermittler warnen zugleich vor möglichem Missbrauch des Handels für Geldwäsche. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Thailändische Amulette erfreuen sich international wachsender Beliebtheit. Ermittler warnen zugleich vor möglichem Missbrauch des Handels für Geldwäsche. Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Der wachsende internationale Handel mit thailändischen Amuletten und anderen spirituellen Objekten rückt zunehmend in den Fokus der Ermittlungsbehörden. Nach Angaben der thailändischen Einwanderungsbehörde nutzen kriminelle Netzwerke den boomenden Markt in Einzelfällen, um Gelder aus Online-Glücksspiel, Callcenter-Betrug und Drogenhandel zu waschen. Händler, Sammler und Gläubige wurden daher aufgefordert, bei Geschäftsabschlüssen besondere Vorsicht walten zu lassen.

Wie Pol Maj Gen Choengron Rimpadee, stellvertretender Kommissar und Sprecher der Immigration Bureau, erklärte, sei die steigende Nachfrage aus China zunächst ein Erfolg für den thailändischen Kulturtourismus gewesen. Chinesische Besucher reisten mit Kamerateams und Social-Media-Teams durch das Land, kauften Amulette und religiöse Objekte und vermarkteten diese über Plattformen wie Douyin und Taobao an ein Millionenpublikum. Vor allem junge Chinesen suchten angesichts wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Belastungen zunehmend nach spiritueller Unterstützung für Erfolg, Wohlstand oder Beziehungen. Verstärkt werde dieser Trend durch chinesische Prominente und Influencer, die thailändische Amulette, Takrut-Talismane und Kuman-Thong-Figuren öffentlich bewerben.

Amulette ohne festen Marktwert

Nach Einschätzung der Ermittler macht jedoch gerade die besondere Struktur dieses Marktes ihn für Geldwäsche attraktiv. Anders als Gold oder Immobilien besäßen Amulette keinen objektiv festgelegten Marktwert. Der Preis richte sich vielmehr nach Seltenheit, Herkunft, Geschichte, handwerklicher Qualität und dem persönlichen Glauben der Käufer. Dadurch lasse sich der Wert nur schwer nachvollziehen.

Die Behörden sehen mehrere Schwachstellen. So könnten Amulette mit geringem tatsächlichem Wert als seltene Sammlerstücke für mehrere Millionen Baht verkauft werden. Zudem würden Geschäfte häufig bar, über Kryptowährungen oder informelle Zahlungssysteme abgewickelt, die sich nur schwer nachverfolgen ließen. Auch künstlich erzeugte Preissteigerungen durch abgesprochene Auktionen oder erfundene Herkunftsgeschichten seien möglich. Darüber hinaus könnten Amulettgeschäfte, Amulett-Leihzentren und Anbieter spiritueller Produkte als legale Fassade dienen, um Vermögenswerte grenzüberschreitend zu verschieben.

Scheinauktionen für Geldwäsche

Besonders im Blick der Ermittler stehen manipulierte Auktionen. Dabei bieten Mitglieder desselben Netzwerks gegenseitig auf ein Amulett, bis ein künstlich hoher Verkaufspreis erreicht wird. Nach außen erscheine der Geldfluss anschließend als regulärer Verkaufserlös, obwohl tatsächlich lediglich Gelder innerhalb desselben Netzwerks verschoben würden.

Untersucht wird außerdem ein sogenanntes „Tempel-Leasing“-Modell. Dabei sollen Investoren mithilfe thailändischer Strohmänner Verkaufsflächen in Tempelanlagen angemietet haben, um Reisegruppen überteuerte Amulette und spirituelle Gegenstände zu verkaufen. Die hohen Bareinnahmen könnten anschließend als Einnahmen aus religiösem Handel oder Kulturtourismus ausgewiesen werden.

Ermittler prüfen „Wash Cut“-Methode

Auch Kryptowährungstransaktionen beim Handel mit hochpreisigen Amuletten sowie ein als „Wash Cut“ bezeichnetes Verfahren stehen im Fokus der Ermittlungen. Dabei kaufen Kriminelle hochwertige Amulette mit illegalen Geldern bei seriösen Händlern, die für ihre Vermittlung eine Provision von 20 bis 30 Prozent erhalten. Der verbleibende Betrag könne später als scheinbar legaler Erlös aus dem Amuletthandel dargestellt werden.

Nach Angaben der Einwanderungsbehörde wurden zudem Fälle festgestellt, in denen ausländische Staatsangehörige ohne die erforderlichen Genehmigungen kommerzielle Livestreams in Tempelanlagen betrieben. Als Beispiel nannte die Behörde chinesische Staatsangehörige, die am Wat Phra Mahathat Woramahawihan in der Provinz Nakhon Si Thammarat Liveübertragungen durchgeführt haben sollen.

Behörden verstärken ihre Kontrollen

Die Immigration Bureau arbeitet bei den Ermittlungen mit dem Anti-Money Laundering Office (AMLO), dem Central Investigation Bureau (CIB), der Cyber Police, dem Department of Business Development, der Steuerbehörde sowie dem Zoll zusammen. Gleichzeitig werden Geschäftsreisende verstärkt kontrolliert, insbesondere wenn der Verdacht besteht, dass sie ohne gültiges Visum oder Arbeitserlaubnis geschäftlich tätig werden. Auch ungewöhnliche Reisebewegungen und Geschäftsaktivitäten würden verstärkt ausgewertet.

Seriösen Händlern empfehlen die Behörden, die Identität ihrer Kunden sorgfältig zu prüfen, Zahlungen ausschließlich über reguläre Bankkanäle abzuwickeln, Steuerbelege auszustellen und sämtliche Unterlagen vollständig aufzubewahren. Zudem sollten sie weder hohe Bargeldbeträge annehmen noch Vermögenswerte treuhänderisch für Dritte verwalten oder als Strohmann auftreten.

Glaube darf nicht missbraucht werden

Pol Maj Gen Choengron betonte, dass Thailand ehrliche Touristen, Investoren und Sammler weiterhin willkommen heiße. Die traditionsreichen Amulette seien ein wichtiger Bestandteil der thailändischen Kultur und des religiösen Glaubens. Sie dürften jedoch nicht als Instrument zur Verschleierung krimineller Aktivitäten missbraucht werden.

Nach Einschätzung der Behörden besteht die Herausforderung darin, einen auf Glauben, Kultur und Tradition basierenden Markt vor einer Unterwanderung durch organisierte Kriminalität zu schützen, während die internationale Nachfrage nach thailändischen Amuletten weiter zunimmt.

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