BANGKOK: Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen rückt in Thailand zunehmend in den Fokus einer Debatte über den Umgang mit Smartphones und digitalen Medien. Experten, Schulen und Kindergärten diskutieren darüber, ob eine übermäßige Nutzung mobiler Geräte die Lernfähigkeit beeinträchtigt, soziale Isolation fördert und problematisches Verhalten begünstigt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob in erster Linie Eltern oder Schulen dafür verantwortlich sind, den Medienkonsum von Kindern zu regulieren.
Nach Angaben von UNICEF hat nahezu die Hälfte der jungen Menschen unter 25 Jahren bereits an Online-Glücksspielen teilgenommen. Weitere 33 Prozent gelten als abhängig von Online-Spielen. Gleichzeitig weist die Thai Health Promotion Foundation darauf hin, dass 98,2 Prozent der thailändischen Kinder als stark an Bildschirme gewöhnt seien.
Schule und Eltern ziehen an einem Strang
Wilaiwan Anmak, Direktorin der Lat Pla Khao Phitthayakhom School in Bangkok, erklärte Reportern der „Bangkok Post“, dass an ihrer Schule lediglich rund zehn Prozent der Familien Probleme im Zusammenhang mit exzessivem Spielen oder übermäßiger Smartphone-Nutzung gemeldet hätten. In diesen Fällen arbeiteten Lehrkräfte und Eltern gemeinsam an Lösungen. Nach ihrer Erfahrung werde die Autorität der Schule von den Eltern häufig als hilfreiche Unterstützung angesehen.
Nach Beobachtungen der Schule pflegten die Schülerinnen und Schüler weiterhin normale soziale Kontakte und beteiligten sich aktiv am Schulleben. Eine weit verbreitete soziale Isolation infolge der Smartphone-Nutzung sei bislang nicht festzustellen. Während der Corona-Pandemie seien Smartphones und Tablets jedoch unverzichtbar für den Online-Unterricht geworden. Nach der Rückkehr zum Präsenzunterricht habe sich diese Gewöhnung nur schwer wieder rückgängig machen lassen, da digitale Geräte inzwischen fester Bestandteil des Bildungsalltags seien.
Klare Regeln für Smartphones
Die Schule erlaubt den Schülerinnen und Schülern, ihre Mobiltelefone mitzubringen. Während des Unterrichts dürfen diese jedoch nur genutzt werden, wenn Lehrkräfte sie ausdrücklich für Recherchen oder Unterrichtsaufgaben einsetzen. Ein generelles Einsammeln der Geräte sei an einer staatlichen Schule aufgrund fehlender Aufbewahrungsmöglichkeiten und des hohen Verwaltungsaufwands nicht praktikabel. Hinzu kämen mögliche Haftungsfragen bei Verlust oder Beschädigung.
Vereinzelt seien Konflikte entstanden, nachdem sich Schülerinnen und Schüler über soziale Netzwerke gestritten und persönliche Auseinandersetzungen vereinbart hätten. Die Schule überwache solche Fälle jedoch aufmerksam.
Medienkompetenz statt Verbote
Speziell geschulte Schülerinnen und Schüler meldeten problematische Online-Inhalte an Lehrkräfte, die anschließend vermittelnd eingriffen. Schwere Gewalttaten infolge von Konflikten in sozialen Medien habe es bislang nicht gegeben. Nach Ansicht der Schulleitung müsse Thailand bei möglichen Einschränkungen sozialer Medien für Minderjährige sorgfältig Chancen und Risiken abwägen. Anders als bei Drogen oder E-Zigaretten spielten Eltern eine Schlüsselrolle, da sie ihren Kindern die Geräte zur Verfügung stellten. Kinder und Jugendliche benötigten daher eine bessere digitale Medienkompetenz, um seriöse Informationen von Falschmeldungen unterscheiden und soziale Medien sicher nutzen zu können.
Auch Janana Srivardhana, Leiterin des Jananan Kindergarten, sieht die Eltern in einer zentralen Verantwortung. Bereits bei der Aufnahme müssten Familien Angaben zur Bildschirmzeit ihrer Kinder machen. Häufig lasse sich jedoch bereits am Verhalten der Kinder erkennen, ob diese Angaben der Realität entsprächen.
Elternzeit fördert Sozialverhalten
Kinder, deren Eltern regelmäßig mit ihnen sprächen, vorläsen und Zeit mit ihnen verbrächten, zeigten nach ihren Beobachtungen häufig bessere soziale und emotionale Fähigkeiten. Dagegen fielen Kinder, die überwiegend von Betreuungspersonen oder Großeltern erzogen würden oder wenig persönliche Zuwendung erhielten, oft durch andere Verhaltensmuster auf.
Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegten einen Zusammenhang zwischen übermäßiger Bildschirmzeit und Problemen bei der Emotionsregulation, erhöhter Aggressivität, geringerer Geduld sowie stärker egozentrischem Verhalten. Diese Entwicklung nehme die Einrichtung sehr ernst.
Kein Fernsehen im Kindergarten
Bereits vor der Corona-Pandemie habe der Kindergarten konsequent auf Bildschirme verzichtet. Selbst angebotene Fernsehgeräte seien damals abgelehnt worden, weil Kinder nach Auffassung der Schule keine unnötige Bildschirmnutzung benötigten. Erst nach der Pandemie wurden interaktive Tafeln für die ältesten Kindergartenkinder eingeführt, um sie gezielt auf die Grundschule vorzubereiten. Die Geräte dienten jedoch ausschließlich interaktiven Lernformen und nicht dem passiven Konsum von Videos oder Online-Inhalten.
Nach der Pandemie kehrte der Kindergarten zu seiner ursprünglichen Linie zurück und verbot erneut Mobiltelefone. Gleichzeitig werden Eltern dazu aufgerufen, die Bildschirmzeit ihrer Kinder auch zu Hause konsequent zu begrenzen. Nur wenn Schule und Elternhaus dieselben Regeln vermittelten, könnten Kinder Selbstdisziplin entwickeln und einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien erlernen.