BANGKOK: Der thailändische Immobilienmarkt sendet derzeit ein bemerkenswertes Signal: Die Zahl und der Gesamtwert von zum Verkauf stehenden Bestandsimmobilien sind landesweit deutlich gestiegen. Besonders in Bangkok hat sich der Wert der angebotenen Objekte innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht. Beobachter stellen daher die Frage, ob es sich lediglich um eine normale Marktbewegung handelt oder ob sich dahinter ein zunehmender Verkaufsdruck auf dem Immobilienmarkt verbirgt.
Nach Angaben des Real Estate Information Centre (REIC) der Government Housing Bank wurden im ersten Quartal 2026 in Bangkok insgesamt 70.495 Bestandsimmobilien zum Verkauf angeboten. Dies entspricht einem Anstieg von 117,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher fiel die Entwicklung beim Gesamtwert der angebotenen Immobilien aus: Dieser erreichte 701,25 Milliarden Baht und lag damit 234 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Zahlen deuten darauf hin, dass nicht nur deutlich mehr Immobilien auf den Markt kamen, sondern zugleich zahlreiche hochpreisige Objekte zum Verkauf angeboten wurden.
Bangkok und Umland führen Markt an
Auf Bangkok folgte Chonburi mit einem Angebotswert von 70,22 Milliarden Baht, was einem Zuwachs von 69,2 Prozent entspricht. In Nonthaburi stieg der Wert der gelisteten Immobilien auf 68,70 Milliarden Baht (+56,1 Prozent), in Samut Prakan auf 60,22 Milliarden Baht (+76,8 Prozent). Pathum Thani verzeichnete einen Angebotswert von 32,89 Milliarden Baht und damit ein Plus von 23 Prozent. Die Zahlen unterstreichen die Bedeutung der Hauptstadtregion als Zentrum des thailändischen Marktes für Bestandsimmobilien.
Auch in wichtigen Tourismusprovinzen blieb der Markt aktiv. In Chiang Mai erreichte der Wert der angebotenen Bestandsimmobilien 29,23 Milliarden Baht, was einem Anstieg von 16 Prozent entspricht. Phuket verzeichnete einen Angebotswert von 23,96 Milliarden Baht. Während die Zahl der angebotenen Objekte dort um 20,3 Prozent zunahm, sank deren Gesamtwert um 3,9 Prozent. In Surat Thani lag der Angebotswert bei 12,65 Milliarden Baht und damit 13 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass sich insbesondere in Phuket die Zusammensetzung des Angebots verändert hat und vermehrt Objekte mit geringerem Durchschnittswert auf den Markt gelangen.
Rayong profitiert vom EEC-Ausbau
Eine weitere auffällige Entwicklung zeigte sich in Rayong. Dort stieg die Zahl der zum Verkauf stehenden Bestandsimmobilien auf 7.079 Einheiten, ein Plus von 54,4 Prozent. Der Gesamtwert erhöhte sich um 37,2 Prozent auf 12,93 Milliarden Baht. Die Entwicklung wird mit dem anhaltenden Ausbau des Eastern Economic Corridor (EEC) sowie Investitionen in Industrie- und Infrastrukturprojekte in Verbindung gebracht.
Der starke Anstieg bei Bestandsimmobilien bedeutet jedoch nicht zwangsläufig eine Abschwächung des Marktes. Experten sehen darin auch eine mögliche Anpassung der Anlagestrategien von Eigentümern, die Vermögenswerte umschichten, umziehen oder ihre Liquidität erhöhen wollen, während sich die Wirtschaft weiterhin nur schrittweise erholt.
Angebot wächst schneller als Nachfrage
Dennoch gilt insbesondere der Anstieg des Angebotswertes in Bangkok um 234 Prozent als außergewöhnlich. Dies könnte darauf hindeuten, dass Eigentümer heute stärker unter Verkaufsdruck stehen als in den vergangenen Jahren. Entscheidend wird nun sein, wie schnell die große Zahl neu angebotener Immobilien vom Markt aufgenommen werden kann und ob die Kaufkraft der Verbraucher ausreicht, um das zusätzliche Angebot zu absorbieren. Sollte das Angebot schneller wachsen als die Nachfrage, könnte dem thailändischen Immobilienmarkt eine Phase intensiveren Preiswettbewerbs bevorstehen.