BANGKOK: Vertreter des thailändischen Groß- und Einzelhandels haben die Regierung aufgefordert, gezielt kleine Einzelhändler zu unterstützen und langfristige Maßnahmen zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit umzusetzen.
Nach Ansicht von Somchai Pornrattanacharoen, Ehrenberater der Thai Wholesale and Retail Trade Association, konzentriere sich die Regierung derzeit vor allem auf die Finanzierung von Kaufanreizprogrammen, während nachhaltige Fördermaßnahmen für kleine Händler fehlten.
Mehr Schulungen für Kleinbetriebe
Somchai sprach sich dafür aus, mehr Kleinunternehmer in die formelle Wirtschaft einzubinden. Dazu könnten Schulungen in grundlegender Buchführung sowie zur Registrierung der Mehrwertsteuer gehören. Zusätzliche Anreize wie Übergangsfristen für neu registrierte Betriebe könnten die Teilnahmebereitschaft erhöhen.
Zugleich verwies er auf die Herausforderungen vieler kleiner Händler. Dazu zählten hohe Gebühren auf E-Commerce-Plattformen, steigende Mieten sowie Umsatzbeteiligungsmodelle im stationären Handel. Sorge bereite ihm außerdem, dass staatliche Förderprogramme für ausländische Investoren und große Industriebetriebe langfristig zur Schließung lokaler Fabriken führen und dadurch kleine Unternehmen sowie Arbeitnehmer belasten könnten.
Bezahlbare Läden als Alternative
Als mögliche Unterstützung schlug Somchai vor, günstige Verkaufsflächen bereitzustellen. Niedrige Mietkosten könnten kleinen Händlern eine Alternative zu teuren Ladenmieten und umsatzabhängigen Mietmodellen bieten.
Unterdessen zog auch der Einzelhandel eine erste Bilanz des staatlichen Zuzahlungsprogramms „Thais Help Thais Plus“. Milin Veraratanaroj, Vorsitzender der Großhandelskette Tang Ngee Soon Superstore in der Provinz Udon Thani, berichtete gegenüber der „Bangkok Post“ von einem Umsatzanstieg von rund zehn Prozent in der Zeit vom 1. bis 12. Juni 2026. Damit blieb das Ergebnis jedoch hinter den Erwartungen von 15 Prozent zurück.
Schwache Kauflaune bremst Umsatz
Obwohl sein Unternehmen selbst nicht an dem Programm teilnehmen könne, würden viele kleine Nachbarschaftsläden weiterhin Waren über die Großhandelsfilialen beziehen. Nach Einschätzung von Milin werde die Kauflaune jedoch durch die schwache Wirtschaftslage gebremst. Viele Verbraucher würden Ausgaben verschieben oder stärker sparen.
Als weitere Belastungsfaktoren nannte er geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie hohe Energiekosten, die einen immer größeren Teil des Haushaltseinkommens beanspruchten.
Kleine Händler fürchten Nachteile
Bereits in der vergangenen Woche hatte die Thai Retailers Association die Regierung aufgefordert, die Teilnahmebedingungen des Programms zu lockern und auch größeren Unternehmen den Zugang zu ermöglichen. Somchai und Milin warnten jedoch, dass eine Ausweitung auf große Handelsunternehmen zulasten kleiner Einzelhändler gehen könnte.