BANGKOK: Seit mehr als 200 Jahren gehört die Große Goldene Urne zu den bedeutendsten Insignien des thailändischen Königshauses. Sie ist weit mehr als ein kunstvoll gefertigtes Meisterwerk: Sie verkörpert Liebe, Respekt, Trauer und die höchste Ehre, die einem Mitglied der königlichen Familie am Ende seines Lebens erwiesen werden kann.
Am 13. Juni 2026 wurde bekannt gegeben, dass für Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Bajrakitiyabha Narendiradebyavati besondere königliche Ehren angeordnet wurden. Auf Befehl des Königs wird die Urne von einem siebenstufigen Baldachin umgeben und von einem weißen königlichen Schirm geschützt. Zudem wurde die „Große Goldene Urne von König Rama IX.“ für die Aufbahrung ihres Sarges zur Verfügung gestellt. Die Tageszeitung ThaiRath erklärt die grosse Tradtion:
Die drei Großen Goldenen Urnen
Im Laufe der Geschichte wurden drei Große Goldene Urnen geschaffen, die bis heute erhalten geblieben sind.
1. Die Große Goldene Urne von König Rama I (1808)
Diese Urne wurde ursprünglich für die spätere Bestattung von König Rama I vorbereitet. Noch bevor sie dafür verwendet werden konnte, verstarb jedoch seine Tochter, Prinzessin Krom Luang Sri Sunthon Thep. Aus tiefer Zuneigung ließ der König ihre sterblichen Überreste zuerst in dieser Urne aufbewahren. Damit entstand eine Tradition, nach der die Große Goldene Urne auch anderen hochrangigen Mitgliedern der königlichen Familie verliehen werden konnte.
2. Die Große Goldene Urne von König Rama V (1900)
Nach jahrzehntelangem Gebrauch war die ursprüngliche Urne stark beschädigt. König Chulalongkorn (Rama V) ordnete deshalb 1900 die Anfertigung einer neuen Urne an. Sie verbindet traditionelle thailändische Formen mit Einflüssen englischer Kunst und Handwerkskunst. Besonders auffällig sind die kunstvoll gestalteten Lotusmuster, die die hohe Kunstfertigkeit dieser Epoche widerspiegeln.
3. Die Große Goldene Urne von König Rama IX (1999–2000)
Ende des 20. Jahrhunderts waren auch die älteren Urnen durch Alter und häufigen Gebrauch stark beeinträchtigt. König Bhumibol Adulyadej (Rama IX) ließ daher eine neue Urne herstellen. Sie bewahrt die traditionelle achteckige Form, zeichnet sich jedoch durch besonders feine Blumen- und Blattornamente aus. Ihr erster Einsatz erfolgte bei der Trauerfeier für Prinzessin Galyani Vadhana im Dusit-Maha-Prasat-Thronsaal.
Mehr als ein Kunstwerk
Obwohl die drei Urnen in unterschiedlichen Epochen entstanden und verschiedene künstlerische Merkmale besitzen, haben sie eine gemeinsame Bedeutung: Sie stehen für die tiefen emotionalen Bindungen innerhalb der königlichen Familie und für die höchste Form der Ehrung eines Verstorbenen.
Die Große Goldene Urne ist daher nicht nur ein wertvolles Kulturgut, sondern auch ein Symbol für Liebe, Respekt und Erinnerung. Ihre fortdauernde Verwendung bewahrt eine jahrhundertealte Tradition und erinnert kommende Generationen an die enge Verbindung zwischen Monarchie, Geschichte und nationalem Gedenken.