BANGKOK: Das thailändische Verkehrsministerium und die Thai Pilots Association (THAIPA) haben Maßnahmen gegen die hohe Arbeitslosigkeit unter Piloten und das umstrittene „Pay-to-Fly“-Modell erörtert.
Bei dem Treffen am Montag (15. Juni 2026) standen die strukturellen Folgen der Corona-Krise für die Luftfahrtbranche im Mittelpunkt. Nach Angaben der Branche sind derzeit 1.736 thailändische Piloten arbeitslos, weitere 1.219 Inhaber einer Berufspilotenlizenz (CPL) warten auf eine Anstellung. Die ungenutzten Investitionen in die Pilotenausbildung werden auf mehr als 4,3 Milliarden Baht geschätzt.
Hohe Kosten für den Weg ins Cockpit
Als Ursachen nennt THAIPA unter anderem ein Überangebot an Piloten, die teilweise Beschäftigung ausländischer Piloten, Lücken im arbeitsrechtlichen Schutz sowie die zunehmende Verbreitung des Pay-to-Fly-Modells. Dabei müssen angehende Piloten ihre Ausbildungskosten selbst tragen, um überhaupt eine Chance auf den Berufseinstieg zu erhalten. Die Gesamtkosten belaufen sich nach Angaben des Verbandes auf durchschnittlich rund sechs Millionen Baht. Davon entfallen etwa drei Millionen Baht auf die Ausbildung zum Berufspiloten und weitere drei Millionen Baht auf die sogenannte Type Rating-Ausbildung für einen bestimmten Flugzeugtyp.
THAIPA kritisiert, dass dieses Modell für viele qualifizierte Bewerber eine kaum überwindbare finanzielle Hürde darstelle. Zwar sei die Praxis nicht ausdrücklich gesetzlich verboten, sie könne jedoch zu unfairen Beschäftigungsbedingungen führen und langfristig auch Fragen der Flugsicherheit aufwerfen. Besonders problematisch werde die Situation, wenn junge Piloten Schulden von mehr als sechs Millionen Baht aufnehmen müssten. Der dadurch entstehende finanzielle Druck könne Stress verursachen und sich negativ auf die Konzentration während des Flugbetriebs auswirken.
Forderung nach Reformen im Cockpit
Der Verband schlug deshalb kurz- und langfristige Maßnahmen vor. Dazu gehören klare Regeln für das Pay-to-Fly-System, stärkere Beschäftigungs- und Sozialstandards, die konsequente Durchsetzung von Vorschriften zur Beschäftigung thailändischer Piloten, eine offizielle Beschwerdestelle sowie Schutzmechanismen für Hinweisgeber. Darüber hinaus fordert THAIPA eine bessere Abstimmung der Ausbildungszahlen auf den tatsächlichen Personalbedarf der Luftfahrtbranche.
Nach Angaben des Verbandes verdienen Piloten in Thailand üblicherweise zwischen 100.000 und 200.000 Baht pro Monat, einschließlich Flugzulagen und Stundenvergütungen von etwa 1.000 bis 2.000 Baht pro Flugstunde. Einige Fluggesellschaften würden jedoch deutlich niedrigere Vergütungen zahlen. In einzelnen Fällen liege die Stundenvergütung nur noch bei rund 500 Baht, wodurch sich das monatliche Einkommen auf durchschnittlich etwa 70.000 Baht reduziere. Für Piloten, die zuvor sechs Millionen Baht in ihre Ausbildung investiert hätten, sei es unter solchen Bedingungen äußerst schwierig, die Kosten wieder hereinzuholen.
Viele akzeptieren das System dennoch
THAIPA verwies darauf, dass viele junge Piloten das System dennoch akzeptierten, um die erforderlichen Musterberechtigungen und Flugstunden zu sammeln. Nach ausreichender Berufserfahrung wechselten viele später zu Fluggesellschaften mit besseren Verdienstmöglichkeiten. Gleichzeitig fühlten sich Absolventen mit geringen Beschäftigungschancen oft gezwungen, die hohen Kosten zu tragen, um überhaupt in ihrem erlernten Beruf arbeiten zu können.
Auch bei der Beförderung zum Kapitän sieht der Verband Handlungsbedarf. In einigen Fällen müssten Co-Piloten die Kosten für die notwendige Aufstiegsausbildung selbst übernehmen. Diese werden auf rund 870.000 Baht geschätzt.
Geld darf nicht über Aufstieg entscheiden
THAIPA argumentiert, dass solche Schulungen nach arbeitsrechtlichen Grundsätzen vom Arbeitgeber finanziert werden sollten. Zudem bestehe die Gefahr, dass Piloten mit ausreichenden finanziellen Mitteln bei Beförderungen bevorzugt würden.
Der stellvertretende Verkehrsminister Phattrapong Phattraprasit erklärte, dass das Ministerium der Entwicklung von Fachkräften in der Luftfahrt große Bedeutung beimesse, und die Vorschläge aller Beteiligten prüfen werde. Ziel sei es, faire Zugangsbedingungen zum Pilotenberuf zu schaffen, Ungleichheiten abzubauen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der thailändischen Luftfahrtindustrie zu stärken.