Feuerinferno: Schwere Mängel aufgedeckt

Blockierte Fluchtwege und fehlende Brandschutzmaßnahmen

Rettungskräfte und Ermittler arbeiten am Unglücksort, nachdem das Feuer zahlreiche Todesopfer und Verletzte gefordert hatte. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Rettungskräfte und Ermittler arbeiten am Unglücksort, nachdem das Feuer zahlreiche Todesopfer und Verletzte gefordert hatte. Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Bei den ersten Untersuchungen nach dem verheerenden Brand im Musikrestaurant Rong Beer Na Ladprao in Bangkok haben die Behörden zahlreiche Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften festgestellt. Bei dem Feuer kamen nach aktuellem Stand mindestens 32 Menschen ums Leben, 73 weitere wurden verletzt, darunter 22 schwer. Zudem galten am Montagnachmittag (13. Juli 2026) noch rund 45 Personen, die sich zum Zeitpunkt des Brandes mutmaßlich im Lokal befanden, als vermisst.

Die gemeinsame Inspektion durch das Innenministerium, die thailändische Polizei, die Stadtverwaltung Bangkok (BMA), das Department of Public Works and Town & Country Planning sowie weitere Behörden ergab, dass ein Fluchtweg auf der Rückseite des Gebäudes durch einen Süßwarenstand blockiert war. Ein weiterer Notausgang war mit dem Hinweis „Do Not Open (Staff Only)“ („Nicht öffnen – nur für Personal“) gekennzeichnet, was nach Einschätzung der Ermittler bei flüchtenden Gästen zu Verwirrung geführt haben könnte.

Polizei bildet Sonderkommission

Darüber hinaus stellten die Behörden fest, dass beim Bau und bei der Inneneinrichtung des Gebäudes keine feuerbeständigen Materialien verwendet worden waren. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte ein Kurzschluss in einer Klimaanlage oberhalb der Decke den Brand ausgelöst haben. Eine endgültige Bestätigung der Brandursache steht jedoch noch aus.

Kriminaltechniker dokumentieren Schäden an der Fassade des Musikrestaurants Rong Beer Na Ladprao und sichern Spuren für die Ermittlungen. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Kriminaltechniker dokumentieren Schäden an der Fassade des Musikrestaurants Rong Beer Na Ladprao und sichern Spuren für die Ermittlungen. Foto: epa/Rungroj Yongrit

Nach Angaben der Ermittler verfügte der Betrieb lediglich über Genehmigungen als Restaurant mit Live-Musik, jedoch nicht über eine Lizenz als Vergnügungsstätte. Außerdem befand sich das Lokal außerhalb eines ausgewiesenen Gebiets für Unterhaltungsbetriebe. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, ob das Gebäude für die tatsächliche Nutzung zugelassen war und ob bauliche Veränderungen ohne Genehmigung vorgenommen wurden.

Ermittlungen gegen Verantwortliche

Pol Gen Kittharath Punpetch, Chef der thailändischen Polizei, erklärte, dass eine gemeinsame Ermittlungsgruppe eingerichtet worden sei. Diese werde neben den Ursachen des Brandes auch mögliche Verantwortlichkeiten von Geschäftspartnern sowie beteiligten Beamten bei Genehmigungs- und Kontrollverfahren untersuchen. Zudem würden die elektrische Anlage, Sicherungskästen, die Sprinkleranlage sowie bauliche Veränderungen überprüft, um festzustellen, ob Fahrlässigkeit zu den Todesfällen beigetragen habe.

Die Ermittler untersuchen den ausgebrannten Gastraum, in dem sich das Feuer innerhalb weniger Minuten ausgebreitet haben soll. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Die Ermittler untersuchen den ausgebrannten Gastraum, in dem sich das Feuer innerhalb weniger Minuten ausgebreitet haben soll. Foto: epa/Rungroj Yongrit

Bei der Untersuchung des Gebäudes fanden die Ermittler zwei Eingänge an der Vorderseite sowie zwei Ausgänge auf der Rückseite vor. Einer der Notausgänge in der Nähe der Toiletten war durch einen Verkaufsstand versperrt. Ein weiterer Ausgang verfügte über keinen Türgriff und war zusätzlich durch Regale und Spinde blockiert, sodass lediglich ein schmaler Durchgang verblieb.

Opfer suchten Schutz in Toiletten

Nach Angaben von Pol Gen Kittharath wurden zahlreiche Opfer in den Damen- und Herrentoiletten gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass dichter Rauch und der Stromausfall den Gästen die Orientierung erschwerten und sie die Fluchtwege nicht mehr erkennen konnten. Der Polizeichef betonte, die Tragödie zeige, dass Betreiber von Vergnügungsstätten die Sicherheit ihrer Gäste konsequent über wirtschaftliche Interessen stellen müssten.

Bei der Spurensicherung sichergestellte, durch das Feuer beschädigte Gegenstände sollen Hinweise auf Ursache und Verlauf der Brandkatastrophe liefern. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Bei der Spurensicherung sichergestellte, durch das Feuer beschädigte Gegenstände sollen Hinweise auf Ursache und Verlauf der Brandkatastrophe liefern. Foto: epa/Rungroj Yongrit

Pol Maj Gen Panlop Araemla, stellvertretender Leiter des Metropolitan Police Bureau, erklärte, dass die Polizei Zeugen bislang noch nicht vernommen habe, um Berichte zu überprüfen, wonach Mitarbeiter während des Brandes Ausgänge verschlossen hätten, damit Gäste das Lokal nicht ohne Bezahlung verlassen konnten.

Behörden prüfen Gebäudesicherheit

Die Leichen der Opfer wurden zur Identifizierung in das Police General Hospital gebracht. Anurat Khruachaem, Assistent des Bezirksdirektors von Chatuchak, erklärte, dass das Musikrestaurant zuletzt im April von den Behörden kontrolliert worden sei. Die Stadtverwaltung Bangkok will das Gebäude nun zusätzlich auf seine strukturelle Stabilität untersuchen und entscheiden, ob es weiterhin sicher genutzt werden kann.

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Klaus Berbel 14.07.26 10:00
Also wenn an der Geschichte etwas dran ist, dass Mitarbeiter die ohnehin nicht ausreichend vorhandenen, freien Ausgänge verschlossen haben, wäre das ein Fall für die maximal mögliche Strafe in Thailand. Nach Geständnis dann also lebenslänglich.... so ein Verhälten wäre an Boshaftigkeit nicht mehr zu überbieten.

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