Sorge vor EV-Importflut aus China

Verbände verlangen neue Regeln zum Schutz der einheimischen Produktion

Mit dem Auslaufen der EV-Förderung wächst die Sorge vor steigenden Importen chinesischer Elektrofahrzeuge nach Thailand. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Mit dem Auslaufen der EV-Förderung wächst die Sorge vor steigenden Importen chinesischer Elektrofahrzeuge nach Thailand. Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Die thailändische Automobilindustrie warnt vor den möglichen Folgen des Auslaufens des staatlichen Förderprogramms „EV3.5“ im kommenden Jahr. Branchenvertreter befürchten, dass nach dem Ende der Anreize deutlich mehr Elektrofahrzeuge aus China nach Thailand importiert werden könnten. Dies würde die heimische Fahrzeugproduktion und die Zulieferindustrie erheblich unter Druck setzen.

Das Förderprogramm EV3.5 unterstützt Unternehmen, die in Thailand Produktionsstätten für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) errichten, unter anderem durch Steuervergünstigungen und Subventionen. Nach Einschätzung der Industrie hat das Programm Investitionen angezogen und den Aufbau einer lokalen Elektrofahrzeugproduktion gefördert. Mit dem Auslaufen der Förderung bestehe jedoch die Gefahr, dass chinesische Hersteller ihre Produktion in Thailand zurückfahren und stattdessen verstärkt Fahrzeuge importieren. Möglich werde dies durch die zollfreien Einfuhren im Rahmen des Freihandelsabkommens zwischen der ASEAN und China.

Importwelle bedroht heimische Produktion

Suwat Supakandechakul, Vorsitzender des Automotive Industry Club beim thailändischen Industrieverband FTI, warnte, dass eine Importwelle die heimische Fahrzeugproduktion in eine Krise stürzen könne. Besonders betroffen wären auch die zahlreichen Zulieferbetriebe, die mit sinkenden Aufträgen rechnen müssten, wenn importierte Fahrzeuge Marktanteile gewinnen.

Vor diesem Hintergrund fordern der Verband der Elektrofahrzeugindustrie Thailands und weitere Branchenorganisationen zusätzliche Schutzmaßnahmen. Vorgeschlagen werden strengere Vorgaben für den Einsatz lokal produzierter Komponenten sowie eine Anpassung der Verbrauchsteuer, um den Preisvorteil importierter Fahrzeuge gegenüber in Thailand produzierten Elektroautos zu verringern. Ziel sei es, Hersteller zu einer stärkeren lokalen Fertigung zu bewegen und die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren.

Lokale Fertigung soll gestärkt werden

Thailand produzierte in Spitzenzeiten jährlich nahezu 2,4 Millionen Fahrzeuge und verfolgt weiterhin das Ziel, sich als regionales Produktionszentrum für Elektrofahrzeuge zu etablieren. Nach derzeitigen Vorgaben müssen Hersteller von batterieelektrischen Fahrzeugen, die Förderungen des Board of Investment erhalten, einen lokalen Wertschöpfungsanteil von mindestens 40 Prozent erreichen. Für Plug-in-Hybridfahrzeuge liegt die Vorgabe bei 45 Prozent. Aus Sicht der Industrie müssten diese Anforderungen künftig konsequenter umgesetzt und weiter ausgebaut werden.

Suwat sprach sich zudem für eine Überarbeitung des geplanten Abwrack- beziehungsweise Eintauschprogramms aus, das den Absatz neuer Elektro- und Hybridfahrzeuge fördern sollte. Nach Angaben eines anonymen Vertreters des Finanzministeriums steht das Vorhaben jedoch auf der Kippe. Offene Fragen betreffen unter anderem das zulässige Alter der Altfahrzeuge, deren Bewertung sowie die spätere Entsorgung oder den Export.

Changan stärkt Standort Thailand

Chinesische Hersteller betonen hingegen ihr langfristiges Engagement in Thailand. Chris Wu, Vizepräsident von Changan Auto Sales (Thailand), erklärte, dass sein Unternehmen die stärkere Einbindung lokaler Zulieferer nicht als Belastung, sondern als Chance sehe. Changan habe seine Aktivitäten bereits von reinen Fahrzeugimporten auf die lokale Produktion im Werk in Rayong umgestellt.

Nach Unternehmensangaben soll der Anteil lokal beschaffter Komponenten bis 2027 auf 70 Prozent und bis 2030 auf 80 Prozent steigen. Damit würde Changan die derzeit geltenden Mindestanforderungen deutlich übertreffen.

Werk in Rayong produziert für Export

Fahrzeuge aus dem rund zehn Milliarden Baht teuren Werk in Rayong werden bereits in Rechtslenkermärkte wie Großbritannien exportiert. Darüber hinaus errichtet das Unternehmen eine Batteriefabrik in Thailand, um künftig auch Batteriesysteme vor Ort zu produzieren und die lokale Lieferkette weiter auszubauen.

Trotz dieser Zusagen bleibt die Branche zurückhaltend. Der Industrieverband FTI strebt für 2026 eine Fahrzeugproduktion von 1,5 Millionen Einheiten an, davon 950.000 für den Export und 550.000 für den heimischen Markt. Surapong Paisitpatanapong, Berater und Sprecher des Automotive Industry Club, warnte jedoch, dass geopolitische Spannungen, insbesondere die Konflikte im Nahen Osten, das Exportziel gefährden könnten.

Pick-up-Absatz bleibt schwach

Auch der Binnenmarkt bereitet der Branche Sorgen. Vor allem der Absatz von Pick-up-Fahrzeugen, die lange als wichtigste Fahrzeugkategorie Thailands galten, ist seit Jahren rückläufig. Nach Ansicht von Suwat sind zusätzliche staatliche Maßnahmen erforderlich, um die Nachfrage anzukurbeln und damit auch die rund 1.500 Zulieferunternehmen des Industrieverbandes zu unterstützen. Ohne neue Impulse drohten sowohl Fahrzeugherstellern als auch der Zulieferindustrie weitere Belastungen.

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