Thailand und Malaysia stärken Grenzhandel

Beide Länder treiben Infrastruktur an der Grenze gemeinsam voran

Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul (l.) und Malaysias Premierminister Anwar Ibrahim bekräftigen den Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit. Foto: epa/Hasnoor Hussain
Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul (l.) und Malaysias Premierminister Anwar Ibrahim bekräftigen den Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit. Foto: epa/Hasnoor Hussain

BANGKOK/KUALA LUMPUR: Thailand und Malaysia wollen ihre Zusammenarbeit beim Ausbau der grenzüberschreitenden Infrastruktur, des Handels, des Tourismus sowie in den Bereichen Landwirtschaft und Sicherheit deutlich intensivieren. Ziel ist es, die gemeinsame Grenze zu einem neuen Wirtschaftsraum zu entwickeln und das bilaterale Handelsvolumen in naher Zukunft auf 30 Milliarden US-Dollar zu steigern.

Darauf verständigten sich der thailändische Premierminister Anutin Charnvirakul und sein malaysischer Amtskollege Dato’ Seri Anwar Ibrahim bei einem offiziellen Treffen in Malaysia. Im Mittelpunkt der Gespräche standen eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit, Investitionen, Energie- und Ernährungssicherheit sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung in den Grenzregionen.

Neue Grenzstraße soll Handel stärken

Ein zentrales Vorhaben ist die Inbetriebnahme der neuen Straßenverbindung zwischen dem Zollkomplex Sadao in der thailändischen Provinz Songkhla und dem malaysischen Grenzübergang Bukit Kayu Hitam. Die Verbindung soll den Warenverkehr beschleunigen, Logistikkosten senken und den grenzüberschreitenden Handel erleichtern.

Darüber hinaus vereinbarten beide Regierungen weitere Infrastrukturprojekte, darunter die Wiederaufnahme der Fährverbindung zwischen Satun und Kuala Perlis, eine bessere Integration der Ticketsysteme auf der Bahnstrecke Bangkok–Hat Yai–Butterworth, die Reaktivierung der Bahnverbindung Sungai Kolok–Rantau Panjang sowie den Bau einer weiteren Brücke zur Verbesserung der regionalen Verkehrsverbindungen.

Lieferketten sollen enger verzahnt werden

Im wirtschaftlichen Bereich wollen Thailand und Malaysia ihre Lieferketten insbesondere in den Bereichen Ernährungssicherheit, Energie und Hochtechnologie enger miteinander verzahnen. Die Landwirtschaftsminister beider Länder erhielten den Auftrag, den Marktzugang für Agrar- und Fischereierzeugnisse zu beschleunigen. Zudem sollen eine grenzüberschreitende Sonderwirtschaftszone entwickelt sowie die Zusammenarbeit der Einwanderungs- und Zollbehörden ausgebaut werden.

Im Beisein der beiden Regierungschefs unterzeichneten Vertreter beider Staaten außerdem eine Absichtserklärung über eine verstärkte Zusammenarbeit in der Landwirtschaft. Diese umfasst den Ackerbau, die Viehzucht, die Fischerei, Forschung, Technologietransfer, die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften sowie die Ernährungssicherheit. Gleichzeitig einigten sich beide Seiten auf eine Lösung eines Handelsstreits um Garnelen und Wolfsbarsch. Die vereinbarten Maßnahmen sollen innerhalb einer Woche umgesetzt werden, um die betroffenen Landwirte und Produzenten zu entlasten.

Gemeinsam gegen Grenzkriminalität

Auch die Sicherheitszusammenarbeit soll weiter ausgebaut werden. Beide Regierungen bekräftigten ihre Unterstützung für den Friedensprozess in den südlichen Grenzprovinzen Thailands und vereinbarten eine engere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität, des Drogenschmuggels, des Menschenhandels und weiterer Delikte im Grenzgebiet. Darüber hinaus soll eine gemeinsame Arbeitsgruppe den Bereich entlang des Kolok-Flusses koordinieren und ein grenzüberschreitendes Hochwasser-Frühwarnsystem entwickeln.

Neben den großen Infrastrukturvorhaben wollen Thailand und Malaysia gemeinsam Investitionen fördern, kleine und mittlere Unternehmen unterstützen, neue Arbeitsplätze schaffen, die Qualifikation von Arbeitskräften verbessern und den Tourismus stärken. Davon sollen insbesondere die Bewohner der Grenzregionen profitieren, deren Einkommen vielfach vom Handel, vom Transportwesen und vom Tourismus abhängt.

Dialog für Lösung der Myanmar-Krise

Auch regionale Themen standen auf der Tagesordnung. Malaysias Premierminister Anwar Ibrahim würdigte die Rolle Thailands bei den Bemühungen um eine Lösung der Krise in Myanmar. Beide Regierungen sprachen sich dafür aus, den Konflikt durch einen konstruktiven Dialog aller Beteiligten sowie humanitäre Hilfe zu entschärfen.

Mit Blick auf das Jahr 2027, in dem Thailand und Malaysia das 70-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen feiern, forderte Anutin die zuständigen Behörden auf, die vereinbarten Projekte zügig umzusetzen. Zugleich lud er Anwar Ibrahim zu einem offiziellen Besuch nach Thailand ein, um die bilaterale Zusammenarbeit weiter zu vertiefen.

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