BANGKOK: Die thailändischen Behörden haben ein mutmaßliches Netzwerk zur Erschleichung der thailändischen Staatsangehörigkeit für Kinder chinesischer Staatsangehöriger zerschlagen. Nach Angaben der Polizei wurden bislang 16 Personen festgenommen, darunter Bezirksbeamte und Mitarbeiter eines privaten Krankenhauses in Bangkok. Insgesamt wurden 42 Verdächtige identifiziert, gegen 21 liegen Haftbefehle vor.
Nach den Ermittlungen sollen thailändische Männer gegen Bezahlung als angebliche Väter in Geburtsurkunden eingetragen worden sein. Dadurch erhielten Kinder chinesischer Eltern unrechtmäßig die thailändische Staatsangehörigkeit. Die Ermittlungen gehen auf einen Geldwäschefall aus dem Jahr 2024 zurück, bei dem die Behörden Verbindungen zu einem chinesischen Betrugsnetzwerk im Wert von mehr als 70 Milliarden Baht entdeckten.
DNA-Tests entlarven falsche Väter
Nach Angaben der Ermittler vermittelte eine Mitarbeiterin eines bekannten Privatkrankenhauses Geburts- und Dokumentationspakete für chinesische Kundinnen, während ein Standesbeamter die unrechtmäßigen Registrierungen ermöglicht haben soll. Zwischen 2023 und 2024 wurden 164 Geburtsregistrierungen mit chinesischen Müttern und thailändischen Vätern überprüft. DNA-Tests bestätigten bislang in 19 Fällen, dass keine biologische Verwandtschaft zu den eingetragenen Vätern bestand. Die entsprechenden Geburtsregistrierungen wurden annulliert.

Die Krankenhausmitarbeiterin soll rund 70.000 Baht für Entbindungspakete sowie weitere 20.000 Baht für die Beschaffung der Dokumente verlangt haben. Die als Scheinväter eingesetzten Thailänder erhielten den Ermittlungen zufolge zwischen 2.000 und 15.000 Baht für die Anerkennung der Vaterschaft oder fingierte Eheschließungen.
Scheinvater im China-Railway-Umfeld
Einer der beschuldigten Scheinväter ist nach Angaben der Behörden Anteilseigner von China Railway No.10 (Thailand) und steht zudem im Verdacht, als thailändischer Strohmann für das Unternehmen tätig gewesen zu sein. Das Unternehmen gehörte zu den Auftragnehmern des im März 2025 eingestürzten Gebäudes des staatlichen Rechnungshofs in Bangkok.

Die Anti-Geldwäschebehörde untersucht inzwischen Vermögenswerte und Geldflüsse der Verdächtigen. Gleichzeitig verschärfte die Provinzverwaltung die Vorschriften für Geburtsregistrierungen bei binationalen Eltern. Künftig müssen beide Eltern persönlich erscheinen, getrennt befragt sowie Geburtsnachweise und in Verdachtsfällen DNA-Tests überprüft werden. Die Ermittlungen dauern an. Mehrere weitere Privatkrankenhäuser in Bangkok stehen inzwischen ebenfalls im Visier der Behörden.