BANGKOK: Nach dem verheerenden Brand in einem Restaurant mit Live-Musik im Bangkoker Stadtbezirk Chatuchak will die Stadtverwaltung (BMA) die Brandschutzvorschriften für dekorative Baumaterialien verschärfen und zugleich eine Überarbeitung der veralteten Regelungen für Vergnügungsstätten prüfen. Dies kündigte Bangkoks Gouverneur Chadchart Sittipunt am Montag (13. Juli 2026) an.
Identifizierung der Opfer läuft weiter
Im Mittelpunkt stehe derzeit die Identifizierung der Todesopfer, erklärte Chadchart in der Fernsehsendung „Rueng Lao Chao Nee“. Die Stadtverwaltung richtete eine Kontaktstelle für Angehörige ein, die Verwandte oder Bekannte nicht erreichen können. Betroffene können sich an den stellvertretenden Leiter des Bezirksamts Chatuchak unter der Telefonnummer 081-734.1298 wenden. Bis Montagvormittag hatten sich bereits rund 30 Personen gemeldet.
Zusätzlich wurde in der Nähe des Ausgangs 4 der MRT-Station Phahon Yothin ein Koordinierungszentrum eingerichtet. Dort werden Vermisstenmeldungen entgegengenommen, Informationen über Betroffene gesammelt und Angehörige über den Stand der Identifizierung informiert. Wer einen Angehörigen oder Bekannten vermisst, soll sich an das Zentrum oder das Institut für Rechtsmedizin wenden.
Decke beschleunigte Brandausbreitung
Nach Angaben des Gouverneurs starben die meisten Opfer an einer Rauchvergiftung. Die Feuerwehr sei innerhalb von fünf Minuten nach Eingang des Notrufs am Brandort eingetroffen, da sich eine Feuerwache in unmittelbarer Nähe befinde. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte habe sich das Feuer jedoch bereits großflächig ausgebreitet. Die Flammen hätten sich rasch über die Decke ausgebreitet, während brennbare Dekorationsmaterialien die Brandentwicklung beschleunigt und dichten Rauch verursacht hätten.

Nach ersten Erkenntnissen brach das Feuer im Bereich der Bühne aus. Von dort breiteten sich die Flammen schnell entlang der Decke aus und erfassten den vorderen Bereich des Gebäudes, in dem sich der Hauptein- und -ausgang befand. Dadurch konnten viele Gäste den regulären Ausgang nicht mehr erreichen und versuchten, über Notausgänge zu fliehen.
Toiletten wurden zur tödlichen Falle
Während einer der Notausgänge ins Freie führte, endete ein weiterer im Sanitärbereich. Nach Angaben der Behörden liefen einige Menschen irrtümlich in die Toiletten, verloren dort das Bewusstsein und versperrten den Fluchtweg für nachfolgende Personen. Weitere bewusstlose Opfer wurden in der Nähe des ins Freie führenden Notausgangs gefunden.
Das Bezirksamt Chatuchak hatte das Gebäude im April 2026 im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen überprüft. Dabei wurden zwei Notausgänge, Fluchtwegschilder, Notbeleuchtung und Feuerlöscher festgestellt.
Fluchtwege könnten blockiert gewesen sein
Chadchart wies jedoch darauf hin, dass die tatsächlichen Verhältnisse während des Betriebs von den Bedingungen bei der Inspektion abgewichen sein könnten. So könnten Tische oder andere Gegenstände Fluchtwege blockiert und eine Evakuierung erschwert haben. Dies werde nun untersucht.

Nach Angaben des Gouverneurs war der Betrieb als Restaurant mit Live-Musik und nicht als Vergnügungsstätte genehmigt. Daher durfte das Lokal bis Mitternacht geöffnet bleiben. Das Feuer brach kurz vor der regulären Schließzeit aus.
Brandschutz soll verschärft werden
Ein Schwerpunkt der weiteren Ermittlungen gilt den an der Decke und im Innenraum verwendeten Dekorationsmaterialien, die zur schnellen Ausbreitung des Feuers beigetragen haben könnten. Die Stadtverwaltung will deshalb gemeinsam mit dem Department of Public Works and Town and Country Planning die geltenden Vorschriften überprüfen. Während für große Vergnügungsstätten bereits schwer entflammbare und raucharme Materialien vorgeschrieben sind, gelten diese Anforderungen für Restaurants mit Live-Musik bislang möglicherweise nicht. Künftig könnten die Vorschriften auf weitere Betriebsarten ausgeweitet werden.
Darüber hinaus kündigte Chadchart eine Überprüfung der Regelungen für Vergnügungsstätten an. Die bestehenden Zonen beschränkten sich im Wesentlichen auf die Bereiche RCA und Silom und entsprächen nicht mehr den heutigen Gegebenheiten. Sowohl die Zoneneinteilung als auch die gesetzlichen Definitionen von Vergnügungsstätten und vergleichbaren Betrieben müssten an die tatsächliche Nutzung angepasst werden.
Behörden prüfen weitere 14 Lokale
Im Bezirk Chatuchak wurden inzwischen 14 weitere Betriebe identifiziert, die nach einem ähnlichen Konzept als Restaurant mit Unterhaltungsangebot betrieben werden. Die Behörden prüfen nun verschärfte Kontrollen und strengere Sicherheitsauflagen für diese Einrichtungen.
Das Gebiet rund um den Brandort wurde inzwischen geräumt. Die umliegenden Straßen konnten nach Angaben der Stadtverwaltung gegen 05.30 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben werden. Parallel will die BMA die Betreuung der Angehörigen intensivieren und die Brandschutzmaßnahmen für vergleichbare Betriebe umfassend überprüfen.