«La Vanguardia»: Die Schwäche der Großmächte
BARCELONA: Die spanische Zeitung «La Vanguardia» kommentiert die von technischen Neuerungen wie Drohnen ausgelösten militärischen Rückschläge von Großmächten im Kampf mit kleineren Ländern:
«Russlands Krieg gegen die Ukraine (...) basiert auf Lügen, unter anderem auf der, (...) dass die russische Armee die Ukraine binnen weniger Tage würde einnehmen können. (...) Es gibt für die Russen eine Lektion, die auch die anderen beiden Weltmächte, die USA und China, beschäftigt. Der griechische Historiker Thukydides (...) sagte bekanntlich: «Die Starken tun, was sie können, und die Schwachen erleiden, was sie müssen.» Doch das hat sich geändert. In der modernen Kriegsführung sind weder die Starken so stark noch die Schwachen so schwach. (...)
Die USA hätten diese Schlussfolgerung schon nach ihren gescheiterten Abenteuern in Vietnam, im Irak und in Afghanistan ziehen müssen. Der Iran, ein Land, das jährlich hundertmal weniger für Verteidigung ausgibt als die USA, erinnert sie heute daran. (...) China wiederum ist gezwungen, die Idee einer gewaltsamen Eroberung Taiwans zu überdenken.
Willkommen im Zeitalter der asymmetrischen Kriegsführung. Ist das gut? Das hängt unter anderem von der Antwort auf eine andere Frage ab: Werden die einst mächtigen Großmächte auf Atomwaffen zurückgreifen, um ihre Überlegenheit in konventionellen Kriegen wiederzuerlangen? Wir werden sehen.»
«The Telegraph»: Großbritannien muss Militärausgaben erhöhen
LONDON: Die Londoner Zeitung «The Telegraph» plädiert am Sonntag für eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben Großbritanniens:
«Trotz wiederholter Warnungen, dass Russland in etwa fünf Jahren eine direkte Bedrohung für die Nato darstellen könnte, erhöhen wir unsere Militärausgaben kaum. Zudem fallen wir in der Nato-Rangliste hinsichtlich des Anteils der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt immer weiter zurück. Dass der neue Verteidigungsminister Dan Jarvis erklärt hat, er werde sich dafür einsetzen, den Streitkräften die benötigten Mittel zu sichern, ist zu begrüßen.
Premierminister Sir Keir Starmer hat Anfang dieses Monats seine «unerschütterliche Unterstützung für die Ukraine» betont. Doch wie gedenkt er, dies über bloße Worte hinaus unter Beweis zu stellen? Unsere Streitkräfte befinden sich in einem erbärmlichen Zustand, untergraben durch jahrelange Vernachlässigung. Die Ukraine hingegen hat die nächste Generation der Kampftechnologie entwickelt, von Drohnen bis hin zur Robotik. Wenn wir uns nicht zu höheren Militärausgaben entschließen, laufen wir Gefahr, uns nicht mehr verteidigen zu können - geschweige denn, zur Verteidigung der Ukraine beitragen zu können. Taten statt Worte sind längst überfällig.»
«NZZ am Sonntag»: Unfähig zur Zusammenarbeit bei der Rüstung
ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung am Sonntag» kommentiert das Scheitern des Rüstungsprojekts FCAS für einen deutsch-französischen Kampfjet:
«Frankreich und Deutschland werden keinen gemeinsamen Kampfjet bauen. Ein halbes Jahr lang haben Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz diese Entscheidung vor sich hergeschoben, bis sie diese Woche in Berlin und Paris verschämt verkündet wurde. Nicht einmal zu einer gemeinsamen Erklärung hat es gereicht.
Für das deutsch-französische Verhältnis wie für Europa überhaupt ist das Scheitern des Future Combat Air System ein Desaster. Mitten im größten Krieg in Europa seit 1945, von Russland bedroht und von der US-Regierung verachtet, erweist sich das einstige Tandem der EU als unfähig zur Zusammenarbeit bei der Rüstung.
Die Verantwortung tragen die Unternehmen beider Länder - Dassault in Frankreich in erster Linie, aber auch Airbus Defence in Deutschland. Die französischen Manager wollten die unbestrittene Führerschaft beim Projekt, die Deutschen widersetzten sich. Mag sein, es wäre anders gelaufen, gäbe es einen deutschen Kanzler oder einen französischen Präsidenten mit mehr Autorität. Gibt es aber nicht.»