«Rzeczpospolita»: Als die USA entstanden, verschwand Polen
WARSCHAU: Zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der USA schreibt die polnische Tageszeitung «Rzeczpospolita» am Samstag:
«Die Geschichte der Vereinigten Staaten und Polens ist auf ungewöhnliche Weise verflochten. (...) Erinnerungen an Persönlichkeiten wie Kazimierz Pulaski, Tadeusz Kosciuszko, Ignacy Jan Paderewski, Helena Modrzejewska und Lech Walesa sind diesseits und jenseits des Atlantiks nach wie vor lebendig. Heute ist (Präsident) Karol Nawrocki der neue Favorit von Donald Trump und fügt diesem historischen Geflecht ein weiteres Kapitel hinzu. (...)
Als die Vereinigten Staaten entstanden, als vor 250 Jahren die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde, begann für Polen der Prozess, dass es von den zeitgenössischen Landkarten verschwand und in die Geschichtsbücher einging. Während die Vereinigten Staaten ins Dasein traten, starb die Erste Polnische Republik. Die Unabhängigkeitserklärung wurde vier Jahre nach der Ersten Teilung Polens unterzeichnet.
Unser großer Stolz - die Verfassung vom 3. Mai 1791, die nur vier Jahre nach der amerikanischen verabschiedet wurde - ging der Zweiten Teilung um zwei und der Dritten um vier Jahre voraus. Die Verfassung der USA schuf eine mächtige Nation; die polnische nützte uns so wenig wie Weihrauch den Toten. In dem Vierteljahrtausend seit der Gründung der Vereinigten Staaten hat Polen seine Souveränität lediglich 21 Jahre lang in der Zwischenkriegszeit genossen sowie in den vergangenen 37 Jahren.»
«NZZ»: Die Vereinigten Staaten sind eine Erfolgsgeschichte
ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung» kommentiert am Samstag den 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika:
«Zum 250. Geburtstag ihres Landes ist vielen Amerikanern nicht zum Feiern zumute. Die Umfragewerte des Präsidenten sind tief, die Benzinpreise hoch. In weiten Teilen der Welt ist der Ruf ramponiert. (...) Doch die USA haben in ihrer Geschichte schon viele Härtetests durchlaufen.
Im Bürgerkrieg brach das Land beinahe auseinander, bevor Präsident Abraham Lincoln in seiner berühmten Rede in Gettysburg die Geburt einer neuen Freiheit und das Überleben einer Regierung «aus dem Volk, durch das Volk und für das Volk» verkündete.
Viele Jahrzehnte später haben sich die USA im Kollaps der Weltwirtschaft während der Großen Depression nicht dem Faschismus verschrieben, sondern sich im New Deal neu erfunden. Im Kalten Krieg war Amerika unter Ronald Reagan als «shining city upon a hill» der Leuchtturm für Freiheit und Demokratie im Kampf gegen den Kommunismus.(...)
Noch jedes Mal haben sich die USA behauptet. Bei allen Unkenrufen ist auch heute evident, was schon die Briten 1776 auf die harte Tour lernen mussten: Es ist unmöglich, die Amerikaner zu ignorieren. Ganz zu schweigen davon, sie zu unterschätzen. Ob es einem trägen Europäer gefällt oder nicht: Selbst ein Vierteljahrtausend nach ihrer Gründung gehen die wesentlichen Impulse in der Politik, aber auch in der Wissenschaft und der Kultur von den USA aus. Die Vereinigten Staaten sind und bleiben eine Erfolgsgeschichte.»
«El Mundo»: Ein 4. Juli des Widerstands in den USA
MADRID: Die spanische Zeitung «El Mundo» kommentiert den Zustand der Vereinigten Staaten von Amerika zum 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit:
«Die USA Staaten feiern ihren Nationalfeiertag mit einer stark polarisierten Gesellschaft, deren Institutionen einem beispiellosen Druck ausgesetzt sind. Mit der Unabhängigkeitserklärung von 1776 entstand eine Republik, die auf Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit und Misstrauen gegenüber absoluter Macht beruhte. Heute, 250 Jahre später, steht das Land, das der Welt das erstrebenswerte Modell der liberalen Demokratie vorgelebt hat, an diesem 4. Juli vor der Notwendigkeit, die Säulen des Systems gegen einen Präsidenten zu verteidigen, der entschlossen ist, sie zu untergraben.
Die Gründerväter entwarfen ein System der gegenseitigen Kontrolle, gerade um zu verhindern, dass ein einzelner Mann - so beliebt er auch sein mochte - die Macht an sich reißen könnte, die zuvor den Monarchen zustand. Dieses System wird gerade auf die Probe gestellt. (...)
In einer Zeit höchster politischer Konfrontation liegt die größte Stärke des Landes in der Fähigkeit seines Systems, zu verhindern, dass sich irgendein Politiker über die Regeln stellt, die vor zweieinhalb Jahrhunderten die Nation ins Leben gerufen haben. Die jüngste Geschichte der USA, von Watergate bis heute, zeigt, dass die Kontrollinstanzen, auch wenn sie manchmal langsam reagieren, letztendlich doch eingreifen. Und das ist - trotz der politischen, sozialen und ethnischen Spaltungen, die der Trumpismus noch verstärkt hat - eine gute Nachricht für die US-amerikanische Demokratie.»
«The Times»: Viele Amerikaner sind von Zweifeln erfüllt
LONDON: Zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA heißt es am Samstag in der britischen Zeitung «The Times»:
«In den Vorstellungen aller Amerikaner ist von Kindheit an die Geschichte verankert, wie sich ihr Land von einer rebellischen Gruppe verachteter Kolonial-Hinterwäldler, die sich der damaligen imperialen Supermacht der Welt widersetzten, zu einer führenden Nation entwickelte, die ihre Spaltungen und den Makel der Sklaverei überwand und an die Spitze eines globalen Systems gelangte, für das sie durch ihre Rolle in den Weltkriegen und durch ihr eigenes Beispiel den Weg bereitet hatte - als vorbildhaftes Modell von Freiheit und Wohlstand für die Welt.
Doch die Stimmung der Amerikaner bei den Feiern zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung ist weniger von Selbstgefälligkeit geprägt als je zuvor. Die Feierlichkeiten sind verhalten, das Land ist in altbekannte Spaltungen verstrickt, und mindestens die Hälfte der Bevölkerung ist von Zweifeln an der Zukunft ihres Landes als Großmacht, als tugendhafte Nation und sogar als dauerhafte Demokratie erfüllt. (...)
Die Pläne für eine weitgehend unpolitische, parteiübergreifende «America 250»-Veranstaltung wurden von Trump zugunsten einer deutlicheren Bekräftigung der «Make America Great Again»-Vision verworfen. Nachdem zahlreiche Künstler ihre Teilnahme an einem Konzert samt Feuerwerk abgesagt hatten, rückte eine Art Wahlkampfrede des Präsidenten in den Mittelpunkt der Veranstaltung. Das Ganze sieht eher wie eine Trump-Kundgebung als wie ein nationales Fest aus.»
«de Volkskrant»: Die USA sind stark polarisiert
AMSTERDAM: Zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika heißt es am Samstag in der niederländischen Zeitung «de Volkskrant»:
«Seit die Vereinigten Staaten 1776 ihre Unabhängigkeit erklärten, hat das Land einen Bürgerkrieg, vier ermordete Präsidenten, die Hölle der Sklaverei, ein Jahrhundert ethnischer Segregation und unzählige Konflikte in Übersee überstanden. Die Amerikaner wurden zum reichsten Volk der Welt und prägten die westliche Weltordnung. Doch ihr 250-jähriges Jubiläum begehen sie in einer Zeit, die von einer starken Polarisierung geprägt ist.
Seit dem amerikanischen Bürgerkrieg, der vor 161 Jahren endete, seien die USA noch nie so gespalten gewesen wie heute, so das Fazit von Forschern der Syracuse University. Nur ein Drittel der Amerikaner bezeichnet sich noch als «gemäßigt», der Rest nennt sich entweder überwiegend konservativ oder progressiv.
US-Präsident Donald Trump wiederum ist der am stärksten polarisierende Präsident der modernen Geschichte. Keiner seiner Vorgänger sei von den Republikanern derart unerschütterlich unterstützt und zugleich von den Demokraten derart stark abgelehnt worden wie er, stellte das Meinungsforschungsinstitut Gallup fest.
Derweil zieht Trump immer mehr Macht an sich. Erst letzte Woche hat ihm der Oberste Gerichtshof die Befugnis erteilt, Leiter von eigentlich unabhängigen Aufsichtsbehörden zu entlassen und die amerikanische Asylpolitik eigenmächtig zu demontieren. Die amerikanische Präsidentschaft ist autoritärer denn je.»