«LRT»: Deutsche verschnupft über Krankmeldung-Debatte
VILNIUS: Zu den Diskussionen über die schwarz-roten Pläne für erschwerte Krankmeldungen im Job schreibt die Deutschland-Korrespondentin des litauischen Rundfunks LRT:
«Hausärzte sind empört, dass dadurch sie von Scharen verschnupfter Patienten überrannt werden, denen ein warmes Bett und Medikamente im Grunde genügen, um schnell wieder gesund zu werden. Gleichzeitig werden die Wartezimmer durch die Krankmeldungen überfüllt, was die Behandlung von Patienten erschwert, die wirklich dringend einen Arzttermin und ärztliche Beratung benötigen. Die Medien berichten bereits über das «Krankmeldungs-Fiasko», das die gesamte Reform überschattet.
In den sozialen Netzwerken brodelt es. Die Menschen sind verärgert, dass diese Regierung ihre Annehmlichkeiten einschränken will, weil sie sie der Simulierung verdächtigt. Dies ist wohl die Falle, in die Bundeskanzler Merz immer wieder tappt, indem er allzu oft unsensibel und ungeschickt kommuniziert und dadurch den Menschen das Gefühl vermittelt, nutzlos und faul zu sein. (...)
Es ist bedauerlich, dass sich Deutschland in eine solche Kontroverse verstrickt hat, die die dringend notwendigen Reformen überschattet und in den Hintergrund drängt. Ärzte und Arbeiter werden sicherlich nicht vom Untergang bedroht sein, aber den regierenden Politikern könnte dies schaden. Und einmal mehr werden wieder die politischen Radikalen davon profitieren.»
«Politiken»: Europa braucht eine neue Vision
KOPENHAGEN: Die liberale dänische Tageszeitung «Politiken» kommentiert am Freitag den Nato-Gipfel in Ankara:
«Der Gipfel in Ankara war ein weiterer Beweis dafür, dass Dänemark und Europa ihre Sicherheit nicht länger allein auf die USA und die Nato stützen können. Das Bündnis - sofern es die Begegnung mit dem etwas verrückten Donald Trump überhaupt übersteht - muss durch andere Allianzen ergänzt werden.
Dänemark sollte sich unter anderem mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die nordisch-baltische Zusammenarbeit NB8 möglichst schnell Teil der Lösung wird. Dasselbe gilt für die proukrainische «Koalition der Willigen», zu der auch Großbritannien gehört. Wir müssen uns aus der Abhängigkeit von den USA lösen, die Zusammenarbeit aber als gleichberechtigtere Partner fortsetzen.
Die Kriege im Iran und in der Ukraine haben unmissverständlich gezeigt, dass selbst Großmächte militärisch gegen Staaten mittlerer Größe an ihre Grenzen stoßen können. Diese Erkenntnis muss sich auch in politischem Einfluss widerspiegeln. Europa braucht eine neue Vision.»
«La Stampa»: Sorge um Energiepreise
TURIN: Die italienische Zeitung «La Stampa» sorgt sich am Freitag wegen des Konflikts zwischen den USA und dem Iran, insbesondere in der Straße von Hormus, um die Energiepreise:
«Der Preis für Benzin oder Diesel pro Barrel leidet weiterhin unter den durch den Konflikt verursachten Engpässen. Das bedeutet jedoch, dass sich die Welt eine weitere, langanhaltende Sperrung der wichtigsten globalen Energieader nicht leisten kann. Und hier kommt die zweite Variable ins Spiel: die strategischen Reserven.
Die Vereinigten Staaten und der gesamte Westen verfügen nicht über unendliche Reserven, und wenn sich die Straße von Hormus wieder schließt, wird der Puffer zur Abfederung der Folgen sehr viel geringer ausfallen. Übersetzt bedeutet das: Diesmal könnten die Preise unkontrolliert in die Höhe schnellen.»