«Pravda»: Europa fehlt die verlorene Vernunft der USA
BRATISLAVA: Die slowakische Tageszeitung «Pravda» schreibt am Dienstag über den Nato-Gipfel in Ankara:
«Im türkischen Ankara beginnt der zweitägige Nato-Gipfel - mit so viel Aufmerksamkeit wie wohl nie zuvor. Wichtig wird, worüber die Führer hinter verschlossenen Türen sprechen, welche Strategien sie für die Zukunft vorbereiten. Vielleicht einigen sie sich auch auf gar nichts und stattdessen hält (US-Präsident) Donald Trump nur allen eine Standpauke. Umso schlimmer wäre das für alle, vor allem für Europa. (...)
Momentan interessiert ihn mehr der Konflikt mit dem Iran als die Ukraine. Auch dafür gibt es nämlich keine einfachen Lösungen, wie sie ihm (Israels Premier) Benjamin Netanjahu mit «süßen Reden» vorgegaukelt hatte. Stattdessen muss er nun froh sein, wenn zumindest wieder ein ähnlicher Zustand kommt, wie er vor dem Beginn des Bombardierens bestand. (...)
Der Krieg in der Ukraine eskaliert und Europa, insbesondere Wortführer Deutschland mit seinem historisch unpopulärsten Kanzler an der Spitze, bietet keine Auswege an. Ganz im Gegenteil, es erstickt sogleich schon jedes Anzeichen eines Bemühens um Dialog. Dabei kann es ohne Dialog keinen Frieden geben. Der Krieg wird nicht dadurch enden, dass man ihn immer weiter intensiviert oder auf eine Kapitulation Russlands hofft. Das muss wohl allen bewusst sein. (...)
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben die Vereinigten Staaten den Alten Kontinent vor blutigen Verrücktheiten bewahrt. Nicht nur mit Waffen, sondern auch mit einer Dosis Vernunft. Die ist jetzt verloren gegangen. Der toxisch selbstverliebte Trump lässt Europa im Stich. Das verheißt nichts Gutes.»
«Sydney Morning Herald»: Die Welt bohrt sich selbst zu Tode
SYDNEY: Zur zunehmenden Erderwärmung und den weltweiten Hitzewellen schreibt die australische Zeitung «Sydney Morning Herald» am Dienstag:
«Donald Trump ist der erste US-Präsident, der den Slogan «Drill, baby, drill» zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Und seine Parade zum Unabhängigkeitstag in Washington musste am Wochenende als erste in der 250-jährigen Geschichte der Vereinigten Staaten wegen extremer Hitze abgesagt werden.
Am selben Tag ließ der Iran (...) 6.000 Sprinkleranlagen aufstellen, um die Menschen bei der Trauerprozession für Ajatollah Ali Chamenei zu kühlen. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft werden erstmals in jedem Spiel verpflichtende Trinkpausen eingelegt, um die Spieler vor extremer Hitze zu schützen. Und in Paris wurden Gesundheitsvorschriften gelockert, damit Menschen in der Seine baden können, während französische Geschäfte von einem Ansturm auf Kreide berichten, weil viele ihre Fensterscheiben weiß anstreichen, um das Sonnenlicht zu reflektieren. (...)
Die Jahre 2023 bis 2025 waren die drei heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Welt gelingt es nicht, den CO2-Ausstoß wirksam zu begrenzen. Während gemeinsame Lösungen ausbleiben, versuchen diejenigen, die es sich leisten können, sich mit privaten Schutzmaßnahmen zu behelfen. (...) «Drill, baby, drill»? Ohne deutlich mehr politischen Willen auf globaler Ebene bohren wir uns womöglich selbst zu Tode.»