Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Foto: Pixabay/Naryogomes
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Deutsche-Welle-Reporter wieder frei

ANKARA: Am ersten Verhandlungstag im Prozess gegen den Deutsche-Welle-Reporter ordnet das Gericht seine Entlassung aus der U-Haft an. Noch am Abend verlässt er das Gefängnis in Istanbul.

Der wegen Präsidentenbeleidigung angeklagte Deutsche-Welle-Reporter Alican Uludag ist aus der Untersuchungshaft in der Türkei freigelassen worden. Das Gericht hatte wenige Stunden zuvor seine Entlassung aus dem Gefängniskomplex Silivri in Istanbul angeordnet. «Wir werden den Kampf fortsetzen, bis alle inhaftierten Journalisten in der Türkei freigelassen sind.», sagte Uludag am Abend gegenüber Journalisten. «Erst wenn alle inhaftierten Journalisten freigelassen sind, werden wir uns freuen. Wir haben keinen Journalismus betrieben, für den wir uns schämen müssten.»

Der Prozess gegen Uludag hatte am Nachmittag in der türkischen Hauptstadt Ankara begonnen. Der nächste Verhandlungstag ist nach Angaben seines Anwalts für den 18. September geplant.

Uludag war im Februar verhaftet worden. Laut der Anklageschrift werden ihm Präsidentenbeleidigung, Verbreitung irreführender Informationen und die Herabwürdigung der Türkei in wiederholten Fällen vorgeworfen. Hintergrund sind unter anderem Äußerungen des Journalisten auf der Plattform X. Uludag, der per Videoübertragung an der Verhandlung teilnahm, weist die Vorwürfe zurück.


Abgesetzter türkischer CHP-Chef: Werde mich nicht ergeben

ANKARA: Nach dem Gerichtsentscheid gegen seinen Parteivorsitz kündigt Özgür Özel Widerstand an. Er erhält dabei Unterstützung von Parteikollegen.

Der abgesetzte Parteichef Özgür Özel der größten türkischen Oppositionspartei CHP hat auf die Entscheidung des Gerichts in Ankara reagiert. In einem X-Post schrieb er: «Ich verspreche euch nicht, dass der Weg zur Macht durch einen Rosengarten führt.» Seinen Unterstützern verspreche er, dass er den Schmerz ertragen, sich jedoch nicht ergeben werde. «Ich verspreche euch Ehre, Würde, Mut und Kampfgeist!» schrieb er.

Der CHP-Vorsitzende der Provinz Istanbul, Özgür Celik, wertete diese Gerichtsentscheidung als politisch motiviert. An die Regierung gerichtet schrieb er auf X: «Sie wollen die Republik zerstören, die Demokratie außer Kraft setzen und dem Volk die Wahl entziehen.» Das türkische Volk werde das nicht zulassen. «Die Türkei wird sich dieser Tyrannei nicht beugen», schrieb er auf X.

Ein Gericht in der türkischen Hauptstadt Ankara hat die Absetzung des Vorsitzenden der größten Oppositionspartei CHP angeordnet. Özel und die Parteiführung werden damit ihrer Ämter enthoben, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.


Sudetendeutsche feiern Pfingsttreffen erstmals in Tschechien

BRÜNN: Mit Tanz und Musik soll das Sudetendeutsche Treffen in Brünn beginnen. Doch es wird auch mit Protesten gerechnet. Minister der tschechischen Regierung bleiben der Veranstaltung fern.

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft kommt erstmals in Tschechien zu ihrem traditionellen Pfingsttreffen zusammen. Die viertägige Veranstaltung in Brünn (Brno) beginnt am Freitagnachmittag mit Tanz, Musik und einem langen Tisch der Begegnung in einem Stadtpark. Zur Hauptkundgebung auf dem Messegelände am Sonntag wird unter anderem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erwartet. Sprecher der Sudetendeutschen ist der CSU-Politiker Bernd Posselt.

Das Motto des sogenannten Sudetendeutschen Tags lautet «Alles ist Begegnung». Eingeladen wurden die Vertriebenen von dem Dialogfestival «Meeting Brno». Dies gilt als ein historisches Zeichen der Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen. Doch es wird auch mit rechten Protesten gerechnet. Die Minister der tschechischen Regierung des Milliardärs Andrej Babis wollen dem Treffen fernbleiben.

Rund drei Millionen Sudetendeutsche wurden nach dem Zweiten Weltkrieg und den Schrecken der Nazi-Besatzung aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben. Die meisten fanden in Deutschland eine neue Heimat, nur ein kleiner Teil ging nach Österreich. Bayern übernahm 1954 offiziell die Schirmherrschaft über die Volksgruppe.


EU und Mexiko unterzeichnen modernisiertes Globalabkommen

MEXIKO-STADT: Die EU und das bevölkerungsreichste spanischsprachige Land vertiefen ihre Zusammenarbeit: Ein neues Abkommen soll Zölle senken und gemeinsame Ziele bei Handel, Klima und Menschenrechten stärken.

Zehn Jahre nach Beginn der Neuverhandlungen unterzeichnen die Europäische Union und Mexiko an diesem Freitag die modernisierte Version ihres Handels- und Kooperationsabkommens aus dem Jahr 2000. Dadurch sollen weitere Zölle und Handelshemmnisse abgebaut und der Rahmen für die Zusammenarbeit aktualisiert werden.

Für das bevölkerungsreichste spanischsprachige Land mit 130 Millionen Einwohnern ist die EU nach den USA der weltweit größte Exportmarkt. Das jährliche bilaterale Handelsvolumen beträgt rund 86 Milliarden Euro. Etwa 80 Prozent der mexikanischen Exporte gehen in die USA, deren Wirtschaft sich unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump durch die Einführung neuer Zölle abgeschottet hat.

Zur Unterzeichnung des neuen Globalabkommens reisen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa nach Mexiko-Stadt. Dort wollen sie zudem bei einem bilateralen Gipfel mit Präsidentin Claudia Sheinbaum über die Vertiefung der Zusammenarbeit sprechen. Neben Handel umfasst das globale Abkommen auch Fragen wie Klimawandel, Menschenrechte und internationale Zusammenarbeit.


Bergung gescheitert: Toter Buckelwal bleibt vorerst liegen

ANHOLT: Dänische Behörden wollten den Kadaver des als «Timmy» bekannten Buckelwals von der Insel Anholt aufs Festland bugsieren. Doch ein erster Versuch ging schief. Wie es mit dem Tier nun weitergehen soll.

Nach erfolglosen Transportversuchen bleibt der Kadaver des als «Timmy» bekannten Buckelwals voraussichtlich über Pfingsten vor der dänischen Urlaubsinsel Anholt liegen. Die dänischen Behörden hatten zunächst probiert, den Wal in tieferes Gewässer zu ziehen, um ihn anschließend in einen Hafen auf dem Festland zu bringen. «Es ist nicht gelungen, den geplanten Transport durchzuführen», teilte Jane Hansen von der dänischen Umweltbehörde mit. Stattdessen stecke der Wal nun auf einer Sandbank fest.

Die Aktion sei deshalb vorübergehend unterbrochen worden, «während die Einsatzkräfte alternative Möglichkeiten für den Transport des Wals prüfen», hieß es. «Das Ziel bleibt, den Wal zum Hafen von Grenaa zu transportieren, da die Einrichtungen dort die besten für die Obduktion und der Entnahme wissenschaftlicher Proben sind.» Ein neuer Versuch werde aber voraussichtlich erst nach Pfingsten möglich sein.

Am frühen Abend lag der stark aufgeblähte Walkadaver umringt von Möwen vor Anholt, wie auf Bildern des Livestream-Anbieters News5 zu sehen war. Bliebe er dort liegen, könnte er laut Umweltbehörde Anwohner und Touristen stark belästigen. Dänemark steht zudem ein sonniges Wochenende bevor. Dadurch könnte die Gefahr steigen, dass der Kadaver explodiert.


Gericht ordnet Freilassung von DW-Reporter in der Türkei an

ANKARA: Am ersten Verhandlungstag im Prozess wegen Präsidentenbeleidigung gegen den Deutsche-Welle-Reporter ordnet das Gericht seine Entlassung aus der U-Haft an. Der Prozess ist aber noch nicht vorbei.

Drei Monate nach seiner Verhaftung hat ein Gericht in Ankara die Freilassung des Deutsche-Welle-Reporters Alican Uludag angeordnet. Das bestätigte sein Anwalt Abbas Yalcin der Deutschen Presse-Agentur. Uludag werde voraussichtlich am Abend aus dem Gefängniskomplex Silivri in Istanbul entlassen. Der nächste Verhandlungstag ist nach Angaben des Anwalts für den 18. September geplant.

Der Prozess gegen Uludag hatte am Nachmittag in der türkischen Hauptstadt Ankara begonnen. Laut der Anklageschrift werden ihm Präsidentenbeleidigung, Verbreitung irreführender Informationen und die Herabwürdigung der Türkei in wiederholten Fällen vorgeworfen. Hintergrund sind unter anderem Äußerungen des Journalisten auf der Plattform X.

Uludag, der per Videoübertragung an der Verhandlung teilnahm, weist die Vorwürfe von sich. Er war im Februar festgenommen worden.


Kunstrasenkartell? EU-Kommission macht Firmen Vorwürfe

BRÜSSEL: Die EU-Wettbewerbshüter nehmen mehrere Kunstrasen-Firmen ins Visier. Haben sie sich zu Recyclinggebühren abgesprochen?

Die Europäische Kommission verdächtigt Unternehmen in der Kunstrasenbranche, wettbewerbswidrige Absprachen auf den Märkten in Deutschland und den Niederlanden getroffen zu haben. Ein niederländisches und ein deutsches Unternehmen sollen Preiselemente für das Recycling von Anlagen gemeinsam festgelegt und vertrauliche Informationen über Preise und Produktionskapazitäten ausgetauscht haben, wie die zuständige Behörde in Brüssel mitteilte.

Über den Ausgang des Verfahrens ist mit der Mitteilung der Vorwürfe noch nicht entschieden. Die betroffenen Unternehmen haben nun das Recht, dazu Stellung zu nehmen. Bei einem Verstoß gegen EU-Kartellrecht drohen ihnen laut Mitteilung Geldbußen von bis zu zehn Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes.

Die Kommission hatte bereits im Juni 2023 unangekündigte Durchsuchungen in Betrieben der Kunstrasenbranche in mehreren EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. Die nun geäußerten Vorwürfe betreffen einen Zeitraum zwischen 2020 und 2023.

Künstliche Rasenbeläge für Sport- und Spielflächen werden typischerweise für Fußball- und Hockeyplätze eingesetzt. Die Kosten für die Entsorgung des alten Belags sind dabei ein wesentlicher Faktor. Die Idee hinter dem Recycling ist, dass alter Kunstrasen nicht als Müll endet, sondern wieder als neues Produkt genutzt werden kann.


EU-Kommissar warnt: Illegale Fischerei bedroht Mittelmeer

LIMASSOL: Die Artenvielfalt im Mittelmeer steht auf dem Spiel. EU-Kommissar Kadis fordert mehr Zusammenarbeit - doch reicht das, um die Fischerei zu retten?

Die illegale und unregulierte Fischerei zählt nach Einschätzung von EU-Fischereikommissar Costas Kadis zu den größten Bedrohungen für das Mittelmeer. Nur durch eine deutlich engere Zusammenarbeit der Mittelmeeranrainer könne die Meeresumwelt wirksam geschützt werden, sagte Kadis am Donnerstag in der zyprischen Hafenstadt Limassol. Dies berichtete der staatliche zyprische Rundfunk Cyprus Broadcasting Corporation (RIK).

Großteil der Fischbestände überfischt

Nach EU-Angaben gelten im Mittelmeer und Schwarzen Meer rund 85 Prozent der untersuchten Fischbestände als überfischt. Umweltorganisationen und Wissenschaftler warnen seit Jahren vor einem Rückgang der Artenvielfalt und zunehmendem Druck auf die Ökosysteme der Region.

Kadis äußerte sich während einer Sitzung des European Maritime Day, der als wichtigste europäische Veranstaltung für den maritimen Sektor gilt. Dort kommen politische Entscheidungsträger, Wirtschaftsvertreter und Organisationen der sogenannten Blue Economy zusammen. Ziel der jährlich von der EU-Kommission organisierten Konferenz ist es, über maritime Politik, nachhaltige Nutzung der Meere, Fischerei, Schifffahrt und den Schutz der Ozeane zu beraten. In diesem Jahr findet die Veranstaltung in Limassol auf Zypern statt.


Einwanderung nach Großbritannien geht stark zurück

LONDON: Nach dem Brexit und der Corona-Pandemie schnellte die Zahl der Einwanderer ins Vereinigte Königreich in die Höhe. Nun sinkt sie deutlich.

Die Einwanderung nach Großbritannien ist im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Das geht aus jüngsten Zahlen der Statistikbehörde ONS (Office for National Statistics) hervor.

Demnach lag der Einwanderungsüberschuss, also die Differenz zwischen Einwanderern und Auswanderern, im Jahr 2025 bei 171.000 Menschen - das sind knapp 50 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Einen so niedrigen Einwanderungsüberschuss hatte es zuletzt 2021 während der Corona-Pandemie gegeben. Nach ONS-Angaben kann die Entwicklung auf einen Rückgang der Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern zurückgeführt werden. Deren Zahl war stark angestiegen nach dem Brexit, während die Einwanderung aus EU-Staaten gleichzeitig deutlich nachließ. Das Ziel, mit dem EU-Austritt die Gesamtzahl der Einwanderer zu reduzieren, ging daher nicht auf.


Papst macht sich für internationale Organisationen stark

ROM: Bei einem Empfang für Botschafter wirbt Leo XIV. für eine engere internationale Zusammenarbeit - wieder eine Gegenposition zu Donald Trump. Und er wird auch grundsätzlich.

Papst Leo XIV. hat sich für internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen starkgemacht. Bei einem Empfang für Botschafter im Vatikan sprach das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken mit Blick auf die aktuellen Kriege und Konflikte rund um die Welt von «Räumen der Begegnung und der Vermittlung», die in dieser Zeit unverzichtbar seien. «Diese Institutionen bleiben unverzichtbare Instrumente zur Beilegung von Streitigkeiten und zur Förderung der Zusammenarbeit.»

Der US-amerikanische Papst bezog damit erneut Position gegen US-Präsident Donald Trump, unter dessen Führung die Vereinigten Staaten verschiedenen internationalen Organisationen ihre Unterstützung ganz oder teilweise entzogen haben. Trump hatte Leo XIV. zuletzt auch mehrfach persönlich kritisiert. Auf eine Einladung, zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA am 4. Juli in sein Heimatland zu kommen, ging der Papst nicht ein. Er besucht an diesem Tag die Mittelmeerinsel Lampedusa, wo viele Flüchtlinge aus Afrika ankommen.

Leo: Macht allein ist kein Kriterium

Der erste Pontifex aus den USA bekräftigte bei dem Empfang auch einige grundsätzliche Kritik. Leo sagte, ohne Länder oder Personen beim Namen zu nennen: «Keine Nation, keine Gesellschaft und keine internationale Ordnung kann sich als gerecht und menschlich bezeichnen, wenn sie ihren Erfolg allein an Macht oder Wohlstand misst und dabei diejenigen vernachlässigt, die am Rande der Gesellschaft leben.» Der 70-Jährige ist seit Mai vergangenen Jahres als Nachfolger des verstorbenen Papstes Franziskus im Amt.


«The Guardian»: Kürzung der Hilfe hat verheerende Folgen

LONDON: Der Londoner «Guardian» kommentiert am Donnerstag den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo:

«Entscheidungen von Menschen spielen eine ebenso große Rolle beim Ausbruch von Krankheiten wie die Beschaffenheit des jeweiligen Erregers. Der Osten der Demokratischen Republik Kongo leidet seit Jahren unter bewaffneten Konflikten, die im letzten Jahr wieder zugenommen haben. (.)

Das medizinische Personal in der Region verfügt über Fachwissen und Erfahrung - es braucht keine aus dem Ausland eingeflogenen Teams, sondern angemessene Ressourcen. Stattdessen haben die Kürzungen von Hilfsgeldern durch US-Präsident Donald Trump sowie Regierungschefs in Großbritannien und weiteren Ländern verheerende Auswirkungen.

Die Hilfsorganisation International Rescue Committee beklagt, dass sie aufgrund der Kürzungen seitens der USA ihre Aktivitäten zur Pandemievorsorge im Osten der Demokratischen Republik Kongo von fünf Regionen auf zwei reduzieren musste - was sich auf alle Bereiche auswirke, von der Krankheitsüberwachung bis hin zur Bereitstellung von Handwaschstationen und Latrinen. Sie macht die Kürzung der Mittel direkt dafür verantwortlich, dass das Virus nicht rechtzeitig entdeckt wurde. Die Kritik der USA an der Reaktion der WHO als «etwas verspätet» ist ziemlich heuchlerisch von einer Regierung, die aus dieser Organisation ausgetreten ist und ihr damit die größte Finanzierungsquelle entzogen hat.»

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