Wer lesen kann ist im Vorteil. Aber das Lesen bedeutet ja so viel mehr als den Erwerb von Informationen, Verständigung oder Bildung. Lesen heißt, in eine andere Welt einzutauchen und fremde Leben kennen zu lernen, die sich nur den Lesenden öffnen. Lesen ist meine wichtigste Tätigkeit, die meinen kleinen Horizont erweitert und mich zum Weltbürger gemacht hat.
Durch Leo Tolstoi, Fjodor Dostojewski und Alexander Puschkin habe ich Russland kennen gelernt, durch Voltaire, Marcel Proust und Jean-Paul Sartre Frankreich und England durch Shakespeare, Charles Dickens und Jane Austen. Wichtige Begleiter auf meiner literarischen Weltreise waren Mark Twain, Joseph Roth, Ephraim Kishon, Isabel Allende, Miguel Cervantes, Dante Alighieri und - last but not least – Thomas Mann, Hermann Hesse und Heinrich Böll. Irgendwann war ich durch. Ich hatte eine Ahnung von der Welt erfahren. Nun wollte ich sie auf eigene Faust kennen lernen. Das wurde zum Erlebnis der besonderen Art. Zuerst bereiste ich die europäischen Länder, danach die afrikanischen und zum Schluss landete ich in Südostasien. Thailand wurde zu meiner Wahlheimat.
Nachdem ich auch die Nachbarländer erforscht hatte, war für mich eindeutig, warum dieses Land mich so faszinierte: Ich spürte seine Spiritualität, fühlte mich wohl unter seinen friedlichen Bewohnern, genoss das herrliche Klima und das exotische Thai-Food. Nach all diesen Erfahrungen lag es nahe, diese Eindrücke in Texte zu verwandeln. Ich schrieb den Roman „Der verzauberte Farang“, in dem ich meine ersten Wahrnehmungen und Kenntnisse über dieses Land verarbeitete. Es folgte der Thriller „Schlangencurry“, der weite Verbreitung erfuhr. Danach erfand ich die Geschichten von „Callolo und seine(r) Herzallerliebste(n)“, in denen ich auf humorvolle Weise die kulturellen Unterschiede zwischen einer Thailänderin und einem Farang im Ehealltag beschreibe.
Nebenbei wurde ich dann auch noch Kolumnist für die deutschsprachige Zeitschrift DER FARANG, die in Pattaya herausgegeben wird. Dabei betrachte ich mich keineswegs als Literat oder Schriftsteller. Das Schreiben ist für mich ein genussvolles Hobby, ebenso wie gutes Essen, Musikhören oder ein frischer Weißwein. Kürzlich las ich die Werbung einer deutschen Bierbrauerei. Sie lautet: „Die Welt gehört dem, der sie genießt.“
Zum höchsten Genuss zählen für mich die humorvollen Sketche von Loriot, die ich selbst auf mehreren Tourneen durch die BRD spielen durfte. Sein Satz: „Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos,“ ist inzwischen sprichwörtlich geworden, sogar in Thailand, wo ich als Rentner gerne das gute Wetter genieße, wenn es in Europa kalt wird. Hier genieße ich die Zeit mit meinen Freunden, das günstige exotische Nahrungsangebot, die wohltuenden Massagen am Strand und das friedliche Leben miteinander.
Ich weiß nicht, ob mein Vorname Friedrich mich zum Pazifismus geführt hat oder ob die Gene für meine Friedensliebe verantwortlich sind. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich im chinesischen Jahr des Büffels geboren bin. Das sollen friedliche und friedliebende Menschen sein. Ich hasse Streitereien und noch mehr alle Kriege. Als Angehöriger der ersten Nachkriegsgeneration, die zum Wehrdienst eingezogen wurde, habe ich als Kriegsdienstverweigerer im Krankenhaus Patienten gepflegt, freiwillig sogar sechs Monate länger als verlangt. Gewehre nehme ich nicht einmal zum Schießen auf der Kirmes in die Hand, und Feuerwerke erinnern mich immer noch an das Erlebte im letzten Weltkrieg.
Die Thailänder sind ein gelassenes Volk, geprägt durch die Toleranz des vereinenden Buddhismus. Und so wird hoffentlich auch die immer wieder aufkeimende Auseinandersetzung mit Kambodscha endlich zum Frieden führen. Ich lebe gerne in einer multikulturellen Umwelt mit Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern und begreife das als eine große Bereicherung und intellektuelle Herausforderung.
Meine Schwiegertochter ist in Thailand geboren, und meine beiden Enkel sind echte Thai. Gemeinsam verfolgen wir das Geschehen in diesem Land und wundern uns immer wieder über das Hin und Her der Gesetzgebung. Kaum habe ich die neue Situation zur Kenntnis genommen, gilt eine neue Regelung. Sicher wird auch die derzeitige Regierung neue Pläne präsentieren und vielleicht sogar durchsetzen. Hierzulande ist vieles oder alles denkbar und möglich.
Frei nach Loriot – und ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit - sage ich deshalb:
„Ein Leben ohne Thailand ist möglich, aber sinnlos.“