Wie schlimm müssen die Folgen des Klimawandels noch werden, bis sich endlich weltweit die Einsicht durchsetzt, dass es allerhöchste Zeit ist, die Auslöser dieser Katastrophe radikal zu bekämpfen? Die extremen Wetterereignisse der letzten Monate haben rund um den Globus Tod und Zerstörung hinterlassen: Dürren, die in Afrika, Asien und Europa Ernten fast vollständig vernichtet haben, sintflutartige Regenfälle, die Dämme sprengen und Tausenden das Leben kosten, Waldbrände, die unsere Atmosphäre zerstören, Wetterexzesse, die unendliches Leid bewirken und dazu Schäden in Milliardenhöhe verursachen.
Politiker und Wissenschaftler aus aller Welt treffen sich jedes Jahr, um zu beraten, wie die Klimaerwärmung gestoppt werden kann. Und wer leitete die letzte Konferenz? Ein Araberfürst, der sein Öl in alle Länder verkauft und nicht das geringste Interesse daran hat, den Abbau fossiler Brennstoffe zu beenden. Trotzdem verspricht er viel und verweist auf die nächste Weltklimakonferenz COP 30, die jetzt im November 2025 in Belem/Brasilien stattfindet, wo täglich eine Fläche von über tausend Fußballfeldern des Regenwaldes abgeholzt wird. Aber alle reisen hinterher heim mit dem Gefühl, alles in ihrer Macht Stehende getan zu haben, zumindest einen Schritt vorangekommen zu sein. Dabei wissen sie, dass sie sich in die eigene Tasche lügen und gleichzeitig der Bevölkerung, die ihnen schon lange nicht mehr glaubt. Das Wort „Greenwashing“ macht die Runde, und die Verantwortlichen grinsen uns aus den Fernsehern unschuldig entgegen:
„Alles halb so schlimm. Wir kriegen das schon hin.“
Nichts kriegen sie hin. Der Meeresspiegel steigt weiter an, Gletscher kalben, das Grönland-Eis schmilzt, Eisberge von der Größe Berlins treiben dem Atlantik entgegen. Aber: Wir schaffen das! Einer Studie zufolge, die kürzlich auf dem Weltwirtschafts-Forum in Davos vorgestellt wurde, kosten die Klimaschäden bis zum Jahre 2050 neben unglaublichen finanziellen Belastungen etwa fünfzehn Millionen Menschen das Leben.
Das erschüttert die Welt nicht. Bekanntlich wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Außerdem kann man immer noch behaupten: Davon haben wir nichts gewusst. Das hat doch schon mal geklappt.
Dabei ist die Belastungsgrenze, um den Temperaturanstieg bei 1,5 Grad zu stoppen, längst erreicht.
Einige sind inzwischen aufgewacht und investieren in nachhaltige Produkte, in klimafreundlichen Tourismus und ökologisch angebaute Nahrungsmittel. Jeder kann dazu beitragen unseren kleinen blauen Planeten zu retten.
Was hat der Witzbold sich wohl dabei gedacht, der bei uns gegenüber auf die Hauswand gesprüht hat: „Tausche Klimakrise gegen Klimakterium,“ Ach, wenn es doch so einfach wäre. Aber nichts ist einfach. Schon gar nicht für mich, da ich ein technischer Neandertaler bin. Der Strom kommt für mich aus der Steckdose, das Licht aus der Lampe und das Essen aus dem Supermarkt. Ohne Wissenschaftler und Techniker würde ich heute noch irgendwo im Wald in irgendeiner Höhle leben. Ich stelle mir manchmal vor, als Mensch und mit dem Wissen über die Errungenschaften des 21. Jahrhunderts im Mittelalter aufzutauchen. Ich würde diesen Menschen über die Erfindungen der neuen Zeit berichten, könnte ihnen aber – so wenig wie heute – nicht erklären, wie das alles funktioniert. Deshalb weiß ich im Grunde auch nichts über das Klima, aber die Veränderungen sind ja nicht zu übersehen. Andere behaupten, diesen Klimawandel habe es schon immer gegeben und sei das Natürlichste von der Welt. Das glaube ich nicht, aber ich verstehe ja nichts davon und darf mich deshalb nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. An Klima-Demonstrationen nehme ich trotzdem teil.
Zugegeben, ich habe mich nie für Technik interessiert. Leider, muss ich rückblickend dazu sagen. Den PC zu bedienen, lernte ich nur, weil dies die Voraussetzung war, um diese Kolumnen für den FARANG schreiben zu können. Darüber hinaus kenne ich mich nur mit wenigen technischen Geräten aus. Mein Uralt-Handy bezeichnen meine Freunde als Blasrohr. Am Bahnhof ein Ticket aus dem Automaten zu ziehen, gelingt mir auch nicht. Und jetzt wird zu all dem auch noch darüber diskutiert, das Bargeld abzuschaffen. Da ist es wohl besser, ich verabschiede mich rechtzeitig aus dieser Welt, die offensichtlich mit uns Alten nichts mehr zu tun haben will.
Ich bewundere all diese technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften, auch wenn ich nichts davon verstehe. Ich bin höchst erstaunt darüber, dass ich eine Mail schreiben kann, die in kürzester Zeit den Adressaten auf einem anderen Kontinent erreicht. Dass ich mit Freunden in einem anderen Land kommunizieren kann, sie in Echtzeit sehen und hören kann, ist für mich ein Wunder.
Ich habe mich immer nur um das gekümmert, was mir Freude bereitet: Lesen, schreiben, Musik hören, aber eine Play-Station habe ich noch nie gesehen. Vielleicht lebe ich in einer anderen Welt. Während andere durch das All fliegen, begebe ich mich mit meinem Rollator zum nächsten 7-Eleven. Als Kriegskind ausgebombt, besaß ich weder Rollschuhe noch Schlittschuhe. Auch habe ich nie auf einem Ski- oder Surfbrett gestanden. Natürlich hätte ich solche Sachen damals auch gerne gehabt. Ich war neidisch. Aber meine Mutter sagte: „All diesen Schnickschnack brauchen wir nicht. Wir wollen froh und dankbar sein, wenn wir genug zum Essen haben.“
Als ich mir all diese Sachen leisten konnte, wollte ich sie nicht mehr haben. Ich habe auch nie einen Führerschein gemacht und natürlich auch kein Auto besessen. Als Kind wollte ich ein Clown werden oder ein Dichter. Lesen gehörte zu meinen ersten Hobbys. Ich hatte das Glück, Fernseh-Redakteur zu werden und Theaterleiter. Heute wäre so eine Laufbahn gar nicht mehr möglich ohne spezielle technische Ausbildung. Die Technik schreitet fort. Ich komme schon lange nicht mehr hinterher. Meine Enkel sind mit all diesen Errungenschaften aufgewachsen und deshalb in der Lage, mir bei Problemen mit meinem PC hilfreich zur Seite zu stehen.
Aber ich frage mich, wie alte und alleinstehende Menschen durch das Leben kommen, Alte, die zu scheu und zu arm sind, die lieber auf alles verzichten, als andere um Hilfe zu bitten. Wer kümmert sich um sie? Wie kommen sie mit der neuen Technik zurecht? Vielleicht ist ihnen in ihrer Einsamkeit wenigstens der Fernseher geblieben. Sie tappern zum Supermarkt, kochen sich ihr Süppchen und warten – worauf ?
Die Welt dreht sich weiter. Sie wird, trotz oder wegen des Klimawandelns, neue Techniken und neue Lebensziele entwickeln, neue Kommunikationswege und neue Überlebensstrategien erfinden und vielleicht auch neue Lebensräume außerhalb unseres Planeten erobern.
Ich werde das nicht mehr erleben, und ich bin auch nicht darauf erpicht. Ich bin kein konservativer Mensch, aber wenn ich in die Zukunft blicke, dann wird mir Angst und Bange. Kriege, wohin ich sehe, Waldbrände, Umweltkatastrophen, Überschwemmungen. Wer kann da noch an eine gute Zukunft glauben? Und wer glaubt den Klimaexperten, die all diese Probleme als beherrschbar bezeichnen?
Ich weiß selbst nicht, woher ich meine Zuversicht nehme. Ich genieße trotz allem jeden Tag und erfreue mich an der Natur. Technik ist gut. Menschlichkeit ist besser. Aber am Besten ist ein Leben für Menschen, für Fauna und Flora in einer ökologisch gerechten Welt.
Es lohnt sich, dafür zu kämpfen.