Was machen Sie, wenn Sie um einen Gefallen gebeten werden? Weghören? Weglaufen? Oder schroff ablehnen? Ich bin so erzogen worden, mir den Wunsch anzuhören und der Bitte nachzukommen, sofern mir dadurch keine Nachteile entstehen.
Für gute Freunde oder alte Bekannte einzuspringen, halte ich für selbstverständlich. Aber es gibt Grenzen: So verleihe ich grundsätzlich kein Geld, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich dadurch nicht nur mein Geld verliere, sondern auch denjenigen, dem ich vertraut habe. Wenn es sich um einen Freund handelt, der in Not ist, dann schenke ich ihm lieber den benötigten Betrag. Aber leihen? Nein, niemals!
Einem alten Menschen beim Tragen von schweren Einkaufstaschen zu helfen, einem Behinderten über die verkehrsreiche Straße zu begleiten oder einem Nachbarn beim Umzug behilflich zu sein, ist für mich normal und selbstverständlich. Bei den Pfadfindern lernte ich schon als kleiner Junge, täglich eine gute Tat zu tun. Aber Vorsicht: Es gibt Leute, die mit krimineller Energie versuchen, die Hilfsbereitschaft und Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen auszunutzen.
So ist es mir passiert, als ein Flugpassagier, der vor mir beim Einchecken Probleme mit dem Übergewicht bekam, mich bat, da ich nur leichtes Gepäck mit mir führte, ein Päckchen für ihn mitzunehmen und es ihm am Zielflughafen zurückzugeben. Das habe ich natürlich abgelehnt, denn mir war bekannt, dass auf diese Weise häufig Drogen geschmuggelt werden. Für den gutwilligen Helfer kann das bei der Zollabfertigung gefährlich werden, weil der Schmuggler, dessen Päckchen er mitgenommen hat, vorher den Zoll passiert hat und außerhalb versteckt auf ihn wartet, in der Hoffnung, dass sein freundlicher Helfer unkontrolliert bleibt. Falls nicht, verschwindet er unerkannt. Und was passiert mit dem, den er überredet hat? Wird man ihm glauben?
Klar, das sind Einzelfälle, aber ich kann nur dringend davor warnen - vor allem bei Fremden – nicht blauäugig in eine Falle zu tappen. Das gilt ebenso für den berühmten Enkel-Trick, der immer wieder neue Opfer findet.
Im Laufe vieler Jahre ist mir aufgefallen, dass im Vergleich zu meiner Jugendzeit Hilfsbereitschaft und Respekt vor älteren Menschen in meiner alten Heimat seltener geworden sind. Ja, die Spendenbereitschaft ist groß, hat sogar noch zugenommen, aber dass jüngere Leute älteren Mitreisenden ihren Platz anbieten, kommt nicht mehr so oft vor. Der unübersehbare Trend zum eigenen Wohlbefinden steht der Hilfsbereitschaft dabei im Weg und ist auch eine Frage oder Folge der Erziehung. Das ICH findet überall mehr Anerkennung als das WIR. Wenn selbstsüchtige Menschen Erfolg haben, dann finden sich schnell Nachahmer. Umso wichtiger erscheint es mir, Beispiele von Selbstlosigkeit zu erkennen und zu verbreiten.
Ich wurde in Mainz Zeuge, als ein junger Mann am Rheinufer sein Sakko fortwarf und sich ins Wasser stürzte, um einem verletzten Kanufahrer zu retten, der hilflos im Strom trieb, während ich den Polizeiruf 110 wählte. Dieser Fall ging gut aus, und der Kanufahrer hat, wie ich hörte, seinem Lebensretter nicht nur die teure ererbte Uhr ersetzt, die bei dieser Aktion drauf ging, sondern sich bedankt, indem er dem jungen Mann sein Studium finanzierte.
Auf dem Flug von Frankfurt nach Bangkok beobachtete ich, wie ein sehr beleibtes älteres Paar sich in ihre Sitze zwängte und ein schlanker Herr hinter ihnen der Frau anbot, ihren Platz mit seinem zu tauschen, damit sie etwas komfortabler sitzen konnte.
In Pattaya wohnte ich einige Zeit in der Nachbarschaft einer alten Frau, die in einer baufälligen Hütte lebte. Mir fiel auf, dass sie jeden Morgen in aller Frühe die Mönche mit Nahrung versorgte und auch für fremde Personen, die hungrig an ihre Tür klopften, immer ein offenes Ohr und eine offene Hand hatte.
Hier in Thailand erlebe ich es immer wieder, dass Mitfahrer im überfüllten 10-Baht-Taxi mir ihren Platz anbieten oder einem freundlich lächelnden alten Farang den Vortritt an der Kasse lassen. Lieblose Egoisten, die es auch überall gibt, wissen und ahnen nicht, dass selbstlose Menschen sich mit ihrer Hilfsbereitschaft selbst reich belohnen und dadurch ein glücklicheres Leben führen.
Ich frage mich, ob sie ihr Verhalten wohl ändern würden, wenn sie das wüssten. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen: Wenn du einem Menschen hilfst, werden zwei glücklich.
Ein Nachbar hatte Probleme mit Inkasso und fürchtete um sein Leben. Ich half mit 80.000 Baht mit dem Versprechen, jeden Monat 3000 abzuzahlen.
* Monate ging es gut, dann kam nichts mehr. Geld weg, Freundschaft weg...
Hüte Dich vor Sturm und Wind - und Deutsche.....