Trotz gelegentlicher Regelverstöße und Skandale, die in jüngster Zeit die Bevölkerung Thailands erschütterten, gelten Mönche hierzulande als höchst respektierte Verkörperung des Buddhismus.
Sie nehmen im Alltag dieses Landes als Vertreter Buddhas auf Erden eine unübersehbare Stellung ein, und durch ihre spirituellen und pädagogischen Taten bilden sie eine unersetzliche Unterstützung der Gesellschaft. Sie sind das Herz und die Seele des Landes und dürfen bei keinem wichtigen Ereignis fehlen.
Etwa 95 Prozent der thailändischen Bevölkerung sind Buddhisten. In schätzungsweise 40.000 Tempeln und Klöstern des Landes (davon allein in Bangkok 400) leben rund 300.000 Mönche, wobei die Zahl der Vollzeit-Mönche etwa 70.000 beträgt, da viele junge Männer nur vorübergehend ordiniert sind. Der Theravada- Buddhismus mit seinen 227 Regeln ist die am weitesten verbreitete Richtung in Thailand. Zu den Regeln zählt der Verzicht auf Geld oder sexuelle Beziehungen, das Verbot zu lügen, zu stehlen, zu töten oder Alkohol zu sich zu nehmen.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war es für die meisten Familien in Thailand selbstverständlich, ihre Söhne – zumindest für einige Wochen – in einen Tempel zu schicken und zu jungen Mönchen ordinieren zu lassen. Das geschieht heute immer seltener. Für dörfliche Gemeinschaften galten die Tempel über viele Jahre gleichzeitig als Bildungsstätten, wo die Jungen in den Grundfächern unterrichtet wurden. Inzwischen haben Schulen überall diese Aufgaben übernommen.
Mönchsweihen sind festliche Ereignisse, an denen nicht nur die Familie teilnimmt, sondern auch die Nachbarschaft und ganze Dorfgemeinschaften. Die Söhne lassen sich nicht nur wegen ihres Glaubens ordinieren, sondern weil sie ihre Ehrerbietung gegenüber ihren Eltern zum Ausdruck bringen, die dadurch „Verdienste“ für ihr nächstes Leben erhoffen. Die Rasur von Kopf und Augenbrauen symbolisiert dabei die Ablösung vom weltlichen
Leben. In einem feierlichen Geleitzug werden die Söhne – in der Regel im Alter zwischen 8 und 16 Jahren – zum Tempel begleitet, wo sie in die orangefarbenen Roben gekleidet werden.
Der Tag im Tempel beginnt vor Sonnenaufgang, wenn die Mönche durch Glocken- oder Paukenschläge geweckt werden zum Gebet und zur Meditation. Danach beginnt der gemeinsame Almosengang, angeführt von dem ranghöchsten Mönch. Barfuß und stumm nehmen sie die Lebensmittel von den Gläubigen entgegen. Dabei gilt es darauf zu achten, dass sie nicht in direkten Kontakt mit Frauen kommen, was zu ihrer spirituellen Verunreinigung führen würde. Ab 12 Uhr mittags wird gefastet. Der Rest des Tages gilt dem Studium der heiligen Schriften und den täglich anfallenden Arbeiten wie die Reinigung des Tempelgeländes oder das Waschen ihrer Roben.
Während der Buddhismus weltweit immer größere Anerkennung findet, scheint er im lauten Stress der großen Städte in Thailand an Bedeutung zu verlieren. Das ist nicht anders als im Christentum. Der Kampf um Wohlstand rangiert an erster Stelle.
Früher besuchte man regelmäßig die Kirchen oder Tempel zur Andacht. Heute geschieht das überwiegend nur noch an bestimmten Feiertagen.
Ob Mönche in Thailand weiterhin Vorbilder für ein Leben in Harmonie und Frieden sein werden, ob sie auch in Zukunft den moralischen Kompass des Landes bilden können, hängt wohl weitgehend von den Selbstreinigungskräften des Buddhismus ab, vom Vertrauen in den Sangha, der Gemeinschaft der Mönche, und dem Dharma, der Durchsetzungskraft der Lehre.
Sie sind entscheidend für die Zukunft Thailands.