Implantate (2)

​Zahnarztkolumne 12. Teil

Implantate (2)

Wie in der letzten Ausgabe beschrieben, gehören Implantate zu den interessantesten Entwicklungen der modernen Zahnheilkunde, denn durch sie ist es erstmals möglich, verloren gegangene Zähne komplett zu ersetzen und so eine Brücke, eine Teilprothese oder sogar eine Vollprothese zu umgehen oder zumindest wesentlich stabiler im Kiefer zu befestigen.

Allerdings soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass Implantate nicht in allen Fällen die beste Lösung darstellen. Zudem gibt es viele Dinge, die man als Patient beachten muss, damit es hinterher zu keinen Problemen kommt.

Obwohl es sie erst seit wenigen Jahrzehnten gibt, sind mittlerweile Implantate in allen möglichen Formen und Größen auf dem Markt (Abb. A).

Es gibt über 800 Hersteller

Das Implantat selber ist im Grunde nur eine künstliche Zahnwurzel aus Titan oder Keramik mit einem Innengewinde. In dieses Innengewinde wird, nachdem das Implantat vollständig in den Kieferknochen eingeheilt ist, ein "Zwischenstück" eingeschraubt, auf dem dann der Zahnersatz befestigt wird.

Je nachdem, ob auf das Implantat eine Krone, eine Brücke oder eine Teilprothese befestigt wird, muss ein anderes "Zwischenstück" in das Implantat geschraubt werden. (Abb. B).

Was die meisten Patienten nicht wissen ist, dass es weltweit mittlerweile über 800 verschiedene Implantathersteller gibt, und kein System ist mit dem anderen kompatibel.

Soll heißen, das Zwischenstück der Firma A kann nicht in ein Implantat der Firma B geschraubt werden.

Daher ist es besonders wichtig, sich ausschließlich Implantate von führenden Herstellern einsetzen zu lassen und den Zahnarzt zu bitten, Ihnen Firma und Typ des Implantats mitzuteilen.

Die Qualität ist unterschiedlich

Es kann immer einmal sein, dass ein Bauteil ausgetauscht werden muss, oder dass man im Laufe der Jahre weitere Zähne verliert und nun auf einem vorhandenen Implantat, auf dem sich bisher vielleicht eine Krone befand, eine Brücke oder Prothese befestigen möchte. Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass der Zahnarzt dann schon wissen wird was zu tun ist, denn dieser ist möglicherweise schon in Rente, oder man selber hat seinen Lebensmittelpunkt in eine andere Stadt oder ein anderes Land verlagert.

Wenn man sein Implantatsystem nicht kennt, oder wenn es den Hersteller nicht mehr gibt, bekommt man für sich keine "Ersatzteile" mehr, und das kann zu massiven Problemen führen.

Ein weiterer Punkt ist die Qualität.

Die Gesundheitsbehörden der meisten Länder gestatten den Vertrieb von Implantaten, sobald der Hersteller die Körperverträglichkeit und Sterilität seines Produktes nachweisen kann. Nun, Titan ist bekannterweise eines der verträglichsten Materialien überhaupt, und die Herstellung eines sterilen Produktes ist heutzutage sehr einfach.

Das Problem ist die Passgenauigkeit der einzelnen Komponenten, wofür es kaum Vorschriften gibt. Führende Hersteller betreiben einen enormen maschinellen Aufwand zur Erlangung hochpräziser Bauteile, was sich natürlich im Preis niederschlägt.

Deswegen ist stets Vorsicht geboten, wenn Implantate zu Tiefstpreisen angepriesen werden. Ich kenne so manchen Kollegen, der aus Kostengründen auf ein sehr günstiges System umgestiegen ist und dies bitter bereut hat, weil sich bei seinen Patienten bereits nach wenigen Jahren der Zahnersatz zu lockern begann. Der Nachbesserungsaufwand steht in keinem Verhältnis zur Ersparnis.

Noch problematischer wird es, wenn die Firma mittlerweile vom Markt verschwunden ist.

All dies kann einem mit führenden Herstellern nicht passieren, denn sie vertreiben hochwertige Produkte und das meistens weltweit, so dass man immer einen Zahnarzt finden wird, der mit dem jeweiligen System vertraut ist.

Daher kann es nicht schaden, seinen Zahnarzt vor der Implantatoperation nach dem von ihm verwendeten System zu fragen und ein wenig Internetrecherche zu betreiben.

Es soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass Implantate nicht bei jedem Patienten möglich sind. In bestimmten Fällen ist ein enormer Aufwand erforderlich, um Implantate zu setzen, und in manchen Fällen sollte besser ganz darauf verzichtet werden.

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