Hitlers Zahnarzt

Zahnarztkolumne 16. Teil

Hitlers Zahnarzt Hugo Johannes Blaschke und seine Patienten: Hermann Göring, Adolf Hitler und Joseph Goebbels.
Hitlers Zahnarzt Hugo Johannes Blaschke und seine Patienten: Hermann Göring, Adolf Hitler und Joseph Goebbels.

Neues Licht auf ein dunkles Kapitel der Zeitgeschichte wirft eine vor wenigen Jahren erschienene Dissertation über Hugo Johannes Blaschke, den so genannten Leibzahnarzt von Adolf Hitler.

Während ihn die Hitler-Sekretärin, Traudl Junge, in ihren Erinnerungen als "angeregten Plauderer in den Obersalzberger Teegesellschaften um den Führer" bezeichnet und er auch von anderen Historikern als "im Grunde seines Herzens unpolitischer Mensch" eingestuft wird, stellt ihn ein französischer Medizinhistoriker in die Reihe der Zahngoldräuber der NS-Konzentrationslager.

Blaschke (1881-1960) studiert 1908-11 in Philadelphia und London Zahnheilkunde und beginnt 1912 in Berlin zu praktizieren. Da in den USA ausgebildete Zahnärzte damals in Deutschland einen ausgezeichneten Ruf genossen und er aufgrund seiner hervorragenden Arbeit oft weiterempfohlen wurde, gehörten bald prominente Patienten wie Goebbels und Göring zu seiner Klientel.Ende 1933 wurde er abends zu einem Notfall in die Reichskanzlei gerufen. Es stellte sich heraus, dass Adolf Hitler persönlich von Zahnschmerzen geplagt wurde. Blaschke behandelte ihn erfolgreich und hatte fortan bei Hitler einen Stein im Brett; er durfte ihn noch öfters behandeln, und die berühmte Teilprothese Hitlers, die bis heute erhalten ist, dürfte wohl von ihm angefertigt worden sein.

Steiler Aufstieg zum Reichsarzt

Hitler ernennt ihn zum "Dr. med. dent." und später zum Professor. Der Reichsarzt der SS, Prof. Dr. Robert Grawitz, trägt ihm auf, für die SS einen zahnärztlichen Dienst einzurichten. Blaschke erkennt seine Chancen, und es ist verständlich, dass er sie ergreift: Er ist schon seit 1931 Mitglied der NSDAP und zahlreicher anderer NS-Organisationen. 1944 wird er Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS und Reichsarzt der SS. Er baut in Dachau, Oranienburg und Buchenwald Zahnstationen auf; von "Missständen" dort will er nichts gewusst haben. Seine Karriere wird von SS-Größen gefördert, denn man hält ihn für "fanatisch überzeugt". Er genießt das volle Vertrauen Hitlers; selbst nach den Attentaten darf er die Sperrkreise ohne Kontrolle passieren.

Mitläufer und Opportunist

Wie bei vielen Ärzten und Zahnärzten dieser Zeit zeigt sich bei ihm eine tiefe opportunistische Ambivalenz. Der hochdekorierte SS-General wohnt in der Villa eines kranken Juden zur Miete, den er in Bombennächten auf dem Arm trägt, um ihn in Sicherheit zu bringen. Ebenso hilft er Mitbürgern, die dem Regime ablehnend gegenüberstehen. Er hat schließlich "die Gefahren erkannt", wie er bei seinen Verhören nach 1945 angab, wollte sich aber nicht zurückziehen, "denn ich konnte natürlich die Aufgabe der zahnärztlichen Betreuung nicht einfach fallen lassen". Bis heute ungeklärt bleibt seine Rolle bei den berüchtigten Zahngoldraubzügen der Nazis in den Konzentrationslagern. Ein Dokument weist ihn klar als "Besitzer von 50 Kilogramm Zahngold" aus. Als die US-Ankläger ihn fragen, ob Zahnärzte vergasten Juden die Zähne herausgerissen hätten, gibt er nur eine schwammige Antwort: "Das ist das, warum wir eigentlich hier sitzen." Blaschke wird nach dem Krieg als Hauptschuldiger in das Arbeitslager Langwasser-Nürnberg eingewiesen.

Ein geschickter Verteidiger erreicht, dass er bereits 1948 ohne weitere Nachverfahren in die Gruppe IV der Mitläufer eingestuft und entlassen wird. Ohne einen Pfennig in der Tasche schafft er es doch, in der Nachkriegszeit eine neue Praxis in Nürnberg zu gründen und noch viele Jahre erfolgreich zu betreiben. Während seiner Verurteilung hatte der charismatische Zahnarzt die Sekretärin beim Militärgericht, Erna Böbel, kennengelernt. Die wohlhabende Frau ist von ihm begeistert, und nach ihrer Heirat unterstützt sie ihn, wo sie nur kann. Blaschke stirbt am 15. September 1960 in Nürnberg; bei seinen Nachbarn und Patienten steht er bis zum Ende in bestem Ruf.

Zusammenfassend kann man ihn als Opportunisten bezeichnen, der, um in seinem Berufsspektrum die höchsten Positionen zu erreichen, mit Leuten paktiert hat, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit veranlasst und begangen haben. Dank geschickter Verteidigung gelang es ihm, seine schweren Verstrickungen in ein verbrecherisches Regime zu verharmlosen. Wie viele andere zu seiner Zeit hat er gesehen was geschah, aber geschwiegen.

Der deutsche Zahnarzt und Implantologe Dr. Ramin Yachkaschi hat im Jahr 1990 sein Studium in Göttingen abgeschlossen und gründete nach seinem Dienst als Stabsarzt bei der Bundeswehr 1992 eine Praxis in München Bogenhausen. Anfang 2010 bestand er das thailändische „Dental Board Exam“ und praktiziert seither in seiner eigenen Praxis in Pattaya. Dr. Ramin schreibt diese Kolumne zwecks Aufklärung und Information; die beschriebenen Behandlungsmethoden stellen den aktuellen zahnmedizinischen Standard dar, der von Zahnarztpraxen weltweit angewendet wird.

Der deutsche Zahnarzt und Implantologe Dr. Ramin Yachkaschi hat im Jahr 1990 sein Studium in Göttingen abgeschlossen und gründete nach seinem Dienst als Stabsarzt bei der Bundeswehr 1992 eine Praxis in München Bogenhausen. Anfang 2010 bestand er das thailändische „Dental Board Exam“ und praktiziert seither in seiner eigenen Praxis in Pattaya. Dr. Ramin schreibt diese Kolumne zwecks Aufklärung und Information; die beschriebenen Behandlungsmethoden stellen den aktuellen zahnmedizinischen Standard dar, der von Zahnarztpraxen weltweit angewendet wird.
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