Implantate (1)

​Zahnarztkolumne 11. Teil

Implantate gehören zu den spannendsten Entwicklungen der modernen Zahnheilkunde (Grafik 1)
Implantate gehören zu den spannendsten Entwicklungen der modernen Zahnheilkunde (Grafik 1)

Eigentlich ist die zahnärztliche Implantologie verhältnismäßig alt, denn bereits vor 3000 Jahren versuchte man, verlorengegangene Zähne durch geschnitzte "Implantate" aus Quarz, Elfenbein oder Holz zu ersetzen.

In den letzten Jahrhunderten war es in den reicheren Schichten Europas zeitweise üblich, Zahnlücken mit echten Zähnen zu füllen, die man vorher bei einem niederen Bediensteten oder Sklaven "borgte". Diese wurden jedoch meistens abgestoßen, so dass sich hinterher Herr und Diener mit Zahnlücken begnügen mussten.

Implantate steigern die Lebensqualität

Grafik 2
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Erst im letzten Jahrhundert machte man unzählige Tierversuche mit den unterschiedlichsten Materialien, und es stellte sich zur allgemeinen Überraschung heraus, dass Titan über die besten Eigenschaften verfügt. Im Gegensatz zu Gold oder Platin, die als Edelmetalle vom Körper zwar nicht abgestoßen, sondern nach Einbringen in Körpergewebe lediglich abgekapselt werden, verhält es sich bei Titan so, dass die Knochenzellen direkt auf das Material aufwachsen, fast so als handele es sich um körpereigenes Material.

Diese Eigenschaft nennt man "Biokompatibilität", die gemeinsam mit den anderen Eigenschaften dieses Metalls, wie geringes Gewicht, Korrosionsstabilität und hohe mechanische Festigkeit, Titan zu einem idealen Material in der Medizin macht, beispielsweise für künstliche Gelenke oder Herzklappen.

Auf ein in den Kieferknochen eingebrachtes Titanimplantat wächst innerhalb von 3 bis 6 Monaten neuer Knochen auf, und nach dieser Einheilphase kann man einen Zahnersatz aufbringen und das Implantat der ganz normalen Kaubelastung aussetzen.

Grafik 3
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Die einzelnen Schritte der dentalen Implantologie sind auf den folgenden Grafiken gut zu erkennen:

Zunächst einmal haben wir eine Zahnlücke (Grafik1). Nachdem die Knochendimensionen anhand von Modellen und Röntgenbildern genau berechnet worden sind, wird mit speziellen Fräsen eine Kavität in der richtigen Tiefe und Durchmesser angelegt (Grafik2), in die dann ein passendes Implantat eingebracht wird (Grafik3).

Nach einer angemessenen Heilphase wird in das Innengewinde des Implantates ein "Zwischenstück" eingeschraubt (Grafik 4), auf das dann eine Krone aufgesetzt wird (Grafik 5).

Grafik 4
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Natürlich gibt es viel mehr Möglichkeiten. Man kann, wie hier dargestellt, beim Fehlen einzelner Zähne durch Implantate die Herstellung von Brücken vermeiden, wo die Nachbarzähne beschliffen werden müssen.

Titan ist sehr körperverträglich

Man kann aber auch bei einer Freiendsituation, also wenn im Seitenzahnbereich keine Zähne mehr vorhanden sind, durch Implantate feste Kronen oder Brücken einsetzen und so auf eine herausnehmbare Teilprothese verzichten.

Ich selber führe seit über 17 Jahren Implantatoperationen durch, und meiner Erfahrung nach sind die glücklichsten Implantatpatienten diejenigen, die vorher eine Vollprothese getragen haben, also keine eigenen Zähne mehr besitzen.

Grafik 5
Grafik 5

Vollprothesen müssen im Gegensatz zu Kronen oder Brücken regelmäßig zum Reinigen herausgenommen werden. Sie können sich im Gegensatz zu Teilprothesen nicht an noch vorhandenen Zähnen festhalten. Eine Oberkiefervollprothese hält normalerweise noch relativ gut, da sie geradezu kreisrund den ganzen Gaumen bedeckt und sich so an ihm festsaugen kann. Die Nachteile sind ein gewöhnungsbedürftiger Tragekomfort und dass Speisen und Getränke nicht mehr so intensiv schmecken.

Eine Unterkieferprothese allerdings hat wegen der Zunge stets eine Hufeisenform und kann somit kaum eine Saugwirkung entwickeln und hält lediglich durch ihr Eigengewicht.

Hier kann man mit Implantaten den Prothesenhalt dramatisch verbessern oder sogar ganz auf eine herausnehmbare Prothese verzichten.

Allerdings soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass Implantate nicht in allen Fällen die beste Lösung darstellen. Zudem gibt es viele Dinge, die man als Patient beachten muß, damit es hinterher zu keinen Problemen kommt. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe.

Der deutsche Zahnarzt und Implantologe Dr. Ramin Yachkaschi hat im Jahr 1990 sein Studium in Göttingen abgeschlossen und gründete nach seinem Dienst als Stabsarzt bei der Bundeswehr 1992 eine Praxis in München Bogenhausen. Anfang 2010 bestand er das thailändische „Dental Board Exam“ und praktiziert seither in seiner eigenen Praxis in Pattaya. Dr. Ramin schreibt diese Kolumne zwecks Aufklärung und Information; die beschriebenen Behandlungsmethoden stellen den aktuellen zahnmedizinischen Standard dar, der von Zahnarztpraxen weltweit angewendet wird.

Der deutsche Zahnarzt und Implantologe Dr. Ramin Yachkaschi hat im Jahr 1990 sein Studium in Göttingen abgeschlossen und gründete nach seinem Dienst als Stabsarzt bei der Bundeswehr 1992 eine Praxis in München Bogenhausen. Anfang 2010 bestand er das thailändische „Dental Board Exam“ und praktiziert seither in seiner eigenen Praxis in Pattaya. Dr. Ramin schreibt diese Kolumne zwecks Aufklärung und Information; die beschriebenen Behandlungsmethoden stellen den aktuellen zahnmedizinischen Standard dar, der von Zahnarztpraxen weltweit angewendet wird.
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