Die Geschichte des Lächelns (2)

Zahnarztkolumne 19. Teil / Griechenland und Rom

Hippokrates
Hippokrates

In der klassischen Antike und im Hellenismus werden Zahnmedizin und Zahnpflege, basierend auf Kenntnissen des alten Ägyptens und Mesopotamiens, verbessert und weiterentwickelt. Bei Griechen und Römern fordert das Schönheitsideal nicht nur einen makellosen Körper, sondern auch ein Gebiss mit strahlend weißen Zähnen.

Bereits die alten Griechen benutzten Zahnstocher, die aus Doldenstielen, Strohhalmen, Federkielen oder Stücken des Mastixbaumes gefertigt wurden. Der Gebrauch des Zahnstochers war so intensiv, dass die alten Griechen von anderen Völkern als "Zahnstocherkauer" bezeichnet wurden.

Durch den berühmten griechischen Arzt Hippokrates von Kos (460 bis 370 v. Chr.) wurde die wissenschaftliche Medizin in Europa begründet. In seiner Werksammlung, der Corpus Hippocraticum, finden sich neben zahnmedizinischen Lehrtexten auch ausführliche Unterweisungen zur Zahnpflege. Unter anderem empfiehlt er eine Essenz zur Zahnpflege, die uns heute kurios vorkommen muss: Asche von verbrannten Mäuseköpfen und gekochten Hundezähnen sowie Knöchel frisch geschlachteter Ziegen sollte mit dem Saft zerriebener Minze und Weißwein zur Mundspülung dienen. Die Zahnbürste war bei den Griechen unbekannt.

Griechen gründeten Europas Medizin

Apollo
Apoll

Nach der Eroberung Griechenlands durch die Römer geriet auch Rom unter den Einfluss der griechischen Medizin. Viele der hervorragenden Ärzte, besonders Hofärzte, waren Griechen. Eine ganze Reihe von Gelehrten befasste sich mit Zahnheilkunde, was nicht verwundert, denn in Rom waren schöne Zähne nahezu ein Statussymbol, so dass sie sogar in der Dichtung der damaligen Zeit verewigt wurden – im Positiven, aber auch im Negativen. So verspottet der römische Dichter Marcus Valerius Martial die arme Vetusilla: "Cum tibi crescendi consules, Vetusilla, et tres capili quattuorque dentes" ("Drei Konsuln hast Du erlebt, Vetusilla, und geblieben sind dir drei Haare und vier Zähne.").

Vor allem in der Zeit des Imperiums seit Kaiser Augustus war ein schönes, vollständiges und besonders weißes Gebiss das Ideal.

So verwendeten die Schwester von Kaiser Augustus, Octavia, sowie die Kaiserin Messalina ein Zahnpulver mit folgender Zusammensetzung:

"Gerstenmehl mit Essig und Honig vermischen, durchkneten, Steinsalz beimengen und schließlich zu kleinen Kügelchen formen und in einem Backofen dörren, bis sie sich in Kohle verwandelt haben. Dann wird man die Kügelchen zerreiben und ihnen soviel Nardenblüte beimengen, als zur Erzeugung von Wohlgeruch hinreicht."

Mit Rom fiel auch die Wissenschaft

Der römische Geschichtsschreiber Plinius Secundus (23 bis 79 n. Chr.) berichtete in seinem berühmten 37-bändigen Werk "Naturalis Historica" von Substanzen, die die Zähne weißer machen: So empfahl er: "Gerstenasche streicht man mit aufgestreutem Salz und Honig auf die Zähne; sie gibt den Zähnen Weiße und angenehmen Mundgeruch." Für den perfekten Mundatem pries Plinius, Myrte und Mastixblätter mit einem halben syrischen Gallapfel zu verreiben und mit altem Wein besprengt am Morgen zu kauen.

Folgendes Rezept von Plinius zur Mundspülung dürfte wohl für unser heutiges Empfinden seltsam anmuten: "die Brühe von in Essig gekochten Fröschen."

Der wohl berühmteste Arzt des Römischen Reiches war Claudius Galenus (129 bis 199 n. Chr.), der aus dem griechischen Pergamon in Kleinasien stammte und persönlicher Leibarzt der Imperatoren Marc Aurel und Commodus war. Er schrieb ein umfassendes Werk, welches noch Jahrhunderte nach ihm als Maßstab galt, und in dem er sich auch mit Zahnmedizin, der Pflege der Zähne und der Herstellung von Zahnpasten beschäftigte.

Vor allem die wohlhabenden Schichten der römischen Bevölkerung nutzten dieses Wissen ausgiebig. Die wohlhabende Römerin hatte eine eigene Zahnputzerin, die sogenannte Mastiche (benannt nach dem Harz des Mastixbaumes, das zur Zahnpflege gebraucht wurde), die ihrer Herrin die Utensilien zur Zahnpflege reichte und deren Zähne polierte.

Verwendet wurden Zahnstocher aus Metall (biegsame Bronze, aber auch Silber oder Gold) oder dem Holz des Mastixbaumes, aber auch aus Gräten oder Federkiele. Oft war der metallene Zahnstocher mit anderen Geräten der Körperreinigung, wie einem Zungenschaber, Kopfkratzer oder Ohrlöffelchen in einem Bund zusammengefaßt. Zahnbürsten waren unbekannt; die Pflegesubstanzen wurden mit dem Finger oder einem Tuch aufgetragen.

Mit dem Niedergang des Römischen Reiches ließ auch der hohe Stand der Medizin und Zahnmedizin nach.

Der deutsche Zahnarzt und Implantologe Dr. Ramin Yachkaschi hat im Jahr 1990 sein Studium in Göttingen abgeschlossen und gründete nach seinem Dienst als Stabsarzt bei der Bundeswehr 1992 eine Praxis in München Bogenhausen. Anfang 2010 bestand er das thailändische „Dental Board Exam“ und praktiziert seither in seiner eigenen Praxis in Pattaya. Dr. Ramin schreibt diese Kolumne zwecks Aufklärung und Information; die beschriebenen Behandlungsmethoden stellen den aktuellen zahnmedizinischen Standard dar, der von Zahnarztpraxen weltweit angewendet wird.

Der deutsche Zahnarzt und Implantologe Dr. Ramin Yachkaschi hat im Jahr 1990 sein Studium in Göttingen abgeschlossen und gründete nach seinem Dienst als Stabsarzt bei der Bundeswehr 1992 eine Praxis in München Bogenhausen. Anfang 2010 bestand er das thailändische „Dental Board Exam“ und praktiziert seither in seiner eigenen Praxis in Pattaya. Dr. Ramin schreibt diese Kolumne zwecks Aufklärung und Information; die beschriebenen Behandlungsmethoden stellen den aktuellen zahnmedizinischen Standard dar, der von Zahnarztpraxen weltweit angewendet wird.

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