Endlich ist das Wetter in der Schweiz wieder sommerlich warm geworden, so dass ich Lust habe, etwas zu unternehmen. Zum Beispiel zieht es mich zurück zu unseren familiären Wurzeln, genauer nach meinem „Heimatort“ oder auch „Bürgerort“ Flaach im Zürcher Weinland, bekannt für seine wohlschmeckenden Spargeln.
Also doch: Nach dem StressÂtest auf dem Laufband stellt der Schweizer Herzspezialist eine „schwere Aortenklappeninsuffizienz“ fest, das heißt übersetzt, diese defekte Herzklappe muss ersetzt werden. Das geht nicht minimal invasiv, sondern nur mit einer Operation am offenen Herzen. Das sagen mir die Spezialisten in einem namhaften privaten Krankenhaus in Pattaya schon seit mehreren Jahren, aber ich habe ihnen nicht geglaubt, weil ich mich eigentlich fit fühle und den sehr kommerziell agierenden Brüdern dort generell misstraue. Doch nun bin ich überzeugt, dass der chirurgische Eingriff nicht mehr allzu lang aufgeschoben werden kann. Ich bin eher erleichtert, als besorgt, weil die Ungewissheit gewichen ist.

Mein Nazareth ist Flaach im Weinland
Wir erinnern uns: Maria und Josef waren auf dem Weg nach ihrem „Heimatort“ Nazareth zum Zensus, als Jesus in einem Stall in Bethlehem geboren wurde. Mein „Heimatort“ in der Schweiz ist Flaach (ZH), bekannt für besonders wohlschmeckende Spargeln, die ich allerdings hasse. Einerseits schmecken sie wie Urin und umgekehrt riecht der Urin nach Spargelinput wie Spargeln. Mit Flaach verbindet mich demnach wenig, es handelt sich vor allem um eine „administrative Beziehung“, die zwar im Pass erwähnt, und im „Heimatschein“ bestätigt ist, sonst aber ohne weitere Bedeutung geworden ist.

Kurz nach meiner Ankunft in der Schweiz habe ich noch so einen „Heimatschein“ bestellt, weil er früher bei der Anmeldung nötig war (das ist er heute nicht mehr). Bestellen musste ich diesen „Heimatschein“ allerdings in Andelfingen und da beginnen wir unsere kleinen Ausflug: Ein hübscher Bauernort mit den hier üblichen Riegelhäusern. Und sonst noch? Wahrscheinlich wird man hier ziemlich sicher schwermütig, wenn man länger als zwei Stunden bleibt. Das wollen wir nicht wagen und steigen in einen Bus, der durch Flaach fahren wird.
Unglaublich: Das weltpolitisch völlig unbedeutende Flaach weist mindestens 4 Bushaltestellen auf! Die letzte – in unserer Fahrtrichtung – ist „Kirche“, mit dem angegliederten Friedhof. Wären wir nicht zu faul zum Aussteigen gewesen, hätten wir dort zweifellos die Gräber von längst verstorbenen „Fritschis“ gefunden, aber wir verzichten auf dieses zweifelhafte, eher morbide Vergnügen.
Rund um den Rhein - wenig Tierlein
Mit einem kleinen Aufpreis auf meinen 9-Uhr-Pass fahre ich auch ins schöne Stein am Rhein, esse ebenda Fisch und besteige nachher das Schiff nach Schaffhausen: Wunderschön und sicher altersgerechter als eine Teilnahme an der gleichentags stattfindenden „Street Parade“ in Zürich.
Tierlein sehen will ich im „Wildnispark Langenberg“, doch die eindrücklicheren Viecher wie Bären, Wildschweine etc. werden derart tiergerecht gehalten, dass man sie nicht sehen kann. Ich sehe eine einzige Maus, das ist doch eher lausig. Nie mehr Langenberg in diesem Leben!

Dann noch nach Konstanz zum Bücherkaufen, die dort die Hälfte kosten als in der Schweiz, aber ich finde nichts Interessantes, das ich noch nicht habe.
Und schließlich noch mit dem Flieger nach Nizza, um in Südfrankreich gute Freunde in Cotignac zu besuchen.
Das Leben ist schön!
Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!
