Schnee, aber doch auch Frühlingszeichen

Zwar kalt, aber nicht mehr so November-depressiv und jede Menge Knospen

Der Gewürzlorbeer hat die eisigen Temperaturen einfach weggesteckt. Fotos: hf
Der Gewürzlorbeer hat die eisigen Temperaturen einfach weggesteckt. Fotos: hf

Wegen einer diffizilen Operation am Rücken bin ich – hoffentlich nur für ein paar Wochen – in die Schweiz zurückgekehrt.

Am zweiten Tag fiel in Zürich Schnee, der sogar ein paar Stunden liegen blieb. Und sonst? Für meine Begriffe ist es immer noch viel zu kalt, die an sich sehr schöne Stadt praktisch unbewohnbar. Immerhin gibt es viel mehr Licht als im Depressionsmonat November und die Natur wartet auf eine frühe Explosion, zahllose Büsche haben bereits Knospen gebildet, die demnächst ausbrechen wollen.

Typische Frühlingsboten: Weidenkätzchen.
Typische Frühlingsboten: Weidenkätzchen.

Und es gibt auch bereits wieder Tage wie gestern, mit strahlend stahlblauem Himmel und Sonnenschein, wo man sich behände aus den Pullovern schält, den Mantel über den Arm legt und sogar draußen – vor dem Odeon zum Beispiel – ein Glas zu sich nehmen kann. Wie schön!

Oliven, Lorbeer und Walderdbeeren

Bei meinem Gartensitzplatz in Seebach hat die Kapuzinerkresse – wie nicht anders zu erwarten – den Schnee und Frost nicht überstanden. Die Olive, der Gewürzlorbeer, die Monats- oder Walderdbeeren sind hingegen winterhart und unbeschadet durch die eiskalte Jahreszeit gekommen. Der Salbei ist von einem Schädling halb aufgefressen, hat aber ebenso teilweise überlebt wie die eine einsame Artischocke und der Oregano.

Neues Leben regt sich in der Wiese.
Neues Leben regt sich in der Wiese.

Wir haben hier im Mehrfamilienhaus eine alte Italienerin, die schon vierzig Jahre oder mehr in der Schweiz lebt, aber praktisch kein Deutsch spricht. Sie hat – schon vor vielen Jahren – diverse Rosen ums Haus herum gepflanzt, pflegt diese auch, schneidet geschickt. Im Herbst hat sie ihre Rosen kräftig zurückgestutzt, die sehen dann jeweils ziemlich mausetot aus. Doch nun knospen sie bereits wieder, sind so gar nicht tot.

Was in der Wiese aussieht wie ein überdimensionierter Wäscheständer, ist in Tat und Wahrheit ein Profil des Außenteils der neuen Wärmepumpen-Heizung, die natürlich eine Baubewilligung benötigt.

„Was es nicht alles gibt?“, denkt sich der bereits leicht heimwehleidende Farang…

Weidenkätzchen und andere Wunder

Auch der Goldregen wird bald explodieren.
Auch der Goldregen wird bald explodieren.

Auch der Warenmarkt von Oerlikon ist bereits wieder einen Besuch wert. Das Angebot besteht aus den diversen Wurzel-Wintergemüsen, seltsam gefärbten, oft leicht bitteren Wintersalaten sowie dem fantastischen „Nüsslisalat“ wie der Feldsalat in der Schweiz heißt. Zusammen mit gehacktem Ei ist er mit Abstand mein absoluter Lieblingssalat, kann auch noch mit gebratenen Speckwürfeln und Croutons veredelt werden. In Thailand ist er nur schwer zu finden, am ehesten noch importiert aus der chinesischen Metropole Kunming, wegen der ganzjährig milden Temperaturen auch als „Stadt des ewigen Frühlings“ bekannt. Da Nong Khai (zumindest auf der anderen Seite des Flusses) bereits durch die schnelle chinesische Eisenbahn mit Kunming verbunden ist, hoffe ich, zukünftig auch Nüsslisalat bei Makro und ähnlichen in Nong Khai kaufen zu können.

Unglaubliche Mengen an Tulpen in allen möglichen und unmöglichen Farben bekommt man auf dem Markt von Oerlikon ebenfalls. Das sind ganz glasklare Frühlingsboten, ebenso wie die diversen Krokusse und andere, die bereits in den diversen Wiesen zu blühen beginnen.

Und – last not least – bezaubern die diversen Weidenkätzchen, die man auf dem Markt ebenso findet wie bei der Migros und anderen Großverteilern. Man stelle sie in der geheizten Wohnung in eine Vase und erlebe ein Frühlingswunder.

Der Goldregen von meinem Gartensitzplatz wirkt übrigens ganz gleich und ist gratis.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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