Eine Frucht aus dem Amazonas-Gebiet

Drei seltene Pflanzen im Garten liefern nun endlich Samen ganz ohne Ende

So sehen die essbaren Früchte der afrikanischen Baobab inwendig aus. Fotos: hf
So sehen die essbaren Früchte der afrikanischen Baobab inwendig aus. Fotos: hf

Einer der größten und eindrücklichsten Bäume in unseren zwei Gärten ist erst etwa 15 Jahre alt. Mit seinen mächtigen Wurzeln hat er die aus Beton gegossenen, schweren Platten angehoben als seien sie Federn. Seit mehreren Jahren liefert er bereits kleine, orange Früchte, die ziemlich sauer sind. So sauer, dass die Thais sie links liegen lassen. Sie lieben allerdings die Früchte eines nahen Verwandten.

Mächtige Wurzeln der Tapereba.
Mächtige Wurzeln der Tapereba.

„Tapereba“ hießen sowohl der Baum als auch die Früchte im peruanischen Amazonas-Gebiet, genauer auf dem fantastischen Dschungel-Markt in Iquitos. Solche Früchte – wenig oranges Fruchtfleisch um einen holzigen Kern – habe ich weder vorher noch nachher irgendwo gesehen. Ich hatte auch keine Ahnung, dass aus dem mickrigen Kern in wenigen Jahren ein wahrer Baumriese wachsen würde. Heute ist dieser aus einem mitgebrachten Samen gezogene Baum der wohl mächtigste und eindrücklichste in unserem ganzen Garten in Pattaya.

Kein Makok, aber sehr eng verwandt

Im Thai-Nationalgericht Som Tam wird eine runde, saure Frucht verwendet namens Makok, auch als Thai-Olive bekannt und wissenschaftlich Spondias pinnata geheißen. Die Tapereba heißt auf Lateinisch Spondias mombin, stammt also aus derselben Familie, ist allerdings ursprünglich in Südamerika heimisch. Weil uns Gartenbesucher immer wieder danach fragen, haben wir jetzt angefangen, welche aus Samen zu ziehen. Das ist einfach, je ein einziger Baum in Nong Khai als auch in Pattaya entstanden schließlich auf diese Weise. Abmoosen geht aber auch, und so werden wir bei nächster Gelegenheit auch so ein paar Exemplare zu gewinnen versuchen.

Kleine, orange, saure Früchte…
Kleine, orange, saure Früchte…

Ganz einfach ist die Vermehrung durch Samen bei unseren afrikanischen Baobabs möglich. Die liefern gerade Früchte ohne Ende. Sie sehen etwas wie Papaya aus, sind auch ungefähr so groß, aber außen verholzt. Das weiße pulverige Fruchtfleisch ist säuerlich, ich mische es bei Gelegenheit einmal in einen Mürbeteig für Fruchtkuchen, das könnte geschmacklich ganz interessant werden.

Wir haben jetzt Tausende von Baobab-Samen und könnten damit ganze Wälder in Thailand anlegen, aber irgendwann ist einfach genug. Wir haben auch große Baobabs bereit, die wir in große Körbe gepflanzt haben, damit sie noch versetzt werden können, doch langsam aber sicher geht der Platz aus.

Abmoosen tragender Muskatnüsse

Muskatnuss-Bäume können zwar schon durch Samen vermehrt werden, aber die Sache ist kompliziert. Zum einen müssen die Samen ganz frisch sein, um überhaupt keimen zu können. Dann gibt es da männliche und weibliche Pflanzen, wobei die männlichen steril sind, das heißt, sie sind zu nichts nütze. Eine weibliche Pflanze trägt auch Früchte ohne eine einzige männliche. Und: Was man hat, sieht man erst nach sieben bis acht Jahren.

Hoffen wir, dass es Wurzeln gibt.
Hoffen wir, dass es Wurzeln gibt.

Wir haben deshalb angefangen, weibliche, bereits tragende Pflanzen abzumoosen, das heißt Klone herzustellen. Gelingt die Wurzelbildung, hat man garantiert eine produktive Pflanze.

Doch bei den Muskatnüssen ist die Wurzelbildung schwierig. Jetzt ist es uns in einem Fall erstmals gelungen, dass ein Ast mit mehreren Nüssen Wurzeln produziert hat. Vorsichtig haben wir ihn eingetopft, doch wir sind noch nicht über den Berg, da kann noch so manches schief gehen.

Falls das Ganze gelingt, nehme ich diesen tragenden Muskatnuss-Baum von Pattaya mit nach Nong Khai, wo diese wertvolle Pflanze bis heute noch fehlt.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.


Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.