Luthers Apfelbäumchen ganz neu gepflanzt

Sonnenblumen aus Nong Khai, Erdbeeren mit roten Blüten und noch Blaubeeren

Bereits blüht die essbare Kapuzinerkresse wieder, und zwar tiefrot. Fotos: hf
Bereits blüht die essbare Kapuzinerkresse wieder, und zwar tiefrot. Fotos: hf

Am Donnerstag, zwei Monate nach meiner gefürchteten Halswirbel-Operation, musste ich wieder in die Röhre für ein MRI. Anschließend war eine Besprechung mit meinem fähigen Neurologen geplant, in der der Erfolg oder Miss­erfolg abschließend beurteilt werden sollte. Um es gleich vorwegzunehmen: Alle Operationsziele wurden erreicht, ich kann demnächst nach Thailand zurückkehren.

Das „Vorher“-Bild zeigt einen an drei Stellen arg eingedrückten Rückenmark-Kanal beim dritten und vierten Wirbel, auf dem „Nachher“-Bild sind die drei Einbuchtungen kaum mehr wahrnehmbar. Operativ wurde da Platz geschaffen, indem Knochenmaterial abgefräst wurde (eine ganz grausige Vorstellung). Der elektrische Informationsfluss in meinem Körper funktioniert wieder viel besser, die vormals bestehende Gefahr einer Lähmung ist weitestgehend gebannt. Jetzt kann ich nach Thailand in meine geliebten Gärten zurückkehren.

Was, wenn alle Sachen gut enden?

Ich bin ein fast unverwüstlicher Optimist und halte es mit dem amerikanischen Filmregisseur John Huston. Der wurde einmal nach dem Geheimnis seiner Langlebigkeit befragt und antwortete mit einem einzigen Wort: „Chirurgie!“

Nach insgesamt vier Operationen – einem wirklich „großen Service“ – bin ich gewissermaßen generalüberholt und dürfte meinen siebzigsten Geburtstag in einem knappen Jahr wohl erleben.

Jetzt kann ich mich langsam um einen Flug nach Thailand kümmern, melde mich hier in Zürich wieder ab, dort bei der Schweizer Botschaft in Bangkok wieder an. Die Flüge sind hier noch ziemlich teuer, aber was, wenn hier alle wesentlichen Probleme überraschend gut enden? Ich meine natürlich den amerikanischen Krieg im Iran und den russischen Krieg in der Ukraine. Putin hat mit seiner geradezu lächerlichen Militärparade vielleicht kapiert, dass er mit seinen Maximalzielen nie reüssieren wird. Und der Iran braucht ebenso eine freie Straße von Hormus wie der Rest der Welt. Noch. Denn der Umbau auf erneuerbare Energie hat durch die jüngste Energiekrise einen beträchtlichen Schub bekommen. Auch ich werde die bestehende Solaranlage in Pattaya noch erweitern, in Nong Khai eine neue große Anlage in Auftrag geben.

Wenn diese beiden großen Konflikte demnächst enden sollten, sinkt nicht nur der Ölpreis, auch mein Flugbillett wird viel günstiger und die Weltwirtschaft boomt.

Auch ein solches, positives Szenario ist nicht (gänzlich) auszuschließen in unserem Jammertal.

Das könnte auch von Luther sein

Obwohl ich voraussichtlich nicht mehr lange in Zürich bin, handle ich gemäß einem Diktum, das irrtümlich Luther zugeschrieben wird, aber durchaus von ihm sein könnte:

„Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Und die Kirschtomaten tragen Früchte.
Und die Kirschtomaten tragen Früchte.
Die Sonnenblumen haben gekeimt.
Die Sonnenblumen haben gekeimt.

Und so bepflanze ich meinen Gartensitzplatz noch mit Allerlei, das mein Herz erfreut, auch wenn ich die Früchte dieses Jahr nicht mehr sehe. Aber es hat etliche mehrjährige Pflanzen mit dabei, da habe ich vielleicht im nächsten Jahr eine Chance?

Speziell angetan haben es mir die Erdbeeren mit den ungewöhnlichen roten Blüten. Die sind mehrjährig und werden wohl ebenso überleben wie die Monatserdbeeren, die ich im vergangenen Jahr gesetzt hatte. Eine gepflanzte Feige stammt aus Finnland, die ist also sicher winterhart und könnte das parkierte Auto eines Nachbarn über die Jahre optisch verschwinden lassen. Eine ähnliche Funktion erfüllen die fünf Gewürzlorbeer Bäumchen, die den Winter in Töpfen überstanden haben und die jetzt in den Boden gingen.

Ferner gepflanzt: Je einmal Blaubeeren, Himbeeren, Artischocken und Tomaten, die bereits Früchte tragen.

Und zumindest gekeimt haben meine Sonnenblumen Samen, die ich von Nong Khai mitgebracht habe.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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