Die in der letzten Ausgabe beschriebenen Kirschblüten sind zum größten Teil schon wieder vorbei, hinüber, verblüht. Doch andere Frühlingsboten sind bereits auf den Märkten vorhanden. Zum Beispiel Rhabarber. Und – neben weißem und dem ebenfalls bekannten grünen Spargel – gibt es auf dem Markt am Bürkliplatz doch auch tatsächlich schwarzen Spargel! Den habe ich noch gar nie gesehen.

Wie schmeckt denn bloß schwarzer Spargel? Kann ich nicht sagen, denn das durchaus formschöne Gemüse schmeckt mir partout nicht, ich bringe es nicht herunter, es erinnert mich – pardon, liebe Spargelfreunde - an Pisse. Zwar riecht Spargel nicht so stark nach Urin wie früher das altmodische Pissoir am Bürkliplatz, das – wohl als Zeitzeuge aus den sechziger Jahren – beim kürzlich abgeschlossenen Umbau liebevoll renoviert worden ist und in der jetzigen Form verdienstvoller Weise nicht mehr streng riecht: Bravo! Und Eintrittsgebühren werden hier auch weiterhin nicht erhoben.
Fährt eine Tote im Trolleybus mit?
Apropos Gestank: Auf meinem fast täglichen Weg zum Restaurant Volkshaus nehme ich immer Bus 32, das ist ein sehr langer Trolleybus, also ein traditioneller Elektrobus, der den Strom über einen Bügel von der Oberleitung bezieht wie ein Tram. Ich setzte mich direkt vor einen Zweiersitz, wo eine Obdachlose in Wolldecken schlief. Doch der Gestank war so penetrant, dass ich mich sehr rasch nach hinten begab, weg von diesen üblen Gerüchen.

Von dort beobachtete ich andere Passagiere, die sich ebenfalls in der Nähe der Obdachlosen setzten, kurze Zeit später Distanz suchten. Vielleicht schlief die Frau je gar nicht, vielleicht war sie tot? Niemand verständigte den Fahrer über die stinkende, vielleicht tote Passagierin, die womöglich noch stundenlang im Bus 32 mitfuhr. Die Zürcher sind zurückhaltende Leute, in diesem Fall vielleicht zu zurückhaltend?
Im Volkshaus nahm eine Frau nicht weit von mir am Fenster Platz, um einen Kaffee zu trinken. In Thailand hätten wohl viele um ein Selfie mit ihr gebeten, denn es handelte sich um Zürichs langjährige Stadtpräsidentin Corinne Mauch, eine bekennende Lesbe. Natürlich erkannten sie auch die anderen Gäste im Volkshaus, doch niemand wollte sie stören, sie belästigen. Das ist eine sehr angenehme Zurückhaltung der Zürcher. Das galt schon lange auch für weit prominentere Leute, etwa den Literaturnobelpreisträger Elias Canetti, den ich seinerzeit öfters beim Spazieren gesehen habe.

Beim Bahnhof Oerlikon wurde dann nach seinem Tod eine Straße nach ihm benannt, auch nicht besonders aufdringlich.
Eine originelle Werbung postiert
Auf einem riesigen Plakat am Stadthausquai wird ein sauteures Elektroauto namens Polestar 5 mit folgendem Text beworben: „Noch nicht verboten in Zürich“. Die Stadt wird seit Jahrzehnten von einer rot-grünen Regierung und ebensolchem Parlament verwaltet. Autos werden und wurden konsequent aus der Innenstadt entfernt, eine sehr erfolgreiche Politik, die manchen wunderbaren Platz – etwa den MünsÂterhof – geschaffen hat, wo früher bloß Blechkarossen herumstanden. Aber in jüngster Zeit wurde etwas stark übertrieben und darauf zielt diese Werbung natürlich an.
Immerhin stinken und lärmen die Elektroautos ja nicht mehr wie die Verbrenner, das ist doch schon einmal etwas.
Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!
