Ich bin so froh, wieder in Thailand zu sein

Sinnlose Heizungen, zähe Baobabs, frecher Iguana, Bananen und Muskatnüsse

Groß und klein: Es gibt mindestens 350 Bananensorten in Thailand allein. Fotos: hf
Groß und klein: Es gibt mindestens 350 Bananensorten in Thailand allein. Fotos: hf

„Senioren in Thailand wechseln zu diesem Mini-Heizer…“, dieses vollkommen unsinnige Inserat wird mir bei der Internet-Lektüre von „20 Minuten“ in Thailand aufgeschaltet. Zum großen Glück sind Heizungen hierzulande ja vollkommen überflüssig und das Inserat schießt ganz und gar am Ziel vorbei: Total!

Sehr auffallend: Die  Lippenstifte.
Sehr auffallend: Die Lippenstifte.

Mit meinen lockeren Spaziergängen durch den Garten von Pattaya, die mir weitaus besser passen als die Wanderungen um Seewis, komme ich ganz automatisch und ohne den geringsten Stress auf die für die Rehabilitation notwendige Bewegung und Fitness. Fasziniert bin ich schon am Start, wo sich ein Iguana bei der Terrasse breit gemacht hat, weil meine Thais ihn täglich mit überreifen Bananen füttern. Ich mache auch mit, aber scheuche ihn bestimmt etwas zurück, als er sich auf dem Sofa installiert: Das geht nun doch zu weit!

Ausgerechnet Bananen, groß und klein

Es gibt in Thailand ungefähr 350 Bananensorten, im Garten haben wir gegen 20. Hält man die kleinste und die größte nebeneinander, wird der gewaltige Unterschied evident. Nein, bei der Riesenbanane handelt es sich nicht um eine Kochbanane, einfach um ein sehr großes Kaliber eines normalen „Schlauchapfels“, wie die DDR-Mangel- und Sehnsuchtsfrucht unter den Nazis hieß…

Jetzt treffe ich auf meinem Spaziergang auf ein Iguana-Paar, das weniger an Bananen interessiert zu sein scheint, sondern an hard-core sex: Er hat sie bestiegen und beißt sie genussvoll in den Nacken: Einfach tierisch… Die Gänse auf dem Fischteich zeigen sich ähnlich erregt und fleischlich interessiert. Auch bei diesen Männern scheint der Nackenbiss der Partnerin von orgiastischem Interesse zu sein.

Dann stoße ich bei meinem morgendlichen Spaziergang durch den Garten auf die prachtvollen Samenbehälter der Roten Lippenstiftbäume oder -büsche. Schön sind sie, wenn sie blühen und sehr hübsche rosa Blüten hervorbringen. Aber auch ein Blickfang sind sie im Garten, wenn sie – wie gerade jetzt – ihre knallroten Samenbehälter hervorbringen, die im Innern zahllose rote Samen enthalten, die sich zum Färben von Essen, Textilien oder eben von Lippenstift eignen.

Muskatnuss ist selten hierzulande.
Muskatnuss ist selten hierzulande.

Genauer hinschauen muss man bei den Bäumen der Muskatnüsse, um überhaupt Früchte zu sehen. Zum einen liegt es sicher daran, dass nur die weiblichen Bäume überhaupt Früchte hervorbringen können. Die männlichen Bäume sind hingegen steril, sie braucht es für überhaupt nichts. Wir verwenden allerdings ihr Holz, wenn wir Speck oder Würste räuchern. Ein paar Muskatfrüchte sind von einem geübten Auge zu entdecken, aber reif sind sie wohl erst in etwa zwei Monaten, so lange müssen wir uns wohl oder übel gedulden.

Baobabs erholen sich oft wieder ganz

Unsere Riesenbäume aus Afrika, die dortigen Baobabs, wachsen atemberaubend schnell. Schon etliche mussten wir fällen lassen, weil – falls sie unglücklich fallen sollten – sie ganze Nachbarhäuser zerstören könnten und die Nachbarn gleich mit. Schneiden wir sie ganz unten am Boden ab, wachsen etliche wieder nach.  Und sind schon bald wieder so hoch wie zuvor. Schneiden wir sie etwa einen Meter über dem Grund ab, wachsen ALLE wieder nach.

Wir haben nun mal ein paar Exemplare ausgegraben und in riesige, mit Erde gefüllte Körbe gepflanzt. Die Hoffnung ist, dass auch sie nachwachsen, das Wurzelwerk allerdings eingefangen bleibt, damit wir sie später auch versetzen können.

Dass ich mich wieder mit Lust an solche Experimente mache, zeigt mir, dass meine Herzgeschichte offensichtlich überstanden ist…


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.


Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.