Nach dreieinhalb Wochen Reha in Seewis werde ich nach Hause entlassen, das ist – bis zur Abreise nach Thailand Ende November – Zürich, genauer Seebach. Ich muss mich erst wieder an die neue Freiheit gewöhnen, Alltagsrituale entwickeln, um nicht in ein totales Loch zu fallen. Die sanfte Landung im Hier und Jetzt ist überraschend schwieriger als erwartet.

Seewis liegt oberhalb der Nebelgrenze und über einen Mangel an Sonnenschein konnten wir uns hier alle wirklich nicht beklagen. Und am Tag der Abreise herrscht um 9 Uhr schon eitel Sonnenschein, der anhält fast bis nach Seebach. Joe Ganser hatte mich mit seinem Auto am Unispital abgeholt und auf meinen Wunsch fährt er mich auch zurück nach Zürich, gegen bescheidene 145 Franken. Eine herrliche Fahrt durch Herbstlandschaften, das Navi hat eine originelle Route über Land vorgeschlagen. Erst fast in Seebach verlieren wir uns im Nebel.
Seebach ist ein ständiges Nebelloch
Seebach liegt im Glatttal, und das ist im November fast immer neblig, meistens den ganzen Tag. Wenn ich mich am späteren Vormittag – bekleidet mit T-Shirt, Hemd, 2 Pullovern, Daunenjacke und Mütze – aus dem Haus wage und immer noch friere, versinke ich in akutem Selbstmitleid: Ich wäre jetzt wirklich lieber in Thailand!

Ich gehe in die Stadt zum Kaffeetrinken und Zeitungslesen, solange es noch ein paar wenige, gedruckte Zeitungen gibt. Ab dem Milchbuck klart es meistens schon auf, doch bei der Rückkehr ist ab etwa Sternen Oerlikon alles wieder in der üblichen, penetranten Milchsuppe. Sowohl in Pattaya als auch Nong Khai wäre es da 100-mal angenehmer, also wirklich!
Bei Ziegler in Oerlikon habe ich einen Fleischkäse (Leberkäse) zum Selberbacken erstanden, dazu in meiner kleinen aber feinen Küche einen köstlichen Kartoffelsalat produziert. Zusammen mit glutenfreiem Bier einfach ganz hervorragend.
So kann man in Zürich im November halbwegs überleben, ansonsten halte ich die Stadt in dieser schrecklichen Zeit für ebenso unbewohnbar wie den Mond.
Auch ein Mistkratzerli habe ich schon in der Heißluftfritteuse produziert, zusammen mit viel ausgelassener Butter, auch das kann als Überlebensnahrung gelten.
Blätter überall, doch bald ist alles kahl

Momentan liegen überall noch Blätter herum, ich hatte vergessen, dass so viele Blätter überhaupt fallen können. Auch mein Gartensitzplatz ist völlig mit Blättern übersät, ja zugemüllt. Jetzt muss ich dann bald die Gartenmöbel reinigen und in den Keller schaffen, eine Aufgabe, die nur ausgesprochen wenig Begeisterung in mir entfacht. November Blues in Reinkultur!
Und irgendwann sind dann auch wirklich alle Blätter abgefallen, bereits sind viele Bäume schon ziemlich kahl.
An der Seebacherstrasse ist ein Nachbarhaus in meiner Abwesenheit fast vollständig abgebrochen worden, auch das bietet kein ausgesprochen schönes Bild.
Wenigstens dürfen wir zuversichtlich hoffen, dass die neue Herzklappe rund 10 Jahre hält, bevor wir sie nochmals ersetzen müssen…
Zu Martini haben wir in Thailand bereits die ersten Gänse ausgeliefert, es hat für Weihnachten aber wirklich immer noch genug. Ich freue mich bereits auf ein saftiges, recht fettes Exemplar, zu dem ich traditionelles Rotkraut und hausgemachte Spätzli servieren werde.
Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!
