Waran oder Farang?

Unser Gemeinschaftspool wird wieder einmal umgebaut und kommt unter neue Verwaltung. Keine Ahnung, was für ein Konsortium (bisher war es eher ein Konsknorzium) diesmal den Handschuh in den Ring wirft und die Herausforderung annimmt.

Immerhin: In gut drei Wochen wurde alles renoviert, ein zusätzlicher Schuppen mit Kiosk errichtet, farbenfrohe Sonnenschirme und Liegen aufgestellt und eine junge Thai engagiert, die auf Kunden wartet und sie mit einem Lächeln empfängt. Alles ganz professionell. So gut sah es in den letzten acht Jahren noch nie aus. Das sind offensichtlich Optimisten am Werk. Ob es auch wirklich Profis sind, wird sich herausstellen.

Am Eingang ist eine große Hinweistafel montiert worden, nicht übel, aber mit einem kleinen Handycap: Alles ist nur auf Thai beschriftet, dabei bringen hier doch die Expats die Moneten. Vielleicht sollen ihnen die Preise erst nach dem Bad bekanntgemacht werden, unter Berücksichtigung des Leibesumfangs, sprich Bierbauchtarif, gemessen an der Wasserverdrängung.

Auf los gehts los

Vor der Eröffnung werde ich mit den Betreibern eine spezielle Vereinbarung anstreben: Ich bin Frühaufsteher und es gewohnt, spätestens um 6 Uhr schwimmen zu gehen. Laut Hinweistafel sollte aber der Pool erst ab 8 Uhr zugänglich sein. Mit den früheren Betreibern habe ich es versäumt, dies abzuklären, ich bin dann einfach unter dem Absperrgitter hindurchgerobbt und habe mich nicht weiter gekümmert, bezahlt hatte ich ja. Das ist den Guards des Resorts natürlich nicht entgangen. Vermutlich haben sie mich auf Kameras mit schlechter Auflösung beobachtet und für einen Waran gehalten, die ja hier bis zu zwei Meter groß werden.

Schwer zu unterscheiden

Zum Glück haben sie den Irrtum noch rechtzeitig bemerkt und mir als vermeintlichem Ungeheuer keine Machete über den Schädel gezogen, was am anderen Tag sowieso vom Boulevard großzügig entschuldigt worden wäre mit dieser Schlagzeile: „Guards hielten kriechenden Farang für Waran und handelten aus Notwehr – tot.“

Im Interview würden die Guards noch bedauernd hinzufügen, dass am frühen Morgen im Halbdunkeln ein Waran eben schwer von einem robbenden Farang zu unterscheiden sei. Dies wäre für jeden Thai nachvollziehbar und das Verständnis, wenn nicht auch die Sympathie, wäre ihnen sicher.

Muuh oder Meööh?

Wer früh in Hua Hin unterwegs ist, darf mit Überraschungen rechnen. Während sich die Stadt noch den Schlaf aus den Augen reibt, bin ich meist schon unterwegs an den Strand, um den Sonnenaufgang zu genießen. Bei meiner Rückkehr ins Resort stand kürzlich eine Kuh mitten auf der Straße. Sie war ausgebüxt und schleppte ein langes Seil mit sich. Ich wollte den Guard des Resorts darüber informieren und sagte: „Mi kü…ähm Cow“! und zeigte auf die Straße. („Mi kü“ heisst „da ist“ auf Thai, aber für „Cow“ reichte mein Wortschatz nicht aus). Da der bedauernswerte Mann nichts verstand, zeigte ich wieder auf die Straße und machte laut „muuh“. Er stand wie ein Fragzeichen da, sah mich an, zuckte mit den Schultern und machte nach einigem Zögern auch „muuh“??? Das war der perfekte Slapstick. Chaplin hätte Freude daran gehabt. Nun suchte ich im iPhone die Übersetzung von „Cow“ und zeigte sie ihm. Dann fiel der Groschen und der Mann rannte los, das Vieh einzufangen.

Zuhause belehrte mich meine Frau und sagte: „In Thailand machen die Kühe nicht „muuh“, sondern „meööhh“.Wie die Pferde unten am Strand wiehern habe ich dann nicht mehr gefragt, mir reicht es, dass Pferd und Hund auf Thai „Ma“ heißen, aber unterschiedlich betont werden. Einmal ritt die neunjährige Nichte meiner Frau auf einem der Pferde und ich fragte sie zuhause im Kreis des Besuches aus dem Isaan, ob ihr das Reiten auf dem „Ma“ gefallen habe. Das Gelächter war groß. Warum wohl?

Aus dem Bauernkalender von 1683

Reift der Apfel im Dezember
ist es sicher erst September
Reift er aber schon im Mai
ist es schiere Hexerei


Über den Autor

Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.


Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.