Ich fuhr am frühen Morgen in aller Unschuld vom Strand zurück zum trauten Heim, als mich meine Frau schon im Garten erwartete, was ungewöhnlich war, denn sie schläft meist ein wenig länger. Da wird wohl was los sein, dachte ich mir und hatte den irren Verdacht, dass die Polizei vor Ort sein könnte, weil wir an einigen Abenden im Garten des nahen Restaurants Karten gespielt hatten.
Kartenspiele sind in Thailand in der Regel verboten, vor allem, wenn um Geld gespielt wird, was bei uns zwar nicht üblich war, aber der Verlierer bezahlt die Drinks. Ganz besonders Farangs müssen den langen Arm des Gesetzes fürchten, weil sie die Bußen auch bezahlen können. Wenn Thais Karten spielen, spielt ja meistens auch die Polizei mit und ich habe noch nie einen Gendarm gesehen, der sich selbst verhaftet hat.
Eiskalter Killer
Es war dann aber nicht die Polizei. Hinter dem Haus war ein eiskalter Killer am Werk. Der Besuch aus dem Isaan, der furchtlose Neffe meiner Frau, hatte einer Schlange den Garaus gemacht, die es sich zwischen meinen Malerutensilien und den unvollendeten Meisterwerken gemütlich gemacht hatte. Er hielt das leblose Tier stolz in die Höhe, aber ich sah das mit gemischten Gefühlen. Endlich hatte sich jemand für meine ART interessiert und musste dafür gleich mit dem Leben bezahlen. Ein kunstverständiges Reptil, mein einziger Fan, hing wie ein nasses Seil zwischen den Fingern eines Menschen, für den das Röhren eines getunten Motorrades das höchste aller Gefühle ist.
Grabräuber
Der junge Mann machte sich auf den Weg zur Mülltonne außerhalb des Gartens, um den Kadaver zu entsorgen. Ich ging mit. Das letzte Geleit war hier Ehrensache. Wer hätte ahnen können, dass unser Tun von neugierigen Blicken aufmerksam verfolgt wurde?
Während wir ahnungslos beim Frühstück saßen, müssen sie sich auf weichen Pfoten herangeschlichen haben, die Tonne umgestürzt, die Abfallsäcke herausgerissen und zerfetzt haben, um an alles Essbare heranzukommen und es an Ort und Stelle zu verschlingen. Als ich die Bescherung entdeckte, war die Party schon vorüber. Die letzten Makaken machten sich aus dem Staub und hinterließen ein Chaos aus PET-Flaschen, Tüten, und die Essensreste der Anwohner. Es war, als hätten wir bei der Entsorgung zu ihnen „Auf Wiedersehen“ gesagt…
Das Leckerli
Damit war es auch mit der letzten Ruhe des kunstsinnigen Reptils vorbei. Aber wo war es? Ich stöberte kurz im Müll und fand es unter einem Kompost aus Bananenschalen, zermanschtem Gemüse und Papierknäuel. Ich beschloss ins Haus zurückzukehren, mit der Absicht Besen und Schaufel zu holen. Als ich wieder zurückkam, schnüffelten drei Katzen an den Resten herum. Eine von ihnen hatte die Schlange zwischen den Zähnen und jagte über die Straße hinweg zum Haus der Nachbarn, die anderen beiden dicht auf den Fersen. So endete mein Fan als Leckerli in den Mägen der Streuner. Das ganze Theater in drei Akten dauerte keine halbe Stunde, war aber an Dramatik jedem „Tatort“-Krimi überlegen und um 7 Uhr morgens schon vorbei, Ein witziger Auftakt im Zeitraster, da war ich aber gespannt zu wissen, wie die Fortsetzung aussehen würde.
Aus dem Bauernkalender von 1683 Steh auf einem Bein, |
Über den Autor
Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.