Die meisten T-Shirts, die einen Text aufgedruckt haben, sind in Englisch, selten in Thai. Oder sie haben ein neutrales Symbol, das auf ein Bekenntnis des Trägers hinweist. Auf dem Schulhof hier in Hua Hin habe ich einmal einen Jugendlichen gesehen, der ein schwarzes Shirt trug, auf dessen Vorderseite ein weißes Hakenkreuz auf rotem Grund zu sehen war. Bevor man ihn in die Nazi-Ecke stellt, muss man wissen, dass das Hakenkreuz in Indien, im Hinduismus als religiöses Symbol gilt, das das „Das Rad der Zeit“ symbolisiert. Man sieht es hier auch an Buddhastatuen, z. B. im Wat Ko Tao. Das Hindu-Original dreht aber in der Regel nach links, die Nazirune nach rechts.
Alles ist fashion
Die Thais achten offenbar kaum auf den Englischtext, es geht nur um „Fashion“. Meine Frau kam vor einigen Tagen mit einem dunkelroten Shirt nach Hause. Ich achtete erst am Abendtisch auf den Text und fragte sie, ob sie wisse, was da stehe. Sie verneinte und sagte, sie habe gar nicht hingesehen.
I AM A BAD BITCH sagte ich grinsend. Ich musste ihr dann erklären, was eine Bitch ist. Das habe ich noch hingekriegt, die Erfahrung hat da geholfen. Das T-Shirt hat sie dann mit unseren Altkleidern zu ihren Verwandten im Isaan geschickt. Dort ist die Gefahr nicht so groß, dass jemand die Aufschrift versteht. Dumm wäre bloß, wenn es am Ende eine unbedarfte Lehrerin trägt und damit vor die Schulklasse steht. Wenn nur einer von den vierzig Schülern den Text entziffern kann, ist der Schaden angerichtet. Dann heißt es noch nach Jahren: Die Bitch hat mir schon wieder eine Ungenügend reingegrätscht…
Den Vogel abgeschossen
Den Vogel abgeschossen aber hat unsere Tochter vor ein paar Jahren. Wir wollten an eine Beerdigung und saßen schon im Auto, als sie auch noch angerannt kam. Sie trug wie vereinbart schwarz, auf dem T-Shirt stand aber in Großbuchstaben: SHIT HAPPENS. Jesses! Man stelle sich vor, sie wäre damit unbemerkt bis zum Krematorium durchgedrungen. Ich schickte sie ins Haus zurück und hoffte, dass sie nicht mit einem Totenkopf auf dem Shirt erscheint, was in ihrer Schulklasse gerade angesagt war.
Das Objekt der Begierde als Fantasie
Die Fotos verweisen oft auch auf Sehnsüchte der Träger hin, etwa auf angesagte Reiseziele in aller Welt: Venedig mit der Piazza San Marco und den Gondeln, Paris mit dem Eifelturm, London mit Big Ben oder Rom mit dem Kolosseum.
Erstaunlicherweise sind die T-Shirts in den Luxusgeschäften in Bangkok so teuer wie die übrigen Designerklamotten. Das Logo der angesagten Modehäuser ist meist diskret auf dem Shirt angebracht, aber immer sichtbar genug, damit jedermann sieht, dass sich die Trägerin höheren sozialen Sphären zugehörig fühlt. Einmal erzählte uns eine Bekannte, die in bescheidenen Verhältnissen lebt, dass sie diese Luxushops gezielt aufsucht, obwohl sie weiß, dass sie sich nichts kaufen kann. Sie stelle sich dann einfach vor in einem Museum zu sein, in einem Museum könne man ja auch nichts kaufen… Das nennt man Lebenskunst.
Aufschriften
Bei den Texten auf den T-Shirts handelt es sich meist um Kurzbotschaften, die Aufschluss über das Sendungsbewusstsein der Träger geben, einfach nur witzig sind, oder etwas dazwischen. Der beste Spruch, der genau diese Zwiespältigkeit auf den Punkt bringt, geht so: „Um Mitläufer zu sein, braucht es bloß Beine.“ Gesehen auf dem T-Shirt eines Demonstranten gegen den Krieg im Nahen Osten. Oder bei einer anderen Gelegenheit „Gib einem Esel Zucker und er findet Scheuklappen süß“.
Aus dem Bauernkalender von 1683 Ein Bauer las in einem Buch Er nahm davon und nicht zu knapp Das Geld war weg, es ist verloren, |
Über den Autor
Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.
Mein Vater trug einmal ein T-Shirt auf dem ein Schaf mit hervorquellenden Augen zu sehen war, dahinter ein Mann. Die Aufschrift lautete: "Australia - Where men are men and sheeps are very nervous".
So etwas kann man nur in Thailand tragen ;-)