Haarsträubende Geschichten

Eine Bekannte erzählt von der Silvesterfeier ihres Lebens.

Sie lebte mit ihrem Mann in Singapore, wo er als Ingenieur für eine internationale Firma tätig war. Nach etwa zwei Jahren wurde er nach Bangkok versetzt und die Familie nahm in einem Quartier Wohnsitz, wo sich vor allem Expats und Diplomaten aus aller Welt niederließen. Zum Jahreswechsel war ihr ganzer Clan aus Europa angereist, um in einem Luxushotel im obersten Stock unter freiem Himmel zu feiern. Kurz bevor man gut gelaunt um Mitternacht auf das neue Jahr anstoßen wollte, hörte man, wie sich jemand laut schreiend vom Eingang her der Gesellschaft näherte.

Der fleischgewordene Albtraum

Dann baute sich eine kräftige, dunkelhäutige Frau vor ihrem Mann auf und versuchte ihn mit aller Kraft und kreischend vom Tisch zu zerren. Alle starrten wie gebannt auf das Spektakel. Nach einer Weile erhob sich der Mann und ging mit ihr auf den Ausgang zu, wo er sie händeringend zu beschwichtigen suchte. Es war zwecklos und es blieb ihm offenbar nichts anderes übrig, als mit ihr wegzugehen.

Die Mia Noi

Es stellte sich heraus, dass die rabiate Lady seine heimliche Geliebte war und wütend, weil sie nicht zur Neujahresparty eingeladen wurde. Sie war die Mia Noi des Mannes und fand es selbstverständlich, auch neben der Ehefrau eingeladen zu werden, wie das in der thailändischen Kultur nicht ungewöhnlich ist und meist auch von der Frau bei Einhaltung gewisser Regeln toleriert wird. Hier aber, in der Gesellschaft der europäischen Verwandtschaft und seiner Ehefrau, wäre das schwer zu vermitteln gewesen und deshalb hatte sich der Mann entschieden, sie nicht einzuladen.

Die Mia Noi hatte durch ihren theaterreifen Auftritt den Mann nun ganz für sich und konnte mit ihm auf ein „glückliches“ neues Jahr in „trauter Gemeinsamkeit“ am Ort ihrer Wahl anstoßen. Wie der Abend für die Neujahrsgesellschaft verlief, kann man daran ermessen, dass die vorbereiteten Tischbomben nicht gezündet wurden, sich aber dieser Silvesterabend für Generationen ins Gedächtnis der Anwesenden eingebrannt hat.

Auswandern mit einem „Schwarzbär“

Ein Rentnerpaar aus Old Europe hatte sich zum Auswandern nach Thailand entschieden. Es landete wie geplant auf dem internationalen Flugplatz Suvarnabhumi in Bangkok, ging problemlos durch den Zoll und wartete beim Band auf das Gepäck und auf die beiden Hunde. Einer davon war ein Pekinese-Mischling und naturgemäß klein, der andere war auch unbestimmter Rasse aber riesig, bei unbedarften Gemütern hätte er als Bär durchgehen können, als Schwarzbär, schwarz wie er war. Sie warteten in separaten Käfigen auf die Befreiung.

Zöllner mit Fantasie

Für die Abfertigung der Tiere wurde ein besonderer Zollbeamter mit tierärztlichen Kenntnissen benötigt, oder womöglich einer, der einen Veterinär kannte oder jemand kannte, der einen kannte, was hierzulande schon eine ausreichende Qualifikation sein kann. Der Mann winkte den Pekinesen durch, die Papiere waren alle ok, aber beim „Schwarzbären“ zögerte er plötzlich. Auch diese Papiere waren natürlich ok, der Transport hatte ja auch eine Unmenge Geld gekostet, aber bei einem so großen Tier konnte man natürlich immer etwas beanstanden, zum Beispiel, dass es eben größer war, als die normalen Hunde in Thailand.

Paragraf Zero

Der Strafbestand ungehöriger Größe, weil kein ausländischer Hund größer als der größte Hund im Königreich sein dürfe, ließ sich finden, wenn auch nur im Kopf des Zöllners, der „Thainglish“ sprach, eine Mischung aus Thai und Englisch, die weder Thais, noch Englischsprachige noch der Sprechende selbst verstehen. Er blätterte pro forma in einem Katalog, als würde er nach einem entsprechenden Paragraphen suchen, klappte ihn zusammen und sagte: „Macht 2.000 Baht.“

„Unser“ Rentnerpaar hatte keine Ahnung, was der Mann da beanstandete, es war auch egal, erfundene Strafbestände sind in Thailand nachhaltiger als gesetzeskonforme, weil einmalig. Er schrieb dann Zweitausend Baht noch auf einen Zettel, damit keine Missverständnisse aufkommen konnten. Gleich nach der Überweisung stopfte er ihn zusammen mit den beiden Tausendern in die Tasche. Carpe diem.

Aus dem Bauernkalender von 1683

Grunzt die Sau in ihrem Koben
wird abends ein Gewitter toben
Suhlt sie sich in ihrem Mist
bleibt das Wetter wie es ist


Über den Autor

Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.

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