Ich bin mit meinem einfachen Citybike während rund sieben Jahren in Hua Hin herumgeradelt, ohne je ein Problem zu haben. Die Polizei winkte mir sogar zu, wenn ich eine Einbahnstraße in die verkehrte Richtung durchquerte, während Motorradfahrer angehalten und gebüßt wurden. Mal abgesehen davon konnte ich meist mit einem Exotenrabatt rechnen, weil sich nur sehr wenige Farangs mit Rad zu jeder Tageszeit blicken ließen. Die ambitionierten Sportradler waren meist nur in den frühen Morgenstunden unterwegs, der kühleren Temperaturen wegen.
Alles zu seiner Zeit
Nun hat alles seine Zeit. Es ist in den letzten drei Jahren unbestritten heißer geworden. Es kommt hinzu, dass in allen Medien davor gewarnt wird, sich in der Tageshitze im Freien zu bewegen, Pensionären wird sogar geraten, tagsüber zuhause zu bleiben. Ich fühlte mich angesprochen und strebte einen Kompromiss an: Ein E-Bike würde mir den Fahrtwind um die Ohren blasen und mich vor dem Kollaps bewahren. Gesagt, gekauft. Ich fuhr damit los, kam aber nicht sehr weit, bei der ersten Kreuzung war Ende Gelände. Aus einer Art Bahnwärterhäuschen, das auf einem Sockel am Straßenrand steht, stürzte ein leibhaftiger Gendarm heraus und machte mir unmissverständlich klar, dass ich ihm folgen sollte.
Verhör und Anklage
Ich setzte mich auf den einzigen Stuhl in der Klause und fragte mich, was er von mir wollte. Das war aber nicht so einfach. Er redete in einer Sprache auf mich ein, die er für Englisch hielt und ich wagte natürlich nicht, ihm zu sagen, dass er damit alleine sei, aber mit der Zeit meinte ich zu verstehen, dass es verboten sei, mit einem E-Bike auf den größeren Straßen von Hua Hin zu fahren.
„Und mit Takaijan?” (Velo), fragte ich zurück. „Mit dem Bike ist es erlaubt, aber mit dem E-Bike nicht!“
So war es, aber ich konnte es nicht glauben, rief meine Frau an, erklärte ihr, dass ich verhaftet worden sei und in der Gesellschaft eines uniformierten Herrn in Einzelhaft gehalten werde, vermutlich werde ich die nächsten fünf Jahre in einem Thai Knast verrotten…Kleiner Scherz. Ich sagte ihr bloß, wo ich sei und streckte dem Mann das iPhone hin.
Die Buße
Das Gespräch war kurz. Meine Frau stand nach zehn Minuten auf der Matte, sprach mit ihm und übersetzte, dass für dieses Vergehen eine Buße von 2.000 Baht im Gesetzbuch vorgesehen sei, aber er sei ja kein Unmensch und wäre mit 1.000 Baht zufrieden. Dann ging alles sehr rasch, sie hielt ihm eine 1.000 Baht Note entgegen, die er routiniert in die Gesäßtasche steckte. Dann ging sie voran ins Freie, er folgte ihr und als er an mir vorüberging, sah ich, dass die Note zur Hälfte aus der Tasche hing. Ich hätte nur die Hand ausstrecken und sie wieder einstecken können. Das wäre das Nullsummenspiel des Jahres gewesen. Wieso habe ich das nicht getan? Ich muss weiter an meiner Überlebensstrategie arbeiten.
Die Thai-Brotbörse
In der Stadt hat eine neue Bäckerei eröffnet. Ein Sauerteigbrot, das ich alle drei bis vier Tage kaufe, kostet 135 Baht. Das war korrekt und mit großen Ziffern auf einem Preisschild angeschrieben. Das Schild war nach einiger Zeit weg, aber das spielte keine Rolle, es blieb bei den 135 Baht, bis eine neue Verkäuferin hinter dem Tresen stand. Sie packte das Brot ein, reichte es herüber, mass mich mit einem prüfenden Blick und sagte: 200 Baht.
Ich war keineswegs überrascht, auch Inflation wird in Thailand zuweilen individuell interpretiert, aber hier handelte es sich offenbar um einen Irrtum. Ich sagte mal nichts und lächelte entsprechend der Landessitte vor mich hin. Das ist einer der positiven Aspekte der Thai-Kultur und bleibt nie ohne Wirkung. Auch wenn etwas anders läuft, als es zu erwarten ist, lächelt man im Land des Lächelns. Das ist weder viel- noch nichtssagend, sondern einfach ein Reflex, der dem Gegenüber signalisiert: Ich bin ok, du bist ok, mai pen rai.
Nach einiger Zeit fühlte sich die junge Frau unbehaglich und war froh, dass die Bäckerin hinzutrat, das Problem ohne Worte erfasste und sagte: 135 Baht wie immer. Dann wies sie die Verkäuferin an, ein neues Schild mit dem Preis anzuschreiben. Als ich drei Tage später hinging, warf ich einen Blick darauf: 125 Baht stand da. Aber man gab mir nur auf 135 Baht heraus. Das war der zweite Akt des Nullsummenspiels, aber damit lässt sich leben. Mai pen rai.
Aus dem Bauernkalender von 1683 Liegt die Bäuerin im Stroh, |
Über den Autor
Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.