Blutdruck und Puls sind seit meiner Herzklappenoperation vor gut drei Wochen permanent ausgezeichnet: Jeden Morgen werden diese Werte hier in der Reha-Klinik Seewis (zusammen mit dem Gewicht) ermittelt und fein säuberlich protokolliert. Würde irgendeine Anomalie auftreten, könnten die ausgezeichneten Ärzte hier sofort intervenieren. Das ist alles irgendwo beruhigend, aber eben auch enervierend.
Ich, jedenfalls, fühle mich eigentlich fit genug, um – wie ursprünglich geplant – morgen, Montag, nach Thailand zurückzufliegen. Doch der behandelnde Arzt Prof. Dr. Med. Michele Genoni meint nur lapidar: „Vergessen Sie das!“ Und da ich tatsächlich noch nicht völlig beratungsresistent bin, kaufe ich ein neues Ticket einen Monat später und richte mich darauf ein, noch minimal eine weitere Woche, maximal zwei weitere Wochen hier in Seewis zu verbringen, wo die Leute allesamt äußerst freundlich und hilfsbereit sind, es aber leider auch etwas gar langweilig und repetitiv wird.
Alles wiederholt sich immer wieder

Das beginnt schon mit dem Morgenessen, das wie immer am selben Vierertisch eingenommen wird. Mit 68 Jahren bin ich da noch einmal der „Benjamin“. Alle die da sitzen sind sehr nett, aber besonders angetan hat es mir Ruth, eine 83-jährige Frau, mit der ich auch über die Reha hinaus befreundet bleiben werde: Man muss sie einfach gern haben! Wohl nicht ganz zufällig haben wir einen engen, gemeinsamen Freund, das sagt viel aus über die gemeinsame Wellenlänge.
Dann erscheint der Küchenchef höchstpersönlich, um die Wünsche der Gäste für das Mittag- und Abendessen entgegenzunehmen. Passt einem einmal die ohnehin große Auswahl nicht, offeriert er einem noch Alternativen. Das Essen ist auch hervorragend gekocht, aber eben auch sehr „gesund“ und ausgewogen. Das heißt, das Fleisch ist sehr mager, also Truthahn, Pouletbrust oder Rippli vom Nierstück und nicht vom Fett durchzogenen Hals. Und mit der Zeit wünscht man sich einfach eine fettige Schweinerei… nicht gut für das arme Herz, aber sehr gut für die sündige Seele.
Auch dass Salatbüffet ist ausgezeichnet und sehr reichhaltig, aber irgendwann hat man eben auch genug Salat für die nächsten zwei Jahre gegessen.
Auch die Fitness ist gut und anstrengend

Auch die verschiedenen Fitnessübungen sind sicher ausgezeichnet für ein Herz wie meines, das eine neue Aorten-Herzklappe erhalten hat, das zentrale Ventil also. Alle Teile, die an der zentralen Pumpfunktion des Herzens beteiligt sind, müssen sich neu aufeinander einstellen, zu einem neuen Gleichgewicht finden. Da ist es offensichtlich nützlich, eine halbe Stunde Rad zu fahren und bis an die Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit zu gehen. Dasselbe gilt für die Ballspiele und die Arbeit an den Kraftgeräten, wo spezifische Muskeln gezielt belastet und trainiert werden, was aber auch zu Muskelkater führt.
Die Gegend hier um Seewis ist auch sehr geeignet für Wanderungen, perfiderweise geht es meistens bergauf und man kommt dabei mitunter ins Schnaufen wie ein Walross.
Und alles wiederholt sich dabei eben auch! Man hat einfach irgendwann – und gegen alle Vernunft – genug von allem.
Gerne befasse ich mich zwischendurch auch mit dem Reservieren von Weihnachtsgänsen in Thailand, das ist ein eindeutiges Kontrastprogramm. Ich kann da alle beruhigen: Wir haben genügend Vorrat.
Zwar ist eine fetttriefende Gans sicher nicht besonders gesund, aber sie schmeckt einfach ausgezeichnet.
Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!
