Nach Darwin stammen wir von ihnen ab und wenn sie es wüssten, wären sie vermutlich beleidigt und würden das Gegenteil behaupten. Etwa in dieser Art:
„Einspruch: Ihr stammt von uns ab! Der Beweis liegt doch auf der Hand: Kriege, Mord und Totschlag und das Bestreben nach gegenseitiger Auslöschung ist evolutionsbedingt ein Wunsch primitiverer Primaten, als wir Affen es sind! Keiner von uns käme je auf die Idee Atombomben zu bauen. Wir sind viel zu sehr damit beschäftigt, uns lustvoll von Ast zu Ast zu schwingen und ebenso lustvoll zu vermehren. Schon was von Bonobos gehört? Ohne euch wäre die ganze Welt eine friedliche Bananenrepublik! Ihr mit eurem Herrschafts- und Statusdünkel! Da wären natürlich Bananen zu wenig und wenn, dann würde ein Einziger auf einer Tonne sitzen, die er zusammengerafft hat und die anderen gingen leer aus. Homo sapiens? (weiser Mensch) Es darf gelacht werden!“ Soweit die vermutete Perspektive der Affen, unserer Nachfahren.
Von der Theorie zur Tat
Wenn es wenigstens bei der Theorie geblieben wäre. Denn es macht den Anschein, als würden sie nun Ernst machen, und uns bedauernswerte Homo sapiens das Fürchten lehren. Wie könnte man es sich sonst erklären, dass sie in Thailand vereinzelt bis in die Tiefen der Städte vordringen und die Einwohner terrorisieren? Lop Buri scheint bereits kapituliert zu haben, die City ist zeitweise fest in den Händen der Makaken, auf Fotos sind oft mehr von ihnen zu sehen als Einwohner. Die Stadtverwaltung hat einige Exemplare eingefangen, um sie zu sterilisieren oder fortzuschaffen. Eine Alibiübung. Wenn die Affen herausgefunden haben, was Sterilisieren bedeutet, werden sie auf Rache sinnen, einige von uns einfangen und ihnen dieselbe Behandlung angedeihen lassen, wenn sie die Stadt übernommen haben. Also bloß weg von Lop Buri.
Neue Nachbarn
Es fing alles ganz harmlos an. Vor ein paar Wochen spazierte eine Affenmutter mit ihrem Baby um den Hals über unsere Gartenmauer. Ich holte die Kamera, knipste das Paar und sendete das Video in alle Welt: Seht her, wir haben echte Affen im Resort. Bei uns kommt der Zoo nach Hause, was sagt ihr jetzt? Natürlich fand man das lustig und dachte: Nach streunenden Hunden, Schlangen und Echsen hat er jetzt auch noch Affen!
Wenn das nur gut geht. Es ging nicht gut: Ein paar Tage später saßen zwei oder drei von ihnen auf den Dächern der Nachbarn und lausten sich in aller Ruhe, als wären sie hier zuhause. Wieder ein paar Tage später lagen die Eimer mit dem Müll auf der Straße, der Abfall quoll über und wer tat sich daran gütlich? Genau! Ein halbes Dutzend von ihnen.
Individuelle Abwehrstrategie
Ich nahm einen Besen, verscheuchte das Pack und sammelte die Bescherung ein. Die Makaken sehen mir aus einiger Entfernung zu. Täuschte ich mich oder grinsten sie? Kaum war ich weg, wühlten sie schon wieder im Kübel. Ich verjagte sie noch ein paar Mal und machte mich dabei zum Affen, aber zu einem, den sie kaum zu einem der ihren zählen würden – der kann ja nicht mal klettern.
Auch die Nachbarn wurden aktiv: Einer spritzte sie mit dem Wasserschlauch ab, ein anderer hatte plötzlich ein verdächtig langes Rohr zur Hand, ein Blasrohr mit Holzkügelchen und wartete damit hinter dem Gebüsch wie ein Pygmäe auf der Jagd. Auch die Wächter des Resorts regten sich, sie stellten einen Käfig mit Bananen im Innern auf. Am anderen Tag war tatsächlich ein Makake drin. Sie fuhren ihn weg, Mission accomplished, für sie war die Sache erledigt. Dafür waren am anderen Tag noch mehr Tiere da, sie wollten vermutlich herausfinden wo der andere geblieben war.
Ein Affe übernimmt das Steuer
An einem Sonntag am Strand gingen wir vom Restaurant zurück zum Parkplatz zu unserem Wagen, der von ein paar Makaken umlagert wurde, die ganz in der Nähe auf einer Mauer hockten. Ich stieg auf der Beifahrerseite ein und schloss die Türe. Meine Frau wollte sich ans Steuer setzen, öffnete ihrerseits die Türe und ehe sie sich versah, zwängte sich ein großer Makake an ihr vorbei und setzte sich neben mich. Meine Frau erschrak derart, dass sie die Türe reflexartig zuknallte. Nun saßen wir beide also da, der Makake am Steuer und ich daneben. Wir haben uns für den Bruchteil einer Sekunde ziemlich ratlos angeschaut, oder besser angegafft, beide gleichermaßen entsetzt. Da er kein Anstalten machte, loszufahren, öffnete ich die Türe und er stieg hastig über mich hinweg ins Freie. Das wird ihm die Affenbande kaum glauben, meine Menschenbande auch nicht.
Aus dem Bauernkalender von 1683 Kommt die Hexe aus dem Norden |
Über den Autor
Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.