Neues aus der Presse am Montag

Foto: Pixabay/Gerd Altmann
Foto: Pixabay/Gerd Altmann

«L'Est Républicain»: Autoindustrie steht vor Werksschließungen

NANCY: Die Krise der Automobilhersteller in Europa kommentiert die französische Zeitung «L'Est Républicain» am Montag:

«Die Automobilbranche in Europa durchlebt eine neue Krise, die Anlass zur Sorge gibt. In Deutschland berichten Medien von vier möglichen Werksschließungen allein bei Volkswagen, und die 50.000 Stellenstreichungen, die der Konzern im März angekündigt hatte, könnten in Wirklichkeit auf fast 100.000 ansteigen. (...)

Die Warnung der Gewerkschaften hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage des deutschen Giganten kommt zu einem Zeitpunkt, an dem eine neue Studie die Überkapazitäten hervorhebt, unter denen die meisten Werke in Europa leiden. Laut der Beratungsfirma BCG sei jeder dritte Standort überflüssig. Die Produktionsstätten seien im Durchschnitt nur zu 59 Prozent ausgelastet. (...) Für Stellantis sieht die Lage kaum besser aus: 14 seiner 24 europäischen Standorte liegen unter der 50-Prozent-Marke. (...)

Vor diesem Hintergrund erscheint die Aussicht auf Werksschließungen in Europa als einer der wenigen Hebel für alle Hersteller, die - gelinde gesagt - versuchen, einen Anschein von Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Zu den weiteren Möglichkeiten zählen das Potenzial von Rüstungsaufträgen und - als neueste Idee - die Ermöglichung einer gemeinsamen Nutzung ihrer Werke und Lieferketten. Vorausgesetzt, die chinesischen Hersteller, die mehr denn je darauf aus sind, auf dem alten Kontinent Fuß zu fassen, verleiben sie sich nicht ein.»


«El País»: Auf Trump ist kein Verlass

MADRID: Zum Krieg Russlands gegen die Ukraine schreibt die spanische Zeitung «El País» am Montag:

«Zwar ist es der Ukraine gelungen, die russischen Vorstöße zu stoppen, doch fehlt ihr die Fähigkeit, die verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Und (Wladimir) Putin hat nicht den geringsten Willen erkennen lassen, einen Konflikt zu beenden, der nach einem jüngsten Bericht auf beiden Seiten bereits zwei Millionen Opfer - Tote und Verwundete - gefordert hat. (...)

Der russische Präsident ist unter diesen Umständen gefährlicher denn je. Die Bevölkerung ist eines Krieges müde, der inzwischen das Herz seines Landes erreicht hat. Verbissen und überzeugt davon, dass die westlichen Demokratien für Russland eine existenzielle Bedrohung darstellen, könnte er in einer Provokation gegen die baltischen Nachbarn oder Polen einen Ausweg aus dem Konflikt suchen. (...)

Wie würden die Verbündeten in einem solchen Fall reagieren? Würde (US-Präsident Donald) Trump einem Land wie Estland zu Hilfe kommen? Daran darf man durchaus zweifeln (...) Die USA sind kein verlässlicher Verbündeter mehr. Deshalb sind Einsätze wie jener Deutschlands in den baltischen Staaten ebenso unverzichtbar wie jede nur mögliche Hilfe für die Ukraine, einschließlich des (EU-)Kredits über 90 Milliarden Euro. Das gilt jetzt, in Zeiten des Krieges, und auch dann, wenn endlich Frieden einkehrt.»


«La Stampa»: Russland ein fragiles Regime

TURIN: Die italienische Zeitung «La Stampa» warnt angesichts der Entwicklung im Ukraine-Krieg am Montag vor Angriffen aus Russland auf weitere Länder:

«Man muss die moralistische und nicht selten hysterische Haltung gegenüber Moskau, die seit vier Jahren im Westen reichlich verbreitet ist, nicht teilen, um anzunehmen, dass Russland ein echtes Problem für die europäische Sicherheit darstellt. Auch weil die politische Ordnung in Russland unsicher erscheint und ihre Instabilität vermutlich durch den verpassten Sieg in der Ukraine noch verstärkt wurde.

Ein fragiles Regime, das alles auf eine Kraftprobe gesetzt hat, ohne den erhofften Triumph davonzutragen, ist qua Definition ein unruhiger Nachbar, der der Versuchung ausgesetzt ist, in weiteren externen Abenteuern die Legitimation zu suchen, die im Inland ins Wanken geraten ist.»


«de Volkskrant»: Die Krise bei Volkswagen ist ein Signal für Europa

AMSTERDAM: Nach den Medienberichten über die Streichung von mehr als 100.000 Stellen in der Belegschaft von Volkswagen kommentiert die niederländische Zeitung «de Volkskrant» am Montag die Krise so:

«Die Krise bei Volkswagen hat mehrere Ursachen, doch eine sticht besonders hervor: die rasch zunehmende Konkurrenz aus China. Natürlich macht China sich des unlauteren Wettbewerbs schuldig, indem es seine Wirtschaft subventioniert und den Kurs seiner Währung künstlich niedrig hält, wodurch chinesische Exportprodukte preiswert sind.

Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Deutschland sieht sich mit einem mächtigen Konkurrenten konfrontiert, der genau das tut, was Deutschland jahrzehntelang getan hat: andere durch Innovation und Größenvorteile vom Markt zu verdrängen.

Volkswagen hat China völlig unterschätzt. Das Unternehmen brachte europäische Technologie nach China - im Rahmen von Joint Ventures mit chinesischen Firmen. Die Chinesen haben diese Technologie weiterentwickelt und sind nun führend in den Bereichen Batterietechnologie, Software und KI. (...)

Die Krise bei Volkswagen ist nicht nur ein Problem für das Unternehmen selbst, sondern auch ein deutliches Signal dafür, dass Europa seine Beziehungen zu China neu gestalten muss. In einer Welt, in der China und die USA ihre Industrien schützen, kommt auch Europa nicht um eine gewisse Form des Protektionismus herum. Wenn es nichts unternimmt, werden ganze Wirtschaftszweige ausgelöscht - und damit auch die Möglichkeit für Wachstum, Innovation und Autonomie gegenüber China und den USA.»


«NZZ»: Das Lager der traditionellen Internationalisten schrumpft

ZÜRICH: Zum Tod des langjährigen republikanischen Senators Lindsey Graham heißt es am Montag in der «Neuen Zürcher Zeitung»:

«Mit Graham verlieren die USA einen einflussreichen Falken, der eine interventionistische Außenpolitik propagierte und die traditionellen Allianzen Amerikas hochhielt. (...) Graham hatte zwar auch wiederholt Kritik an den Nato-Partnern geübt. Doch war sein Bekenntnis zur transatlantischen Allianz nie in Zweifel gestanden, was europäische Regierungschefs in ihren Würdigungen unterstrichen. Bundeskanzler Friedrich Merz nannte ihn einen «wahren Freund und Partner Deutschlands». (...)

Seinem Kurs stets treu geblieben war Graham in der Außenpolitik, in der er auf dem Kapitol die größte Lücke hinterlässt. Ohnehin schrumpft das Lager der Internationalisten von altem Schrot und Korn: Der texanische Senator John Cornyn ist jüngst bei den Vorwahlen von Trump-Alliierten aus dem Amt bugsiert worden. Senator Mitch McConnell aus Kentucky, ein Kämpfer für die Bewaffnung der Ukraine und die Stärkung der Nato, ist 84 Jahre alt und leidet offenbar unter gesundheitlichen Problemen.

Die Entwicklungen der letzten Monate könnten den isolationistischen Flügel innerhalb der Republikaner rund um (Vizepräsident JD) Vance stärken. Die Nato wirkt fragil. Die Unzufriedenheit über den Krieg gegen Iran ist groß. Die Unterstützung für Israel schwindet bei den Demokraten, aber auch bei der republikanischen Basis. Mit dem Tod von Lindsey Graham verliert das Lager der traditionellen Falken, Transatlantiker und Israel-Freunde nun auch noch eine seiner einflussreichsten Stimmen.»

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