Jens Klein stammt aus dem schönen Thüringen und lebt seit neun Jahren in Pattaya. Der 29-jährige „Self-made-man“ hat einen äußerst erfolgreichen Lebenslauf vorzuweisen. So agierte er bereits in jungen Jahren als Guest Relation Manager im Pinnacle Resort, später als Group Assistant Manager bei der Sunshine Hotels & Resorts-Gruppe und feierte große Erfolge als Marketing Manager bei einer der exklusivsten Immobilienprojekte in Thailand. DER FARANG traf sich mit dem jungen Geschäftsmann und befragte ihn zu seinem neuen Restaurant, dem Leben in Thailand und seiner gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Durch das Interview führte Björn Jahner.
Sie sind ein junger Mensch. Ihr bisheriger Werdegang klingt nach einer Aschenputtelgeschichte à la Hollywood
nein, absolut nicht. Alles, was ich in meinem Leben erreicht habe, habe ich mir schwer erarbeitet. Schon als 13-Jähriger habe ich Kaninchen gezüchtet und auch später als Jugendlicher viele Nebenjobs gehabt, während meine Freunde sich in der Disko amüsierten. Dafür konnte ich mir schon recht früh ein eigenes Auto kaufen oder Fernreisen nach Thailand unternehmen.
Wie kam es zu der Übernahme des Restaurant Pagoda?
Ich habe das Pagoda von Helmut Zimmermann übernommen, der das etablierte Restaurant erfolgreich aufbaute. Helmut ist ein Mann vom Fach und leitete vor dem Pagoda das Poseidon, Jomtien Complex Soi 1, und das Luxor, Soi Day & Night 2. Da er mit fast 70 Jahren seinen Lebensabend genießen und beruflich etwas kürzer treten möchte, ergab sich die Gelegenheit für meinen Lebenspartner und mich das Pagoda am ersten November 2009 zu übernehmen.Wie sind die Aufgaben im Pagoda unterteilt?
Mein Lebensgefährte Jo und ich sind beide Besitzer des Restaurants und Jo ist außerdem der Manager. Auch mit Helmut Zimmermann haben wir ein besonderes Arrangement festgelegt. Das entlastet mich sehr. Da ich oft geschäftlich unterwegs bin, versteht es sich von selbst, dass es für mich sehr wichtig ist, jemand angestellt zu haben, auf den ich mich blind verlassen kann.
Habt Ihr große Veränderungen im Restaurant vorgenommen oder ist alles beim Alten?
Wir haben bewusst nicht alles auf den Kopf gestellt. Schließlich wollen wir unsere Stammgäste nicht verschrecken. Jedoch haben wir das Layout im Restaurant in sofern abgeändert, dass wir die Tische neu angeordnet haben. So gibt es fortan mehr Sitzplätze am großen Panoramafenster und auch die restlichen Sitzplätze wurden großzügiger gestaltet, damit die Gäste nicht so dicht aufeinander sitzen. Außerdem haben wir nun auch sonntags geöffnet und die Speisekarte wurde ein wenig abgeändert. Jedoch möchte ich betonen, dass wir das gesamte Personal, auch in der Küche, übernommen haben und somit über ein tadellos eingespieltes Team verfügen.
Wie lässt sich das Pagoda charakterisieren?
Eine persönliche Begrüßung durch einen der Besitzer schätzen die Gäste sehr. Unser Restaurant ist modern und ansprechend eingerichtet und die große Auswahl an leckeren Speisen und Getränken kann sich sehen lassen. Man kann es wohl eher mit einer Immobilie vergleichen: Preis und Leistung sowie Service und Ambiente stimmen. Die Leute bekommen für ihr Geld, was sie erwarten. All dies kombiniert mit persönlicher Betreuung ist das Besondere, was das Pagoda auszeichnet.
Haben Sie manchmal Sehnsucht nach Deutschland?
Ich glaube, das hat jeder, der im Ausland wohnt oder beruflich tätig ist.
Warum?
Ich fühle mich in Thailand sehr wohl. Meine Sehnsucht nach Deutschland besteht lediglich darin, dass ich meine Familie, insbesondere meine Eltern und meine Oma, sehr vermisse. Im Endeffekt sehe ich Fremde mehr als meine eigene Familie. Doch ich habe den Vorteil, dass viele Freunde oder Familienmitglieder aus Deutschland mich oft in Pattaya besuchen kommen. Auch leben mein Bruder und meine Cousine seit eineinhalb Jahren hier bei uns. Als waschechter Thüringer vermisse ich natürlich manchmal das gute deutsche Essen, zum Beispiel eine original Thüringer Bratwurst oder Omas leckere Klöße.
Im Gastronomiegewerbe haben Sie bestimmt einige kuriose Vorfälle mit Gästen erlebt. Welche Anekdote ist Ihnen noch in guter Erinnerung?
Oh ja. Eigentlich müsste ich mal ein Buch verfassen. Das würde dann den Titel "Kleinlichkeiten" tragen! Einmal kam zum Beispiel ein Gast ins Lokal und bestellte eine Carpaccio. Nach dem Essen beschwerte er sich bei mir: "Das Carpaccio ist zu roh!" (Anmerkung der Redaktion: Carpaccio ist eine italienische Vorspeise aus rohem Rindfleisch.)
Sie führen eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft?
Jo und ich sind seit neun Jahren ein Paar und seit sieben Jahren nach deutschem Recht verheiratet. Wir haben Jos kleinen Neffen vor drei Jahren adoptiert und führen somit ein glückliches Familienleben.
Was schätzen Sie an Thailand?
Wir können hier so leben wie wir das möchten. Das was ich mir hier mit meinem Lebenspartner aufgebaut habe, wäre in Deutschland im Alter von 29 Jahren nicht möglich. Jedoch liegt das immer an einem selbst: Auch wer hier nichts tut, muss ganz schnell seine Koffer packen.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung in Pattaya?
Pattaya wird immer Pattaya bleiben und irgendwann neben Bangkok die zweit größte Stadt in Thailand werden. Manche kommen wegen eines Urlaubs oder einem Job, andere wegen einer Frau. Oder eben doch wegen einem Mann!
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Da treffen wir uns bei mir im Restaurant und ich gebe Ihnen das nächste Interview!